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Schwarzwaldau

Schwarzwaldau

Titel: Schwarzwaldau Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carl von Holtei
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Einen Unfertigen, planlos Strebenden, im Dunkel Irrenden hatte das Schicksal ihm zugeführt, den er belehren, an dem er sich einen Schüler gewinnen konnte! Wozu er, hätten bedenkliche Nebenrücksichten sein erstes Feuer für Franz nicht sogleich wieder abgekühlt, diesen seinen Livreediener gern machen wollen, dazu bot sich nun, und zwar unter den günstigsten Umständen, der Sohn eines Gutsnachbars, – wenn auch eines heruntergekommenen, mit ihm processirenden dar! Gustav von Thalwiese erwiderte Emil's Entgegenkommen recht herzlich und hingebend; wie Einer, der seinem Schöpfer dankt, daß sich nur irgend ein Helfer zeigt, die langen, langweiligen Tage abzutödten. Auch schien er weder verwundert, noch verletzt, als Emil an den lebhaft ausgesprochenen Wunsch fortdauernden Umganges keine Silbe der Einladung nach Schwarzwaldau fügte. Gustav fand das in Erwägung der Mißverhältnisse zwischen beiden Dominien sehr natürlich. Und Emil, der nicht die geringste Lust verspürte, in Person seines neugefundenen Freundes Carolinen einen Liebhaber zuzuführen, hütete sich, nur deren Namen, oder den seiner Gemalin gegen Jenen zu erwähnen. Sie verabredeten, im Walde zusammen zu treffen. Dorthin wollte Emil dem Leselustigen Bücher mitbringen; dort wollten sie, unbekümmert um Zeit und Geschäfte, ungestört durch Dazwischenkunft Anderer, eine poetische Freundschaft pflegen, die außer ihren eigenen Reizen auch noch den des Geheimnisses bewahren sollte. Natürlich gingen diese Anordnungen lediglich von Emil aus. Gustav ließ ihn walten, ohne seine Phantasie dabei sonderlich in Unkosten zu setzen. Wäre der Herr von Schwarzwaldau von diesem neuen Spielwerk einer stets beweglichen Einbildungskraft nicht verblendet gewesen, er hätte an seinem nachgiebigen und bereitwilligen jungen Freunde nicht, wie er wähnte, ein sinniges Eingehen in geistiges und gegenseitig-förderndes Zusammenleben gesucht, sondern er hätte vielmehr dieselbe Indolenz in ihm erkannt, die den Schläfer am Grenzteich gegen Carolinens Erweckungsversuche unempfindlich gemacht. Auch schien der Mond nicht hell genug im Schatten der Bäume und Gustav's schönes Antlitz ward nicht deutlich genug beleuchtet, um Emil's begeisterte Wärme für einen poetischen Waldgefährten durch den unverkennbaren Ausdruck unbesieglicher Verschlafenheit abzukühlen, den es wirklich trug. Erst als mehrfaches Gähnen, nur künstlich verborgen, den Fortgang des Gespräches unterbrach und als der Gähnende über gewaltige Müdigkeit klagte, trennten sie sich. Doch nicht ohne zehnfach verlangte und eben so oft gegebene Zusage, daß Gustav morgen bei guter Zeit sich im Grünen werde finden lassen.

Eilftes Capitel.
    Je länger Agnes und Caroline beisammen blieben, desto inniger lebten sie sich miteinander ein. Und gerade der Unterschied ihrer Naturen trug dazu bei. Wie in Agnesen bei aller Sanftmuth und reinstem Zartgefühl ein fast männliches Wesen vorwaltete, wovon schon der oben erwähnte, eigenthümliche Grundton ihrer Stimme Kunde gab, entfaltete Caroline nach jeder Richtung hin die weiblichsten Vorzüge und Schwächen. Wäre Agnes eben so geschwätzig, (um nicht den kränkenden und niedrigen Ausdruck: ›klatschlustig‹ zu gebrauchen!) wie ihre Freundin gewesen, Beide hätten schwerlich lange gut gethan auf einem und demselben Canapee. Weil aber die junge Hausfrau lieber hörte, denn sprach; weil sie verstand durch manchen sinnigen Einwurf, manche anregende Bemerkung dem Gespräche diejenige Wendung zu geben, die ihr eben behagte; und weil Carolinens Mittheilungskraft unerschöpflich blieb, so fehlte es auch nie an Gedanken, die über dem wogenden Gefühls-Meere schwebten, wie der Geist über den Wässern.
    Ganz anders verhielt es sich mit Emil und Gustav. Zwar waltete auch bei ihren täglichen Waldzusammenkünften der Umstand ob, daß der Eine sehr viel, der Andere beinahe gar nicht redete; doch mit dem bedeutsamen Unterschiede, daß hier der häufig Schweigende die Kunst des Hörens nicht verstand; daß er sich nur vorplaudern ließ, weil dieß seiner Faulheit zusagte; daß er jedoch nicht selten die gewisse, durch Worte nicht auszudrückende, wenn gleich stumme, dennoch sprechende Bescheinigung schuldig blieb, welche dem Redenden aus klaren Augen zuwinkt: fahre nur fort, meine Seele folgt Dir! Wer deßhalb den jungen Thalwieser für einen Dümmling gehalten, hätte sich getäuscht. Nur zu unbequem war es ihm, geltend zu machen, was in ihm – schlummerte. Ihn aus seiner

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