SdG 05 - Der Tag des Sehers
diese Worte nach und nickte dann. »Ihr braucht uns noch immer.«
»Vielleicht mehr als je zuvor. Und nicht nur Eure Armee. Wir brauchen den Schnellen Ben. Wir brauchen Humbrall Taur und seine Weißgesicht-Clans. Wir brauchen Eure Verbindung zu Silberfuchs und durch sie zu den T’lan Imass. Wir brauchen Hauptmann Paran – «
»Ganoes Paran? Warum?«
»Er ist der Herr der Drachenkarten.«
»Dann ist das also kein Geheimnis.«
»Es war niemals eines.«
»Wisst Ihr«, fragte Elster, »was diese Rolle bedeutet? Das ist eine ehrliche Frage, denn, offen gesagt, ich weiß es nicht, und ich will es verdammt noch mal wissen.«
»Der Verkrüppelte Gott hat ein neues Haus erschaffen und versucht nun, es den Drachenkarten hinzuzufügen. Dafür ist eine Art … Zustimmung erforderlich. Ein Segen, wenn Ihr so wollt. Oder umgekehrt, eine Ablehnung.«
Elster gab ein Brummen von sich. »Aber was ist mit dem Haus des Schattens? Hat es damals einen Herrn der Drachenkarten gegeben, der zugestimmt hat, dass es hinzugefügt wurde?«
»Das war nicht nötig. Das Haus des Schattens hat schon immer existiert – mehr oder weniger. Schattenthron und Cotillion haben es einfach nur wiedererweckt.«
»Und jetzt wollt Ihr, dass Paran – der Herr der Drachenkarten – das Haus des Verkrüppelten Gottes ablehnt.«
»Ich glaube, das muss er tun. Dem Gestürzten Rechtmäßigkeit zu gewähren heißt, ihm Macht zu gewähren. Wir können sehen, wozu er selbst in seinem derzeitigen geschwächten Zustand fähig ist. Das Haus der Ketten ist das Fundament, das er benutzen will, um sich selbst wiederherzustellen.«
»Und doch habt Ihr und die Götter ihn schon einmal heruntergezogen. Habt ihn angekettet.«
»Das war ein kostspieliges Unterfangen, Elster. Eines, in dem der Gott Fener überaus wichtig war. Sagt mir eins: Unter Euren Soldaten ist der Hauerträger ein beliebter Gott – habt Ihr auch Priester?«
»Nein. Fener ist als Lord der Schlachten auch so schon beliebt genug. Wir Malazaner sind in gewisser Hinsicht ziemlich … entspannt, wenn es um das Pantheon geht. Wir neigen dazu, organisierte Kulte innerhalb des Militärs zu missbilligen.«
»Fener ist für uns verloren«, sagte Rake.
»Verloren? Wie meint Ihr das?«
»Er wurde aus seiner Sphäre gerissen, schreitet jetzt durch die Welt der Sterblichen.«
»Wie ist das geschehen?«
Ein grimmiges Lächeln schwang in Rakes Stimme mit, als er erklärte: »Durch einen Malazaner. Einen ehemaligen Priester Feners, ein Opfer des Traums.«
»Und das bedeutet?«
»Seine Hände wurden in einem Ritual abgetrennt. Die Macht des Traums schickt diese Hände dann zu den Hufen Feners. Das Ritual muss ein Ausdruck reinster Gerechtigkeit sein, aber dieses war es nicht. Stattdessen hatten Agenten des Imperiums – wahrscheinlich Klauen – es für notwendig erachtet, Feners Einfluss – oder, genauer gesagt, den Einfluss dieses Hohepriesters – zu verringern. Ihr habt die Missbilligung von Kulten innerhalb der Armee erwähnt. Vielleicht war das ebenfalls ein Faktor – mein Wissen ist leider nicht vollständig. Gewiss hat auch die Vorliebe des Priesters für historische Analysen eine Rolle gespielt – er hatte eine Untersuchung fertig gestellt, die zu dem Schluss gekommen war, dass Imperatrix Laseen bei der Ermordung des Imperators und Tanzers versagt hatte. Es stimmt, sie hat den Thron errungen, den sie so sehr begehrt hat, aber weder Kellanved noch Tanzer sind tatsächlich gestorben. Stattdessen sind sie aufgestiegen.«
»Ich verstehe, warum es Hadra bei dieser Offenbarung kalt den Rücken runterlaufen würde.«
»Hadra?«
»Imperatrix Laseen. Hadra war ihr früherer Name.«
»Wie auch immer, die abgetrennten Hände waren Gift für Fener. Er konnte sie weder berühren, noch konnte er sie aus seiner Sphäre entfernen. Er brannte die Tätowierungen, die seine Ablehnung verkündeten, in die Haut des Priesters und versiegelte so die bösartige Macht der Hände, zumindest fürs Erste. Und damit hätte es gut sein müssen. Irgendwann würde der Priester sterben, und sein Geist würde zu Fener kommen und zurückerhalten, was man ihm so grausam und ungerecht genommen hatte. Jener Geist würde dann die Waffe für Feners Zorn werden, würde Vergeltung an den Priestern des verderbten Tempels und auch an der Klaue und der Imperatrix selbst üben. Ein dunkler Sturm hatte sich über dem malazanischen Imperium zusammengebraut, Elster.«
»Aber dann ist etwas geschehen.«
»Ja. Der Hohepriester ist mit
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