Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwarzes Prisma

Schwarzes Prisma

Titel: Schwarzes Prisma Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Brent Weeks
Vom Netzwerk:
Stimmen hörte. Er drehte sich um.
    Ein alter Mann stand auf der Rückseite eines Wagens und sprach zu der Menge, die auf dem Weg zum Wassermarkt war, wobei die meisten Menschen ihn ignorierten. »… wieder unser eigenes Land zu haben. Mit unserem eigenen König! Ihr wollt euch abermals unter dem Absatz der Parianer winden? Erinnert ihr euch, was sie das letzte Mal getan haben? Habt ihr kein Gedächtnis?!«
    »Sie haben Hunderte dafür getötet, dass sie sich solchen Unsinn wie den deinen angehört haben!«, rief jemand.
    »Und ich sage, wir dürfen ihnen nicht erlauben, es jemals wieder zu tun«, blaffte der Alte zurück. Zustimmendes Gemurmel wurde laut.
    »Alle, die deinem Sermon für König Garadul lauschen wollten, sind bereits gegangen!«, brüllte ein Ladenbesitzer.
    »Der König will nicht, dass irgendjemand umkommt. Stellt euch auf seine Seite und kämpft!«
    »Wir wollen nicht kämpfen. Wir wollen nicht töten. Wir wollen nicht getötet werden. Wir wollen leben.«
    »Feiglinge«, sagte der alte Mann. Dann schlurfte er davon, um nach einem mitfühlenderen Publikum zu suchen.
    Kip wollte gerade die Stadt verlassen, als etwas seine Aufmerksamkeit erregte. In der Bucht lag ein neues Schiff, eine Galeere, die eine weiße Flagge mit sieben Türmen führte. Die Flagge der Chromeria. Beinahe im selben Moment, in dem er die Flagge identifizierte, sah er eine Reihe von Männern und Frauen durch die Straßen gehen, angeführt von mindestens einem Dutzend Schwarzgardisten. Er erstarrte. Das schlechte Gewissen. Sie kannten ihn nicht, und die beiden einzigen Schwarzgardisten, die er zuvor gesehen hatte, Stumpf und sein Kamerad, waren nicht dabei.
    Die Menschen hinter den Schwarzgardisten waren jedoch interessanter, und Kip musterte sie, während sie einen halben Häuserblock entfernt vorbeigingen und in eine Straße einbogen, die zum Travertin-Palast führte. Es waren vielleicht zweihundert Personen, und Kip war davon überzeugt, dass jeder Einzelne ein Wandler war. Einige hatten Augen, die so hell waren, dass er sehen konnte, dass ihre Iris von einem soliden Blau, Grün oder Rot waren, und einige der Hellerhäutigen unter ihnen hatten tatsächlich bereits eine leicht verfärbte Haut. Ein paar verbargen dies mit langen Ärmeln. Andere schien es nicht zu kümmern. »… mag wahr sein, aber es sieht besser aus als bei unserem letzten Aufenthalt hier, Samila«, sagte ein blau gefärbter Mann. Trotz seiner hellen Haut hatte der Mann enge Löckchen, die ihm fast bis zur Taille reichten. Die Frau war umwerfend, vielleicht vierzig Jahre alt, mit völlig blauen Iris, hohen Wangenknochen und der olivfarbenen Haut der atashischen Oberklasse. Beide trugen kostbare Kleidung.
    Samila Sayeh und Izem Blau? Nein, gewiss nicht. Diese Namen stammten nur aus Geschichten. Gewiss gab es jede Menge Wandler in ihrem Alter, die zufällig Blaue und Rote waren und besondere Beziehungen zueinander hatten.
    Dahinter kamen weitere Schwarzgardisten, die gebrechlichen Wandlern halfen oder sie in Rollstühlen vor sich herschoben. Kip beschloss, nicht abzuwarten, um zu sehen, ob Stumpf unter ihnen war.
    Er drehte sich um, um durch die Menge zu schlüpfen – und fand sich Auge in Auge mit Liv wieder. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt und die Zähne zusammengebissen. Ihr Blick flackerte zu dem Pferd hinüber und zurück zu Kip. Schluck.
    »Ich kann es erklären«, sagte Kip.
    »Das hast du bereits getan. Zweimal.« In ihrer Stimme lag keine Erheiterung.
    Sie hatte beide Briefe gefunden. Oh, Hölle.
    »Halt mich nicht auf, Liv, bitte.«
    »Was glaubst du, was du da tust?« Sie senkte die Stimme. »Du denkst, du wirst spionieren? Du wirst Karris finden? Und was tun?«
    Er presste die Kiefer zusammen. »Ich werde sie retten.«
    Sie gab sich keine Mühe, ihre Ungläubigkeit zu verbergen. »Das ist eins der lächerlichsten Dinge, die ich in meinem Leben gehört habe, Kip. Wenn du weglaufen willst, weil es hier zu gefährlich ist, brauchst du nicht so zu tun, als ob …«
    »Geh zur Hölle!«, sagte er und überraschte damit sogar sich selbst. Sie riss die Augen auf. Er konnte nicht glauben, dass er das zu Liv gesagt hatte – zu Liv, um Orholams willen! »Es tut mir leid!« Er sprach zu laut, und einige Menschen in ihrer Nähe sahen ihn an. Einfältig senkte er die Stimme. »Es tut mir wirklich leid, das war eine dumme Bemerkung und gemein. Ich habe es nicht so gemeint. Ich … Liv.« Er hielt inne und erklärte dann: »Ich bin ein Nichts.

Weitere Kostenlose Bücher