SdG 05 - Der Tag des Sehers
meinen Lord geht. Ich erfreue mich an Gewissheit.«
»Ich bin froh, das zu hören. Und bist du auch erfreut, was mich angeht, Korlat?«
»Du hinterlistiger Kerl. Die Antwort auf jeden Aspekt dieser Frage ist ja. Soll ich dir jetzt dieselbe Frage stellen?«
»Das solltest du nicht tun müssen.«
»Ob Tiste Andii oder Menschen – wenn es um Männer geht, sind sie alle gleich. Vielleicht sollte ich die Worte trotzdem aus dir rausprügeln.«
»Du bräuchtest dir keine große Mühe zu geben. Meine Antwort ist dieselbe wie deine.«
»Und wie lautet sie?«
»Was? Na, es ist natürlich genau das gleiche Wort, das du gebraucht hast.«
Er ächzte, als er den Stoß in die Rippen spürte. »Genug davon. Wir sind da.«
Das Portal öffnete sich zu schmerzhafter Helligkeit – das Innere von Dujeks Kommandozelt, ins Zwielicht des späten Nachmittags gehüllt. Sie traten hinein, während sich das Gewirr hinter ihnen geräuschlos schloss.
»Wenn das alles nur dazu gedient hat, mit mir allein – «
»Bei den Göttern, was für ein Ego!« Sie gestikulierte mit ihrer freien Hand, und ein geisterhafter Schemen nahm vor Elster Gestalt an. Ein vertrautes Gesicht – und es lächelte.
»Was für ein reizender Anblick«, sagte die Erscheinung und beäugte sie beide. »Beim Vermummten, ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine Frau hatte.«
»Hüte deine Zunge, Ben«, grollte Elster und ließ Korlats Hand los. »Es ist eine Weile her, und du siehst schrecklich aus.«
»Oh, vielen Dank auch, Kommandant. Du musst wissen, ich fühle mich noch viel schrecklicher. Aber ich kann jetzt wieder meine Gewirre durchqueren, mehr oder weniger geschützt vor dem Gift des Gestürzten. Ich habe Neuigkeiten aus Capustan – willst du sie nun hören oder nicht?«
Elster grinste. »Rede schon.«
»Die Weißgesichter halten die Stadt.«
»Das haben wir schon vermutet, seit Twist die Nachricht überbracht hat, dass Ihr bei den Barghast Erfolg hattet – und nachdem die pannionische Armee uns in den Schoß gestolpert ist.«
»Schön. Nun, ich gehe davon aus, dass ihr euch um diese Armee gekümmert habt, muss aber noch etwas hinzufügen. Die Barghast marschieren mit uns. Nach Süden. Wenn ihr beide – du und Dujek – den Umgang mit Bruth, Rake und den anderen – verzeiht, Korlat – schwierig gefunden habt, nun, dann habt ihr jetzt auch noch Humbrall Taur, mit dem ihr Euch herumschlagen müsst.«
Bei diesen Worten gab Elster ein undefinierbares Geräusch von sich. »Wie ist er denn so?«
»Überschlau, aber zumindest hat er die Clans vereinigt, und er weiß genau, in was für eine Schweinerei er da hineinmarschiert.«
»Da bin ich aber froh, dass wenigstens einer von uns das weiß. Wie geht es Paran und den Brückenverbrennern?«
»Dem Hörensagen nach gut; ich habe sie allerdings schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen. Sie sind im Knecht – mit Humbrall Taur und den überlebenden Verteidigern der Stadt.«
Elster zog erstaunt die Augenbrauen hoch. »Es gibt Überlebende?«
»Ja, anscheinend. Zivilisten, die sich immer noch in Tunneln verstecken. Und ein paar Graue Schwerter. Kaum zu glauben, was? Ich bezweifle allerdings, dass in denen noch viel Kampfeswillen steckt. Nach dem, was ich über Capustans Straßen gehört habe …« Der Schnelle Ben schüttelte den Kopf. »Man muss es selbst sehen, um es zu glauben. Ich werde es sehen, das habe ich gerade vor. Mit deiner Erlaubnis, natürlich.«
»Und vorsichtig, darauf vertraue ich.«
Der Magier lächelte. »Niemand wird mich sehen, wenn ich es nicht will, Kommandant. Was glaubst du, wann ihr Capustan erreichen werdet?«
Elster zuckte die Schultern. »Wir müssen uns noch um die Tenescowri kümmern. Das könnte kompliziert werden.«
Die Augen des Schnellen Ben wurden schmal. »Ihr habt doch nicht vor, mit ihnen zu verhandeln, oder?«
»Warum nicht? Besser als ein Gemetzel, Magier.«
»Elster, die Barghast, die aus der Stadt zurückkommen, erzählen Geschichten … von dem, was in Capustan passiert ist, was die Tenescowri den Verteidigern angetan haben. Sie haben einen Anführer, diese Tenescowri, einen Mann namens Anaster, das Erste Kind des Toten Samens. Das letzte Gerücht besagt, dass er persönlich Fürst Jelarkan die Haut abgezogen und ihn dann als Hauptgericht bei einem Festmahl serviert hat – im Thronsaal des Fürsten.«
Korlat stieß zischend die Luft aus.
Das Gesicht zu einer Grimasse verzogen, entgegnete Elster: »Wenn sicher ist, dass diesem
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