Schrei in Flammen
zusammen mit Melby und Lars Sønderstrøm in Melbys Büro, um die weitere Vorgehensweise zu diskutieren.
»Die Devils haben wir ziemlich gut abgedeckt«, sagte Lars, »aber nicht diese beiden Spezis.«
»Es geht ja nicht nur um unsere Ermittlung, sondern auch um die allgemeine Vorbeugung. Da müsste ein Richter einem Abhörantrag doch stattgeben?«, sagte Melby. »Wir könnten es jetzt überhaupt nicht gebrauchen, dass es zwischen denen knallt.«
Lars nickte zustimmend und sah Jens an. »Ich denke, so einen Antrag kriegen wir problemlos durch. Geht es nur um die Telefone? Oder auch um Räume?«
»Da wir so gut wie nichts über sie wissen, am besten das ganze Paket. Vielleicht erfahren wir dann, was die da treiben und was das Ganze soll. Abgesehen davon wäre das brauchbares Material für Katrine.«
Melby nickte zustimmend.
»Ich bin ein großer Befürworter von zusätzlichen Informationen«, sagte Lars. »Wenn du den Antrag ausfüllst, bringe ich ihn gern bei den Juristen vorbei.«
»Gut«, sagte Jens mit einem Blick auf Melby. »Was Neues von Dahl?«
»Ja, ich war eben bei ihm, unmittelbar bevor ihr gekommen seid«, sagte Melby. »Er leugnet weiter, dass er das auf den Bildern ist. Das ist also erst mal ein Schlag ins Kontor. Aber die Techniker sagen, ihre Ergebnisse seien absolut eindeutig und dass er sich nur noch tiefer verstrickt, wenn er das weiter abstreitet.«
»Aber genau das ist doch das Kernproblem seiner Situation«, sagte Katrine.
Die drei Männer sahen sie an.
»Er verstrickt sich immer stärker in seine Aussage, weil er nicht wusste, dass es um Mord ging, als er uns bei unserem ersten Treffen in der Nacht auf Samstag angelogen hat. Und nun hofft er wahrscheinlich, unbeschadet aus der Sache rauszukommen, weil nicht ausreichend technische Beweise gegen ihn vorliegen. Die Tatsache, dass er auf den Bildern zu sehen ist, reicht noch nicht aus, um ihn des Mordes zu überführen. Wohingegen er eine Menge zu verlieren hat, wenn er zugibt, dass er in dem Bordell war.«
»Eine ziemlich gewagte Auslegung«, sagte Melby mit einem energischen Blick in ihre Richtung. »Nach meiner Einschätzung ist es entschieden zu früh, in einem komplizierten Fall wie diesem bereits Schlüsse zu ziehen. Gut, damit wären wir wohl fertig«, sagte er an Jens und Lars gewandt. »Katrine, würden Sie noch einen Augenblick bleiben? Ich habe Ihren Bericht gelesen.«
*
Ich hatte in der neuen Klasse eine Freundin gefunden. Wir spielten bei ihr zu Hause, aber dann habe ich alles kaputt gemacht.
Wir waren vor kurzem umgezogen, und niemand wusste, was mein Vater getan hatte. Es sollte ein Neubeginn für uns alle sein. Auch für meine Mutter.
Aber ich hatte permament Angst, dass sie es rauskriegten.
Da, wo wir vorher gewohnt hatten, wollte niemand zum Spielen zu mir nach Hause kommen, weil sie Angst vor meinem Vater hatten. Aber vielleicht waren es auch ihre Eltern, die Angst vor meinem Vater hatten, vielleicht hatten sie kein gutes Gefühl, wenn ihre Kinder im Haus eines Mörders spielten. Was konnte dort nicht alles passieren? Wenn er plötzlich Amok lief? Es wieder tat? Ich spürte all diese unausgesprochenen Gedanken, war alt genug, sie zu verstehen.
Und was ist mit dem Mädchen?, fragten sie sich und verstanden nicht, wieso ich bei ihm wohnte.
An dem neuen Ort, an dem wir wohnten, wusste keiner etwas. Und niemand sollte es je erfahren. Meine Mutter ermahnte mich, mit niemandem darüber zu reden.
»Wollen wir spielen, dass der Vater ins Gefängnis kommt?«, fragte ich meine neue Freundin. Ihr Zimmer hatte sich in eine phantastische, von Barbiepuppen bewohnte Welt verwandelt.
»Ja. Und die Mutter befreit ihn.«
»Aber das kann sie nicht«, sagte ich besserwisserisch.
»Und warum nicht?«
»Weil … weil er von Gefängniswärtern bewacht wird.«
»Das ist doch kein Problem für sie, die macht einfach
Buff
und schlägt sie zusammen. So! Jetzt ist er frei, komm hier rüber, da sind wir in Sicherheit!«
»Aber man kann nicht einfach weglaufen. Um das Gefängnis ist eine hohe Mauer.«
»Das ist ein blödes Spiel.«
»Dann lass uns spielen, dass er sie totschlägt.«
»Das will ich nicht.«
»Was macht ihr, Mädchen?« Ihre Mutter steht in der Tür.
»Mama, Maja will, dass wir spielen, dass Ken Barbie umbringt.«
»Das ist ja schrecklich. Könnt ihr euch nichts Friedlicheres einfallen lassen? Wie wär’s, wenn sie Kinder kriegen?«
Als ich nach Hause gehen wollte, lagen in meiner Tasche die Schuhe ihrer
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