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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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Dunkelheit. Ein Herr, der es sehr wohl wert ist, ihm die Treue zu schwören – vielleicht der einzige. Für mich. Für die Tiste Andii.
    Caladan Bruth stieß einen tiefen Seufzer aus. »Schenk mir noch einen Becher ein, verdammt.«
    »Ich werde meinen Widerwillen überwinden«, sagte Kallor und stand von seinem Stuhl auf, wobei seine Kettenrüstung leise klirrte, »und etwas ansprechen, das nur am Rande mit dem zusammenhängt, was bisher gesagt wurde. Capustan ist gesäubert. Vor uns liegt der Fluss. Südlich davon drei Städte, auf die man marschieren könnte. Wenn wir das als eine einzige Armee tun und sie uns nacheinander vornehmen, wird uns das spürbar verlangsamen. Setta zum Beispiel liegt nicht auf unserem Weg nach Korall. Also muss die Armee sich in zwei Teile aufteilen und sich südlich von Lest und Setta – vielleicht vor Maurik – wieder vereinigen, ehe wir Korall angreifen. Und nun die Frage: Wie teilen wir uns auf?«
    »Eine vernünftige Frage« murmelte Rake, »um sie bei dem bevorstehenden Treffen zu besprechen.«
    »Und keine andere, ja«, polterte Caladan Bruth. »Werden sie nicht überrascht sein?«
    Das werden sie in der Tat. Bedauern mischte sich in Korlats Gedanken. Und darüber hinaus habe ich Elster Unrecht getan. Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Es ist nicht gut für eine Tiste Andii, überstürzt zu urteilen. Mein Blick war getrübt. Getrübt? Nein, eher wie ein Sturm. Ein Sturm der Gefühle, geboren aus Bedürfnissen und Liebe. Kannst du mir noch einmal vergeben, Elster?
    Die Zeltklappe wurde zurückgeschlagen, und die beiden malazanischen Befehlshaber traten herein, gefolgt von ihrem Standartenträger Artanthos. Dujeks Gesicht war düster. »Entschuldigt, wir wurden aufgehalten«, brummte er. »Man hat mir gerade mitgeteilt, dass die Tenescowri sich in Bewegung gesetzt haben. Sie kommen direkt auf uns zu.«
    Korlat versuchte, Elster in die Augen zu sehen, doch dieser schaute den Kriegsherrn an, als er hinzufügte: »Erwartet eine weitere Schlacht in der Morgendämmerung. Eine, die ziemlich blutig werden dürfte.«
    »Überlasst das mir«, sagte Anomander Rake gedehnt.
    Die Stimme ließ Elster überrascht herumfahren. »Lord, vergebt mir. Ich habe Euch nicht gesehen. Ich fürchte, ich war ein wenig … in Gedanken.«
    »Bietet Ihr uns an, Eure Tiste Andii gegen die Tenescowri einzusetzen, Lord?«, fragte Dujek.
    »Eigentlich nicht«, erwiderte Rake. »Ich dachte eher daran, ihnen einen wahnsinnigen Schreck einzujagen. Persönlich.«
    Einen Augenblick lang sagte niemand ein Wort. Dann begann Caladan Bruth, in einer Truhe nach weiteren Bechern zu suchen. »Wir haben noch andere Dinge zu besprechen, Hohefaust«, sagte er.
    »Das nehme ich an.«
    Der alte Mann sah richtig krank aus, während Elsters Gesicht gerötet war.
    Der Kriegsherr schenkte mehr Wein ein und deutete dann auf die gefüllten Becher. »Nehmt Euch etwas. Kallor hat uns auf ein bevorstehendes Problem in der Aufstellung unserer Streitkräfte hingewiesen.«
    Oh, diese Bastarde machen sich einen Spaß daraus. Es reicht. Korlat meldete sich zu Wort. »Hohefaust, im Süden liegen drei Städte. Lest und Setta sollten wenn möglich gleichzeitig eingenommen werden, wobei sich unsere Streitkräfte bei Maurik dann wieder vereinigen würden, bevor wir nach Korall weitermarschieren. Wir möchten mit Euch besprechen, wie wir die Armeen aufteilen sollen.«
    Elsters Blick begegnete dem ihrem. Sie bot ihm ein leichtes Lächeln an. Seine Antwort bestand aus einem Stirnrunzeln.
    »Ich verstehe«, sagte Dujek nach einem Augenblick. Er nahm sich einen Becher und ließ sich auf einem Feldstuhl nieder. »Nur zu gut.« Danach sagte er zunächst nichts mehr.
    Elster räusperte sich. »Auf den ersten Blick scheint es ziemlich naheliegend, uns aufzuteilen. Einarms Heer zieht nach Südwesten, nach Setta – was unsere Verbindungslinien zu den Schwarzen Moranth schließen wird, die in den Weitblick-Bergen bleiben werden. Der Kriegsherr und seine Truppen ziehen genau nach Süden, nach Lest. Wenn wir Setta eingenommen haben, stoßen wir zum Quellgebiet des Maurik vor und folgen dann dem Flusslauf in südlicher Richtung bis zu der gleichnamigen Stadt. Möglicherweise kommt Ihr zuerst dort an, aber das ist nicht besonders problematisch.«
    »Einverstanden«, meinte Bruth.
    »Leider habe ich gesagt ›auf den ersten Blick‹«, fuhr Elster fort.
    Die anderen wandten sich zu ihm um.
    Er zuckte die Schultern. »Die

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