Schrei in Flammen
er mit Maja hatte«, erwiderte Jens, »und ihn fragen, ob er Geschäfte mit ihr gemacht hat, die erklären könnten, woher das Geld in ihrem Bankfach stammt. Ob sie sich deshalb in die Haare geraten sind. Er ist zwar nicht der Typ, der schnell zusammenbricht und alles gesteht, aber wir würden doch gern seine Reaktion sehen, wenn er erfährt, dass wir von diesem Streit wissen.«
»Jens, wir wissen doch alle, dass er nichts sagen wird, was ihr gebrauchen könnt. Im Gegenteil, so wird er nur aufmerksam darauf, dass wir uns für ihn interessieren«, gab Lars Sønderstrøm zu bedenken.
»Das weiß er doch längst. Er befindet sich im Krieg, er kannte Maja, und er handelt mit Drogen. Lars, das ist ein Profi. Willst du uns wirklich verbieten, ihn noch mal zu verhören?«
»Wir hören ihn rund um die Uhr ab, und die Sonderabteilung SKAT nimmt seine Finanzen und die seiner Firma genau unter die Lupe. Ich schlage vor, dass wir das gesamte Material noch einmal durchgehen und nach irgendwelchen Verbindungen zu Maja Jensen suchen«, sagte Lars.
Jens sah Melby an.
»Du kennst das Problem, Jens«, sagte Melby. »Wir arbeiten an Fällen, bei denen es durchaus gegensätzliche Interessen geben kann.«
»Ja, aber es geht um einen Mordfall!«
»Stimmt«, sagte Melby. »Aber Hector steht nicht unter Mordverdacht, und wir haben bereits jemanden in Untersuchungshaft sitzen.«
»Ich sage Bescheid, sobald wir das Material durchgegangen sind«, versprach Lars.
Jens schaute verbissen. »Okay, gut«, sagte er und sah zu Katrine. »Dann knöpfen wir uns diesen Latinogangster vor.«
Auch Melby blickte zu Katrine und wollte etwas sagen, verkniff es sich dann aber.
*
Torsten Bistrup machte sich bereit, Asger Dahl zu verhören. Er hatte die entscheidenden Beweise dafür, dass der Mann ihnen über seinen Aufenthaltsort am Freitagabend nicht die Wahrheit gesagt hatte, wenn das auch nicht automatisch bedeutete, dass er den Mord begangen hatte. Den Rest würde Torsten aber schon aus ihm herauskitzeln, schließlich musste der Mann dank der vortrefflichen Arbeit der Kriminaltechnik nun eingestehen, im Bordell gewesen zu sein. Welche Doppelmoral dieser selbstzufriedene, ach so humanistische Schwätzer doch an den Tag legte. Und für solche Arschlöcher gingen auch noch Steuergelder drauf! Da beanspruchte dieser Saubermann in der Öffentlichkeit immer wieder die richtigen Meinungen für sich und machte in seiner Freizeit das blanke Gegenteil!
Das nun anstehende Verhör erforderte eine andere Strategie als das erste, in der er den Mann ohne Umschweife und effektiv in die Mangel genommen hatte. Ohne Erfolg, weil Høgh und diese Psychologin dabei gewesen waren und gegen ihn gearbeitet hatten.
Aber dieses Mal würde ihn niemand stören. Dieses Mal würde er ihn kriegen.
*
Christian Letoft saß pfeifend in dem neuen BMW X6 und machte sich mit den besonderen Features des Wagens vertraut. Sofia hatte ihm tags zuvor verziehen, wenn auch erst nach vielem Hin und Her, wozu die Sofas ebenso wie das Thai-Essen, das er im besten und teuersten Restaurant der Stadt geholt hatte, einen wichtigen Teil beigetragen hatten. Der Versöhnungssex, den sie am Abend gehabt hatten, nachdem die Kinder im Bett waren, war so wild gewesen wie schon lange nicht mehr. Er hatte sie, in aller Bescheidenheit, richtig durchgefickt.
Das Telefon klingelte, und Louise nahm das Gespräch entgegen. Christian hatte früher noch einen weiteren Verkäufer und zwei Mechaniker im Team gehabt, aber denen hatte er im Laufe der letzten Jahre kündigen müssen. Jetzt waren ihm nur noch ein Mechaniker für den Service und die Vorbereitung der Wagen sowie Louise geblieben.
»Christian, Axel ist am Apparat«, rief Louise. »Ich stelle dir das Gespräch durch.«
Christian stieg aus dem Wagen, warf die Tür zu, ging in sein gläsernes Büro und schloss die Tür hinter sich. Dann trat er an seinen Schreibtisch und nahm den Hörer ab. »Hallo, Axel.«
Axel Schmidt arbeitete als Buchprüfer der Firma, seit Christians Eltern nach Hørsholm gezogen waren. Christian war damals zwölf Jahre alt gewesen. Axel kümmerte sich nicht nur um die Buchhaltung von Letoft Automobile, sondern auch um Christians und Sofias private Finanzen.
»Grüß dich, Christian.«
»Wie geht’s?«
»Danke, mir geht’s gut. Du, ich rufe an, weil ich gerade über der Buchhaltung des ersten Quartals sitze. Christian, als dein Revisor und Freund muss ich dir sagen, dass es sehr ernst aussieht.«
Christian ließ sich
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