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Schwarzwaldau

Schwarzwaldau

Titel: Schwarzwaldau Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carl von Holtei
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vorgegangen sei? während diese Carolinen zuflüsterte: »Du darfst es immer für einen großen Beweis von Freundschaft hinnehmen, daß ich, Dir zu willfahren, einen solchen Ort heimsuche.«
    Der obere Stock war in zwei abgesonderte Zellen getheilt, zu deren jeder eine eiserne Thüre führte. Caroline äußerte den Wunsch, den Gefangenen zu sehen, und bat, es möge geöffnet werden. »Dazu,« sagte der Verwalter, »möcht' ich nicht rathen: Wir haben, da keine Ketten vorräthig sind, den Kerl nicht fest schließen können und er ist so wüthend und unbändig, daß er nicht nur die schändlichsten Reden ausstößt, sondern auch Thätlichkeiten wagen würde, trotz unserer Ueberzahl. Wenn aber die gnädigen Damen die innere Einrichtung in Augenschein nehmen wollen, so kann ja der Wächter die leere Zelle aufschließen.«
    Es war nun darin allerdings nichts zu sehen,. als die nackten vier Wände, weiß übertüncht, eine hölzerne Pritsche und einige unentbehrliche, aus rohem Holze gezimmerte Geräthschaften. Der Verwalter, auf dessen Ansuchen und unter dessen specieller Obhut der Bau begonnen und ausgeführt worden, wies mit einigem Stolz auf ein in der obersten Ecke der Mauer angebrachtes Luft- und Lichtloch, wodurch das Gemach erhellt wurde, ohne daß doch der Arrestant nach Außen hin lugen, oder Mittheilungen an Spießgesellen zu machen und von ihnen zu empfangen vermöge!
    Agnes blickte die weißen Mauern an: »Wie werden diese Wände heute über fünfzig Jahre aussehen! Wie viele Seufzer, Flüche, Thränen werden daran haften! Wie viele Unglückliche, denen sie auf ihrem Pfade zu langwierigem Kerker die erste Herberge gaben, werden in kaum leserlichen Zügen, vielleicht mit Blut ihre Namen angeschrieben haben?«
    »Thust Du doch,« unterbrach sie Emil, »als wimmelte unsere Gegend von Verbrechern.«
    »Im Ganzen macht sich's, gnädige Frau;« fuhr der Verwalter fort. »Es kommt gewöhnlich ruckweise. Mitunter vergeht ein halbes Jahr, ohne besonderen Vorfall. Uebrigens –« und hierbei wendete er sich halb leise zum Gutsherrn – »hat der Wilddieb Aussagen gethan, die ich natürlich nicht mit zu Protocolle genommen, wider den Büchsenspan . . . .«
    »Ich weiß schon; kann mir schon denken, was er vorgebracht. Franz hat mir nichts verheimlicht. Lassen Sie das unter uns bleiben, und untersagen Sie auch dem Schreiber . . . .«
    Während Emil mit seinem Verwalter weiter unterhandelte, hatte Caroline ihre Aufmerksamkeit auf das Fensterchen in der Zelle gerichtet, dessen Unerreichbarkeit den Verwalter so stolz machte. »Wem es gelingt, eine recht hohe Dach- und Feuerleiter herbei zu schaffen, die er von Außen anlegt,« meinte sie, »der könnte doch wohl dem Gefangenen Nachricht, oder Mittel zur Flucht zustecken. Glaubst Du nicht, Agnes?«
    »Ich glaube wahrhaftig, Du glaubst noch immer . . . . Doch, darüber wollen wir bald in's Klare kommen. Herr Verwalter, darf ich mir auf einen Augenblick Ihr Protocoll ausbitten? Wir sind neugierig den Namen des Gefangenen herauszulesen, weil nach ihm das Gefängniß heißen soll.«
    Der Verwalter zeigte sich einigermaßen verlegen durch diese Ansprache, dennoch gehorchte er. Und Agnes las: »Emil Storchschnabel, siebenundvierzig Jahre alt, und so weiter . . . .«
    »Siebenundvierzig?« murmelte Caroline; »Nein das ist er nicht.«
    »Emil?« wiederholte Agnes.
    »Emil Storchschnabel?« sagte Emil; »das ist eine wunderliche Zusammenstellung; um so wunderlicher, da dieser Taufname unter Leuten seiner Gattung sehr selten vorkommt, und Dein Storch mit seinem Schnabel zu klappern fortfährt. Doch das sind nichtssagende Zufälligkeiten und unser Thurm mag in Gottesnamen ›der Storchschnabel‹ heißen. Ich wünsche seinem ersten Gaste eine gute Nacht und Sie, Verwalter, tragen Sie Sorge, daß er morgen unter sicherer Bedeckung dem Gerichte überliefert werde.«

Zehntes Capitel.
    Agnes hatte das Gefängniß-Häuschen mit der Befürchtung verlassen, Herr von Schwarzwaldau werde durch die ominöse Namens-Bruderschaft verstimmt und nicht mehr geneigt sein, die Conversation zu führen; worin er diesen Abend so glücklich im Zuge und was ihr um Carolinens Willen lieb gewesen war, die denn doch auch endlich einmal Gelegenheit finden sollte, sich zu überzeugen, wie geistig bedeutend und liebenswürdig Emil erscheinen konnte, – wenn er wollte. Doch Agnes hatte sich getäuscht. Die augenblickliche Störung, die in ihres Gatten rosenfarbener Laune allerdings bemerkbar

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