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Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
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gehört«, fuhr mein Retter fort. »Kommt, die Männer werden Euch nichts mehr tun.«

    Der Soldat streckte mir die Hand entgegen. Zitternd erhob ich mich und trat vorsichtig auf den Dragoner zu, der seine Uniform in Ordnung brachte. Verflixt! Ich hatte auf meiner Flucht einen Schuh verloren. Töricht schimpfte ich über diesen Verlust und über den Zustand meines Kleides und vergaß für einen Moment, dass ich nur um Haaresbreite einem viel schlimmeren Los entkommen war. In respektvoller Entfernung folgte ich dem Dragoner bis zum Weg, wo vier weitere, ziemlich gut gelaunte Soldaten warteten.
    Einer hielt Bonnie bei den Zügeln; mein Umhang lag über dem Sattel. Von den Männern, die mich überfallen hatten, war keine Spur mehr zu entdecken; doch ich konnte erraten, was aus ihnen geworden war, denn einer der Männer wischte zufrieden lächelnd seine von Blut gerötete Klinge im Moos ab.
    »Da habt Ihr aber einigermaßen in Nöten gesteckt, verehrte Dame.«
    Ein Offizier in scharlachrotem Rock, der steif gestärkt und mit goldenen Tressen geschmückt war, lächelte mich höflich an und hielt meinen Schuh in der Hand.
    »Danke.«
    Verlegen säuberte ich mir den schlammverspritzten Fuß im Gras, wobei ich wohlweislich dem forschenden Blick des Captains auswich. Die wilde Jagd hatte meine Wunde gereizt, die scheußlich schmerzte.
    »Wir tun nur unsere Pflicht, Madam. Darf ich Euren Namen erfahren?«
    Ich hob den Kopf. Der Mann hielt mir die Zügel meines Pferdes entgegen. Sein blank polierter Haussecol aus Messing strahlte ebenso wie sein Lächeln.
    »Ich heiße... Catherine O’Donnell.«
    Ich wollte lieber eine falsche Identität angeben, und da war mir der Name einer alten Freundin aus Kindertagen eingefallen. Ich bestieg Bonnie und schenkte dem Offizier ein leises, schüchternes Lächeln.
    »Was hattet Ihr in den Wäldern bei diesen Banditen zu suchen?«
    Ich zog eine Augenbraue hoch.

    »Ich hatte mich ausgeruht... Sie haben mich überfallen.«
    »Und wohin wart Ihr so ganz allein unterwegs?«
    »Nach... Dundee«, antwortete ich und schluckte.
    Ich musste wachsam sein...
    »Leider reiten wir nicht so weit. Wir werden Euch bis nach Perth eskortieren. Ich möchte ganz stark vorschlagen, dass Ihr von dort aus mit einer Kutsche nach Dundee weiterreist.«
    Militärisch steif neigte er den Kopf.
    »Captain George Turner vom 11. Regiment der Königlichen Garde Seiner Majestät. Zu Euren Diensten, Madam. Ihr solltet ein wenig Ordnung in Eure Kleidung bringen«, setzte er hinzu und zupfte ein trockenes Blatt aus meinen wirren Haaren.
    »Die Leute werden sich alle möglichen Vorstellungen machen, wenn sie uns so sehen«, fuhr er dann in einem äußerst herablassenden Tonfall fort. »Wenn Ihr versteht, was ich meine.«
    »Ja... danke«, stammelte ich und errötete heftig.
    Als alle Männer wieder im Sattel saßen, brachen wir auf. Ich ritt neben dem Captain und erholte mich langsam von meiner Aufregung. Ich wickelte mich in meinen Umhang und versuchte, mich den Blicken der Dragoner zu entziehen, die uns schweigend folgten.
    »Ihr hattet großes Glück, dass wir heute Nachmittag dort vorbeigekommen sind«, erklärte der Captain. »Diese Schotten... Sie sind solche Barbaren! Doch wenigstens drei davon können jetzt ihre... niederen Triebe nicht mehr an hübschen Wesen wie Euch auslassen.«
    Captain Turner beobachtete mich aus dem Augenwinkel, und ich betrachtete ihn genauso verstohlen. Er war ziemlich groß und schlank, besaß fein gemeißelte Züge und ein Übermaß an zur Schau getragener Selbstgefälligkeit... ein typischer Vertreter des arroganten niederen Adels der Engländer.
    »Catherine O’Donnell... Irin von Geburt, nehme ich an, nach Eurem Akzent zu urteilen. Lebt Ihr in Dundee?«
    »Ich... Nein. Ich wohne in Edinburgh«, antwortete ich unsicher.
    »Edinburgh?«, wiederholte der Captain und zog die Brauen hoch.

    Aus seinen großen, haselnussbraunen Augen musterte er mich skeptisch.
    »Zusammen mit Eurem Vater oder Eurem Gatten?«
    Trotz der Angst, die mir den Magen zusammenzog, bemühte ich mich, mit ruhiger Stimme zu sprechen.
    »Mit meinem Vater und meinen zwei Brüdern.«
    »Und sie begleiten Euch nicht auf Euren Reisen?«
    »Ich gehe, wohin ich will, wann ich will und mit wem ich will, Sir«, gab ich zurück, ohne meinen Ärger zu verbergen.
    »Verstehe... Es ist ja nur so, dass Ihr ziemlich weit weg von zu Hause seid, und bei all diesen wilden Schotten... Ich bin ziemlich erstaunt darüber, dass Euer Vater Euch

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