Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
Vom Netzwerk:
wenig an solche langen Ritte gewöhnt
und fühlte mich, als wäre ich durch eine Mühle gedreht worden.
    Langsam fielen mir die Ereignisse des Vortags wieder ein und vertrieben den Schlaf, der mich von neuem zu überwältigen drohte. Wir waren in dem Moment in Keppoch eingetroffen, als die Sonne hinter den Bergen versank und das Spean-Tal mit goldenem Licht übergoss. Keppoch House, das am Zusammenfluss von Roy und Spean lag, war ein ziemlich weitläufiges Herrenhaus, das von der Macht seines Besitzers, Coll Macdonald, zeugte. Ich wusste, dass er der Chief der Macdonalds von Keppoch in Lochaber war und wegen seines Geschicks als Viehdieb den spaßigen Beinamen »Coll von den Kühen« führte.
    Lady Keppoch, eine junge, sehr charmante Dame, hatte mich herzlich aufgenommen und mir sofort mein Zimmer gezeigt. Endlich ein Bett! Jede Bewegung schmerzte mich, und nachdem ich einen kleinen Imbiss verzehrt und mich ein wenig erfrischt hatte, war ich erschöpft zwischen die Laken gekrochen. Dann war ich rasch in einen wohlverdienten Schlummer gesunken.
    Ich verzog das Gesicht, erhob mich und ließ auf der Suche nach meinen Kleidern den Blick durch das Zimmer gleiten, als ein wohlgenährtes junges Mädchen eintrat, das Handtücher, ein Becken und einen Krug mit Wasser auf den Armen trug.
    »Einen schönen Tag, Madam«, sagte sie und legte alles auf der Kommode ab.
    Mit einem Ruck zog sie die Vorhänge zurück, und das Zimmer wurde von einem allzu grellen Licht erfüllt, so dass ich blinzeln musste.
    »Ihr habt Glück, die Sonne scheint für Euch«, erklärte sie fröhlich und schwirrte um mich herum wie eine fleißige Biene. »Seid Ihr aufgeregt?«
    »Aufgeregt?«, fragte ich erstaunt zurück. »Aber warum?«
    »Heute ist doch Euer Hochzeitstag!«
    »Heute?«, stammelte ich, immer noch ein wenig benommen.
    Sichtlich verlegen sah das junge Mädchen mich einen Moment lang an.
    »Habt Ihr das nicht gewusst?«
    »Doch, natürlich. Mein Kopf ist heute Morgen noch nicht ganz
klar«, antwortete ich töricht, um meine Verwirrung zu verbergen.
    »Wenn ich einen Mann wie Mr. Liam heiraten sollte, dann hätte ich in der Nacht zuvor kein Auge zugetan, das kann ich Euch versichern.«
    Sie musterte mich mit leisem Neid.
    »Am Ende dieses Tages werden viele Herzen gebrochen sein.«
    Sie half mir, mein Hemd auszuziehen, und zog eine Grimasse.
    »Ihr solltet heute noch ein schönes parfümiertes Bad nehmen. Und außerdem das Kleid wechseln«, sagte sie und schob das schmutzige Kleidungsstück mit einem Fuß beiseite.
    »Das Problem ist nur, dass ich nichts anderes anzuziehen habe.«
    »Lady Keppoch wird Euch sicher etwas Passendes für die Zeremonie heraussuchen. Aber jetzt müssen wir uns beeilen, wenn Ihr Euer Frühstück nicht kalt verzehren wollt.«

    Als ich in das Speisezimmer trat, erhoben sich die Männer, grüßten mich höflich und warteten, bis ich meinen Platz neben der Hausherrin eingenommen hatte. Dann setzten sie sich wieder, und Stühle wurden geräuschvoll über das Parkett gezogen. Ich suchte Liams Blick. Er lächelte mir herzlich zu und neigte den Kopf zu einem höflichen Gruß.
    »Wir bitten um Vergebung, weil wir schon ohne Euch begonnen haben, meine Liebe«, ließ sich Lady Keppoch vernehmen. »Wir wussten nicht, ob Ihr zum Frühstück herunterkommen würdet.«
    »Ich muss mich für meine Verspätung entschuldigen«, stammelte ich leicht verlegen. »Ich bin heute Morgen ein wenig spät aufgestanden.«
    »Oh nein, gar keine Ursache, Caitlin«, versicherte sie und tätschelte mir die Hand. »Ihr habt einen ereignisreichen Tag vor Euch, und da kann ein wenig mehr Schlaf nur gut für Euch sein.«
    Unter dem Tisch begann ein Fuß mir zärtlich die Wade zu liebkosen. Ich warf Liam, der mir gegenüber zur Rechten des Chief saß, einen Blick zu. Mit schelmischer Miene reichte er mir einen Korb voll knuspriger kleiner Brotlaibe.

    »Habt Ihr gut geschlafen, Caitlin?«, sprach mich Coll Macdonald an.
    Der Mann mit den schwarzen Augen und Haaren sah mich forschend an. Er war gut einen Kopf kleiner als Liam, aber dennoch kräftig gebaut, und sein dunkler Teint legte die Vermutung nahe, dass sich in das Blut seiner Vorfahren aus dem Norden auch galizisches gemischt hatte. Alles in allem war er ein sehr ansehnlicher Mann. Er stand seinem Clan erst seit ungefähr einem Dutzend Jahren vor. Damals hatte er sein Studium an der Saint-Andrews-Universität vorzeitig abbrechen müssen, um als sehr junger Mann die Zügel der Macht zu

Weitere Kostenlose Bücher