Schwarzwaldau
wie ihr Geliebter sich zur Reise hierher mit Gelde versehen ließ. Ihr wird das Unterhaltung gewähren und ihm bin ich eine kleine Revanche schuldig, dafür, daß er mir bei dem Kleinstädter-Volke zuvorkam. Ohne seine Dazwischenkunft hätt' ich die Aussteuer dennoch erwischt, – und hätt' ich müssen Rossini's Fahne verlassen. Es wäre eben eine Felonie gewesen in musikalischem Geschmacke, wie sie in der Politik tausendmal vorkommt.«
Vierundzwanzigstes Capitel.
»Es ist ruhig geworden nebenan,« sprach eine von Zorn bebende Stimme aus dem Bette zum Lager des Gefährten hinüber; »jetzt können wie rathschlagen.«
»Die Schweine sind zwar in ihre Koben gekrochen,« erwiderte Jener behutsam flüsternd; »doch wer bürgt uns dafür, daß nicht ein Lauscher zurückblieb? Ihr unvorsichtiger Ausbruch von Wuth, da Sie Tisch und Stuhl umstürzten, hat die Bestien stutzig gemacht. Was wir jetzt zu verabreden haben, darf nur Seine höllische Majestät hören. Ich begebe mich zu Ihnen.«
Franz Sara verließ seine Ruhestätte und legte sich neben Emil: »Nun, wer hatte Recht?« fragte er.
»Du! Du! Immer wieder Du! Tod dem Verräther; er muß sterben!«
»Das muß er, ja! Aber ich bin's ja nicht. Weßhalb packen Sie mich und bohren Ihre aristokratisch-gehaltenen langen Nägel in meine Schultern? Mein Blut soll ja nicht fließen!«
»Nein, Franz; das seinige!«
»Also lassen Sie ab von mir und hören Sie mich an. Der Schurke, der Liebe, Dankbarkeit, Erinnerung, Vertrauen, feierliche Schwüre mit schnödem Weine wegschwemmt und darin versäuft, wie man nur jemals neugeborne blinde Bastarde von häßlichen Hunden ersäufte, darf nicht leben, darf nicht länger prahlen mit Ihrer Schande; darüber sind wir einig. Aber wie soll er sterben? Durch wessen Hand? Wollen Sie . . .«
»Ich trete morgen vor ihn, werfe ihm seine Niederträchtigkeit in's Angesicht, schlage ihn in die Augen und wir schießen uns, auf Tod und Leben!«
»Vortrefflich! Prachtvoll ausgesonnen. Und wenn er Sie über den Haufen schießt?«
»Dann – ich verlange nichts Besseres!«
»Nach Belieben. Ich will darüber nicht mit Ihnen streiten; obwohl Sie's bequemer haben könnten, durch eigene Hand, ohne von mir gehindert zu werden, und ohne öffentlichen Skandal, der die Sache nur schlimmer macht. Nehmen wir aber den anderen Fall, den so genannten besseren: Sie jagen ihm Ihre Kugel in die Brust –«
»Ha, welche Wonne!«
»Eine saubere Wonne! Abgesehen von der Festung, der Sie nicht entgehen, wird der Verstorbenen Schande, wird die Ihrige dadurch abgewaschen? Ein Duell auf den Tod macht allgemeines Aufsehen. Alle Welt fragt: weßhalb haben die Zwei sich geschossen? Die Saufbrüder, die jetzt nicht die entfernteste Ahnung haben, daß ihre Nachbarn aus dem Elsaß zu jenem fabelhaften Schwarzwaldau in Beziehung stehen, gewinnen morgen entschiedene Gewißheit, sobald Sie Sich zeigen und nennen. Indem Sie den Schurken herausfordern, bestätigen Sie als unumstößliche Wahrheit, was Jene jetzt noch für › Dichtung und Wahrheit‹ aus des Erzählers Erlebnissen halten. Bestätigen es durch die That. Denn mögen Sie verkündigen, so laut Sie können, Sie wollten nur einen Verleumder zur Rechenschaft ziehen und diesen bestrafen, – wer davon hört, wird sagen, wie der Schuft, den seine Spießgesellen den ›Zigeuner‹ nennen: Etwas muß doch daran sein.«
»Was soll geschehen?«
»Sie fragen mich? Seltsam! Wozu haben Sie Ihren Dolch mitgenommen?«
»Abermals hast Du Recht! Auf die Klinge dieses Dolches legte er den schändlich gebrochenen Schwur ab. Dieses Dolches Spitze, – so sprach er den Eid mir nach, – dürfe ich in sein Herz bohren, wenn er jemals durch frevelnde Geschwätzigkeit entweihen könnte, was ihm heilig bleiben sollte! O, jetzt fühl' ich Muth! Zweifle nicht, Franz! Gerechter Zorn giebt mir Kraft. In dieser Stunde noch . . . .«
»Was?«
»Will ich's vollbringen!«
»Sie sind rasend, Emil! Das wäre ja zehnmal ärger als der Zweikampf; zehnmal nachtheiliger in seinen Folgen, – des Henkerbeiles gar nicht zu gedenken. Na, nun schaudern Sie schon, bei dem einzigen Worte. Mensch, was haben Sie für elende Nerven! Wer Dolche in Herzen stoßen will, den muß nicht Fieberfrost schütteln, wie er das Beil nur nennen hört. Auf dem Wege von hier bis an des Trunkenboldes Bett, verlören Sie zehnmal die Thatkraft.«
»So – thue – Du's –? Pfui, was hab' ich da gesagt!? Verzeih' mir, Franz; das war erbärmlich.«
»Nicht so
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