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Schwere Wetter

Titel: Schwere Wetter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bruce Sterling
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Marihuana-Zigarette. »Es stürzt nicht mehr so häufig ab und sieht auch erheblich besser aus, aber damit zu arbeiten ist echt beschissen.«
    Alex musterte die Anzeigen der Nachschubjeeps. Er wunderte sich jedesmal von neuem, wie viele verlassene kleine Geisterstädte es hier draußen in Westtexas gab. »Ich finde, du solltest dich lieber um deine VR-Thopter kümmern.«
    »Shit, man kann sie halt nicht alle jagen«, erwiderte Bussard nachsichtig. »Soll Kiehl ruhig seine Chance bekommen, bei dieser beschissenen Schreibtischarbeit muß man ja einfach durchdrehen.« Er zündete den Joint mit einem mexikanischen Feuerzeug an und inhalierte. »Willste auch mal probieren?« ächzte er.
    »Nein, danke.«
    »Wenn die Katze weg ist, Mann.« Bussard zuckte die Achseln. »Jerry würde mir deswegen eins aufs Dach geben, aber glaub mir, wenn du vierzehn Stunden an einem Stück nur mit Icons jonglierst, dann gehst du echt auf dem Zahnfleisch.«
    Alex schaute zu, wie Bussard ins Dickicht der Monitore und Menüs eintauchte. Anscheinend spielte er mit dem Datenfluß der weitentfernten Wetterinstrumente herum, doch wenn es nach Alex gegangen wäre, hätte er ebensogut nach digitalen Äpfeln haschen können.
    Bussard arbeitete lange wie in Trance und mit glasigem Blick und legte zwischendrin zweimal eine Pause ein, um irgendeinen gräßlichen Kräuteraufguß in einen Pappbecher zu gießen.
    Indem er die Grenzen seines Erfindungsreichtums testete, schaffte es Alex, auf einem unbenutzten Laptop einen der truppeneigenen Kommunikationskanäle zu öffnen. Rudy und Rick, die mit Baker irgendwo in Cimarron County unterwegs waren, gerieten ganz aus dem Häuschen wegen des Hagels. Weniger wegen dessen Größe, sondern wegen seiner Farbe. Der Hagel war schwarz.
    »Schwarzer Hagel«, meinte Alex.
    »Nichts besonderes«, sagte Bussard und zupfte an dem Metallklumpen, den er an einem Lederriemen um den Hals trug. »Das bedeutet bloß, daß Staub drin ist. In Colorado wird's richtig trocken. Viel Staub, viel Dunst… schwarzer Hagel. So was kommt vor.«
    »Also, ich hab noch nie schwarzen Hagel gesehen«, meinte Alex. »Und die beiden anscheinend auch noch nicht.«
    »Ich hab mal einen Stein vom Himmel fallen sehen«, sagte Bussard. »Hat mein Haus getroffen.«
    »Wirklich?«
    »Yeah. Und das ist er.« Bussard zerrte heftig an dem Metallklumpen. »Jedenfalls das größte Stück davon. Kam geradewegs durchs Dach von meinem Schlafzimmer. Damals war ich zehn.«
    »Dein Haus wurde von einem Meteor getroffen?«
    »Irgend jemand muß es schließlich treffen«, sagte Bussard. »Das beweist die Statistik.« Er zögerte, starrte abwesend auf den Bildschirm, dann sah er auf. »Das ist aber auch noch keine große Sache. Einmal hab ich erlebt, wie's Fleisch geregnet hat.«
    »Was?«
    »Das Fleisch fiel vom Himmel«, erklärte Bussard kategorisch. »Hab's mit eigenen Augen gesehn.« Er seufzte. »Du glaubst mir wohl nicht, was, Kleiner? Also, dann schau mal in die alten Aufzeichnungen rein und guck dir an, was in der Vergangenheit schon alles vom Himmel gefallen ist. Erstaunliches Zeug! Schwarzer Hagel. Schwarzer Regen. Roter Regen.
    Große Steine. Frösche und Unmengen von Fischen. Schlangen. Quallen. Roter Schnee, schwarzer Schnee. Eisklumpen, so groß wie Elefanten. Mann, ich habe gesehn, wie Fleisch vom Himmel gefallen ist.«
    »Was für Fleisch?« fragte Alex.
    »Rasiertes Fleisch. Ohne ein Härchen dran. Sah aus wie… ich weiß nicht, wie geschnittene Pilze oder geschnittene Kartoffeln oder so, bloß daß es rot und blutig war, so mit kleinen Adern drin. Irgendwann im Sommer fiel es aus einem dunklen Wolkenhimmel, und zwar ziemlich langsam, als hätte jemand Kartoffelchips runtergeschmissen. Ein kleiner Hackfleischschauer. Etwa so breit wie ein ordentlicher Highway, und über eine Länge von ungefähr achtzehn Metern. Genug, um ein paar große Einkaufsbeutel damit zu füllen, wenn man's zusammengekratzt hätte.«
    »Und - hast du's zusammengekratzt?«
    »Shit, Mann, nein. Wir waren total entsetzt.«
    »Haben das auch noch andere Leute gesehen?« fragte Alex verwundert. »Gab es Zeugen?«
    »Aber ja! Mich, meinen Dad, meine Cousine Ellen und den Bewährungshelfer meines Cousins Elvin. Wir haben uns alle zu Tode geängstigt.« Bussards Pupillen waren geweitet, seine Augen glänzten. »Das war während des Ausnahmezustands… Der größte Teil des Mittelwestens war ein einziges Staubbecken. Ich lebte damals in einer Vorortsiedlung in Kentucky, und mittags

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