Schwert und Laute
Zunderbüchse und steckte die Kerze an, die auf dem Nachttisch stand. Liam lehnte an der Kommode und versuchte gefährlich schwankend, seinen Gürtel zu lösen.
»Ich bin nicht betrunken«, murrte er.
»Bist du doch! Du bist so bezecht, dass du dich kaum noch aufrecht halten kannst.«
Der Gürtel polterte mit allem, was daran hing, auf den Boden,
dann folgte das Plaid. Liam verschränkte die Arme vor der Brust, sah mich an und versuchte, ernsthaft zu wirken.
»Wie ich schon sagte... bin ich nicht... bezecht, ich habe nur ein wenig getrunken, das ist alles.«
Er zog sein Hemd aus und warf es quer durch das Zimmer, wie er es gewöhnt war, und machte sich dann daran, die Bänder seiner Brogues zu lösen. Ich dachte bei mir, dass er sie besser vor seinem Hemd ausgezogen hätte, denn ein nackter Mann, der nur mit seinen Schuhen bekleidet ist, sieht einfach urkomisch aus. Ich schüttete mich vor Lachen aus, doch dann hatte ich Mitleid und stand auf, um ihm zu helfen und zog ihn dann ins Bett, wo er sich zusammenrollte. Ich blies die Kerze aus, zog die Laken über uns beide und schmiegte mich an ihn. Doch es fiel mir schwer, wieder einzuschlafen. Kaum hatte Liams Kopf das Kissen berührt, begann er zu schnarchen und zu grunzen wie ein alter Eber, der in seinem Trog wühlt.
So unwahrscheinlich sich das anhören mag, die Männer waren beim ersten Licht der Morgendämmerung wieder auf den Beinen. Ich war es, auf die sie warten mussten... Liam schien besser aufgelegt zu sein, aber er war mir gegenüber immer noch kurz angebunden. Doch ich ließ mich nicht aus der Fassung bringen und bewahrte meine gute Laune.
Sieben Männer hatten sich der Brigade noch angeschlossen, darunter Colin und Alasdair Og Macdonald, John Maclains jüngerer Bruder. Die beiden ähnelten einander in mehreren Punkten: Sie hatten das gleiche schwarze Haar, obwohl es bei Alasdair nur von wenigen silbrigen Fäden durchzogen wurde, und den gleichen herzlichen Blick aus goldbraunen Augen. Allerdings besaß Alasdair nicht Johns liebenswürdiges Wesen. Sein Gesicht mit der Narbe unter dem linken Auge ließ eher auf einen aufbrausenden Charakter schließen. Obwohl er kleiner war als John, musste er ein grimmiger Kämpfer sein, ein Mann, den man nicht unnötig provozierte, wenn einem seine Gesundheit lieb war.
Wir machten uns auf den Weg nach Achnacarry. Der Sitz der Camerons von Lochiel war am Ufer des Arkaig errichtet, des Flusses, der das Loch gleichen Namens mit dem Loch Lochy verband. Diese Kette der Lochs von Glen Mor durchzog die
Highlands von Osten nach Westen, von Inverness bis Oban. Zwischen den Sitzen der beiden Clanchiefs lagen nur etwa ein Dutzend Meilen. Während Colin mir verstohlene Blicke zuwarf und Liam neben seinem Cousin Alasdair ritt, leistete ich Niall Gesellschaft.
Im Vergleich zu den anderen, die ziemlich entspannt wirkten, kam der junge Mann mir sehr unruhig vor. Unaufhörlich nestelte er am Saum seines Plaids.
»Hast du Probleme, Niall?«
»Nein... Oder doch«, sagte er schließlich.
»Und?«
Die Vorstellung, dieser Mann, der wie ein ausgehungerter Menschenfresser wirkte, könnte Angst vor den bevorstehenden Kämpfen mit Campbells Wolfsrudel haben, war so abwegig, dass ich schmunzeln musste.
»Es ist so... ich möchte eine junge Frau bitten, mich zu heiraten«, stotterte er und errötete leicht.
Einen Moment lang war ich sprachlos.
»Tatsächlich?«, sagte ich verblüfft.
Ich konnte mir nicht vorstellen, wie dieser grobe Klotz einer jungen Dame den Hof machte.
»Sie heißt Joan Macmartin und wohnt in Clunes. Das liegt ungefähr zwei Meilen von Achnacarry entfernt. Ich besuche sie heute Abend und will sie um ihre Hand bitten... aber ich weiß nicht so genau, wie ich das anstellen soll, versteht Ihr?«
»Du möchtest einen Rat von mir?«, fragte ich, neugierig geworden.
Er vollführte eine Gesichtsverrenkung, bei der ich nur mit größter Mühe ein Lachen unterdrücken konnte.
»So ungefähr, ja. Ihr seid eine Frau, vielleicht könnt Ihr mir ein paar Hinweise darauf geben, was sie gern hören würde.«
Der Arme war so rot angelaufen, dass seine Gesichtsfarbe sich kaum noch von der seines Plaids unterschied. Ich hüstelte, um das unbändige Gelächter zu überspielen, das in mir aufstieg. Diese Highlander erstaunten mich immer wieder... Ich tat, als dächte ich nach.
»Liebst du sie denn?«
»Natürlich! Was für eine Frage! Ich würde sie ja nicht heiraten wollen, wenn ich sie nicht liebte.«
»Natürlich. Nun gut,
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