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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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sie kann nicht unser Ziel sein. Befreie eine giftige Viper, und sie wird dich trotzdem beißen, wenn sie die Möglichkeit dazu hat.«
    »Dann werden wir also den Pannionischen Seher zerschmettern, nur damit dann irgendeine Hohefaust des malazanischen Imperiums seinen Platz einnimmt?«
    Rake reichte dem Kriegsherrn einen Becher mit Wein. Die Augen des Tiste Andii wirkten verschleiert, fast schon schläfrig, während er Bruth genau musterte. »Die Domäne ist ein Reich, das Entsetzen und Unterdrückung im eigenen Volk sät«, sagte Rake. »Keiner von uns hier würde das leugnen. Es gab also schon allein aus ethischen Gründen einen Anlass, gegen dieses Reich zu marschieren.«
    »Das haben wir schon die ganze Zeit gesagt – «
    »Ich habe dich schon beim ersten Mal gehört, Kallor. Dein Hang zu Wiederholungen ist ermüdend. Ich habe nur eine einzige … Entschuldigung beschrieben. Einen Grund. Aber es scheint mir, als hättet ihr alle es zugelassen, dass dieser eine Grund alle anderen erdrückt, während er in meinen Augen der unbedeutendste ist.« Er trank einen Schluck Wein und fuhr dann fort. »Aber lasst uns doch einen Augenblick dabei verweilen. Entsetzen und Unterdrückung, das Gesicht der Pannionischen Domäne. Denkt doch einmal an die Städte und Gebiete in Genabackis, die jetzt unter malazanischer Herrschaft sind. Entsetzen? Nicht mehr als die Sterblichen in ihrem alltäglichen Leben ohnehin ertragen müssen. Unterdrückung? Jede Regierung braucht Gesetze, und nach allem, was ich weiß, gehören die malazanischen Gesetze zu den freizügigsten in all den Reichen, die ich gekannt habe.
    Und später? Der Seher ist entfernt, eine Hohefaust und eine Regierung im malazanischen Stil ersetzen ihn. Das Ergebnis? Frieden, Wiedergutmachung, Recht und Ordnung.« Er ließ den Blick über die anderen gleiten und hob dann langsam eine Braue. »Vor fünfzehn Jahren war Genabackis eine stinkende, offene Wunde an der Nordwestküste, und Nathilog war sogar noch schlimmer. Und jetzt, unter malazanischer Herrschaft? Jetzt machen sie Darujhistan Konkurrenz. Wenn ihr wirklich das Beste für die einfachen Bürger der Pannionischen Domäne wollt, warum heißt ihr die Imperatrix dann nicht willkommen?
    Stattdessen werden Dujek und Elster gezwungen, eine umständliche Scharade aufzuführen, um uns als Verbündete zu gewinnen. Sie sind Soldaten, falls ihr das vergessen haben solltet. Soldaten werden Befehle erteilt. Wenn sie ihnen nicht gefallen, haben sie eben Pech. Wenn diese Befehle bedeuten, dass sie offiziell sozusagen zur Tarnung zu Ausgestoßenen erklärt werden – ohne dass jeder einfache Soldat in der Armee in dieses Geheimnis eingeweiht wird, denn dann würde es nicht lange ein Geheimnis bleiben –, dann beißt ein guter Soldat die Zähne zusammen und tut, was er tun muss.
    Die Wahrheit ist einfach – zumindest für mich. Bruth, wir beide haben tatsächlich als Befreier gegen die Malazaner gekämpft. Wir wollten weder klingende Münze noch Land dafür. Unsere Motive sind noch nicht einmal uns selbst völlig klar – und nun stell dir vor, wie sie auf die Imperatrix wirken müssen. Unerklärlich. Wir scheinen an erhabene Ideale gebunden zu sein, an eine fast schon ungeheuerliche Vorstellung von Opferbereitschaft. Wir sind ihre Feinde, aber ich glaube, sie weiß noch nicht einmal, warum. «
    »Sing mir was vom Abgrund«, sagte Kallor höhnisch. »In ihrem Imperium gäbe es keinen Platz für uns – für keinen von uns.«
    »Überrascht dich das?«, fragte Rake. »Uns kann man nicht kontrollieren. Die nackte Wahrheit ist, dass wir für unsere eigene Freiheit kämpfen. Keine Grenzen für Mondbrut. Kein weltumspannender Frieden, der Kriegsherren und Generäle und Söldnerkompanien überflüssig machen würde. Wir kämpfen gegen die Auferlegung von Ordnung und die gepanzerte Faust, die sich dahinter verbergen muss, weil wir nicht diejenigen sind, die diese Faust schwingen.«
    »Was ich auch niemals tun wollte«, grollte Bruth.
    »Genau. Warum aber dann der Imperatrix missgönnen, dass sie den Wunsch und das dazugehörige Verantwortungsgefühl hat?«
    Korlat starrte ihren Lord an. Wieder einmal völlig von ihm verblüfft, einmal mehr aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Drachenblut in seinen Adern. Er denkt nicht so wie wir. Ist es wirklich das Blut? Oder ist es etwas anderes? Sie wusste keine Antwort auf diese Frage, konnte den Mann, dem sie folgte, nicht wirklich verstehen. Jäher Stolz wallte in ihr auf. Er ist der Sohn der

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