Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
Vom Netzwerk:
der weit jünger war und dessen narbiges Gesicht noch knabenhaft wirkte, war viel stämmiger. Er besaß noch die Anmut der Jugend, doch unter seinen blonden, zottigen Strähnen starrten zwei Augen mich so eisig an, dass es mir kalt über den Rücken lief.
    Panik stieg in mir auf, und ich versuchte, mich von dem Mann, der mich gefangen hielt, loszureißen. Doch dieser lachte nur unverschämt
und presste mir die Pistole ein wenig fester an die Schläfe, so dass ich wie gelähmt erstarrte. Ich schluckte heftig.
    Der große Blonde kam näher und musterte mich prüfend.
    »Wenn ihr auf Geld aus seid«, zischte ich beherzt, »nun, dann muss ich euch leider mitteilen, dass ich keinen Penny bei mir habe.«
    Der kleine Magere brummte etwas, das ich nicht verstand, und kam mit dem Dolch in der Hand auf mich zu. Der Größere hielt ihn gerade noch fest und stieß ihn ins Farnkraut.
    »Buchanan!«, brüllte er. »Das sind doch keine Manieren im Umgang mit einer Dame!«
    Buchanan rappelte sich fluchend auf und warf mir einen unwirschen Blick zu, dann nahm er seinen Dolch und reinigte sich damit umständlich die Fingernägel.
    »Ihr habt die Wahl«, erklärte er. »Entweder Ihr gebt mir freiwillig, was Ihr habt, oder wir nehmen es uns mit Gewalt.«
    »Aber ich habe euch doch schon gesagt, dass ich nichts mit mir führe!«, gab ich empört zurück.
    Ich musste einen kühlen Kopf bewahren. Buchanan hatte nichts wirklich Bedrohliches. Doch was meinen Angreifer anging, so stellte seine Pistole ein ziemlich starkes Argument dar. Ich holte tief Luft und biss die Zähne zusammen.
    »Ich muss selbst überprüfen, ob Ihr lügt, und wenn...«
    Der junge Mann befand sich nur wenige Zoll von mir entfernt. Bei dem Gestank, den er ausströmte, drehte sich mir der Magen um. Er schloss die hellen Augen halb und grinste dann schief.
    »... vielleicht nehme ich mir ja noch mehr...«
    Angeekelt schloss ich die Augen, während seine Finger durch meine Kleidung glitten und an gewissen Teilen meines Körpers länger verhielten. Meine erzwungene Ruhe verflüchtigte sich ziemlich rasch. Die Hand des Mannes berührte die Stelle, wo sich meine Tasche befinden musste, und sein Gesicht erhellte sich zu einem triumphierenden Grinsen. Er steckte seinen Dolch in den Gürtel und begann, meine Röcke hochzuschieben, um sich die Beute zu holen.
    Das war zu viel. Mit einem Mal barst ich beinahe vor Zorn. Ich begann, hysterisch zu schreien und um mich zu schlagen. Der
Mann hinter mir versuchte, mir den Mund zuzuhalten, doch ich biss ihn heftig in die Hand, so dass ich einen Geschmack nach Blut und etwas anderem, über das ich lieber nicht nachdachte, auf der Zunge behielt. Heftig fluchend machte er sich los und befreite mich so für einen kurzen Moment aus seinem Griff.
    Der Blonde packte mich am Arm und riss mich brutal an sich. Ich rammte ihm mein Knie gezielt zwischen die Beine.
    »Rührt mich nicht an!«, schrie ich den Mann an, der jetzt vor Schmerz stöhnte und sich vor mir heftig krümmte.
    Ich flitzte davon wie ein Hase und schlug mich ins Unterholz, wo ich über Wurzeln stolperte und mir die Zehen an den Steinen anschlug. Hinter mir brüllten die Männer. Ich hörte einen Schuss krachen, und dann pfiff eine Kugel über meinen Kopf.
    Von Panik erfüllt und außer Atem rannte ich im Zickzack zwischen den Bäumen hindurch. Ich hörte noch weitere Schüsse, dann die Stimmen anderer Männer, die schreiend hinter mir herliefen. Ich hatte entsetzliche Angst. Wenn ich ihnen in die Hände fiel, dann würde das mein Ende sein.
    Äste schlugen mir ins Gesicht, und die Zweige rissen mir die Hände und Fußknöchel auf. Ich konnte keinen Gedanken mehr fassen; nur mein Überlebenswille hielt mich noch aufrecht. Ich hörte die Schritte und den Atem meines Verfolgers, die immer näher kamen.
    Als ich über eine Rinne sprang, landete ich auf einem Stein und rutschte im Schlamm aus. Ich verlor den Halt und landete mit dem Kopf voran in einem Farndickicht. Jetzt saß ich in der Falle.
    »Tut mir nichts, bitte...«
    Verblüfft unterbrach ich mich. Ein englischer Dragoner starrte mich an. Mit vor Anstrengung rot angelaufenem Gesicht stand er einige Meter entfernt von mir und stützte sich auf den Kolben seiner Muskete, die er auf den Boden gesetzt hatte.
    »Ich will nur hoffen... dass Ihr nicht den ganzen Weg bis nach Perth... so rennt«, keuchte der atemlose Soldat leicht verärgert.
    Sprachlos sah ich ihn an.
    »Wir haben von der Straße aus Schreie und einen Schuss

Weitere Kostenlose Bücher