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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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der Schnelle Ben gerade die Veränderung um sich herum betrachtete. Der Tod tobte sich wahrlich aus in dieser Stadt. Seelen drängten sich auf den Straßen, gefangen in einem endlosen Kreislauf aus den letzten Augenblicken ihres Lebens. Die Luft war von Schreien erfüllt, von Weinen, vom Klirren der Waffen, dem Rumpeln einstürzender Gebäude und erstickendem Rauch. Darunter lagen zahllose Schichten von Tod und Sterben – jene, die sich wie aufeinander folgende Schneefälle überall dort ablagerten, wo sich Menschen versammelten. Generation um Generation.
    Und doch – das wurde dem Schnellen Ben allmählich klar – war diese geistige Feuersbrunst nichts als ein Echo, waren die Seelen selbst geisterhaft. »Bei den Göttern hienieden«, murmelte er, als er plötzlich begriff. »Das sind nur Erinnerungen – Erinnerungen, die in den Steinen der Straßen und Gebäude stecken, Erinnerungen der Luft. Die Seelen – sie sind alle durch das Tor des Vermummten gegangen …«
    Talamandas hockte vollkommen reglos auf seiner Schulter. »Du sprichst die Wahrheit, Magier«, murmelte er schließlich. »Was ist hier geschehen? Wer hat all diese Toten mitgenommen?«
    »Mitgenommen? Ja, unter die Fittiche genommen. Sie wurden gesegnet, alle miteinander, ihre Qualen beendet. Ist dies das Werk des Maskenrats?«
    Die Stockschlinge spuckte aus. »Diese Narren? Das ist nicht sehr wahrscheinlich.«
    Der Schnelle Ben schwieg eine Weile, dann seufzte er. »Capustan kann sich vielleicht doch wieder erholen. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich wäre. Nun, wollen wir mit diesen Geistern gehen?«
    »Müssen wir das denn tun?«
    Ohne zu antworten, schritt der Schnelle Ben vorwärts. Die untoten Wachen – Domänenser und Urdomen – waren dunkle Schatten, Flecken im Gewirr des Vermummten. Doch in der Sphäre, in der der Magier sich nun bewegte, waren sie seiner Präsenz gegenüber blind. Von den beiden Nekromanten, die im Innern des Hauses lebten, war somit einer unwirksam gemacht.
    Das einzige verbleibende Risiko hatte etwas mit dem anderen – dem Beschwörer – zu tun. Der möglicherweise irgendwelche Dämonen losgelassen hatte, um die Verteidigungsanlagen des Anwesens zu verstärken.
    Der Schnelle Ben schritt durch den Torweg. Der Hof vor ihm war frei von Leichen, obwohl hier und dort verkrustetes Blut die Pflastersteine bedeckte.
    Zweigfinger krampften sich in seine Schulter. »Ich rieche – «
    Der Sirinth-Dämon hatte vor der Tür des Hauptgebäudes gekauert, verborgen im Schatten unter dem Türsturz. Jetzt grunzte er und wuchtete seinen ungeschlachten Körper von dem Treppenabsatz, kam vollständig in Sicht. In faltige, krötengleiche Haut gehüllt, mit gespreizten Gliedern und einem breiten, niedrigen Kopf, der fast nur aus Maul und Fängen bestand, war der Sirinth massiger als ein Bhederin-Bulle. In kurzen Spurts jedoch konnte er blitzschnell sein.
    Und ein kurzer Spurt war alles, was er benötigte, um den Schnellen Ben und Talamandas zu erreichen.
    Die Stockschlinge schrie auf.
    Der Schnelle Ben trat geschmeidig zur Seite, während er bereits ein anderes Gewirr öffnete, das über das des Vermummten geschichtet war. Ein Schritt rückwärts brachte ihn in dieses Gewirr, wo Hitze wie Flüssigkeit dahinströmte und ein trockenes, bernsteinfarbenes Licht die Luft erfüllte.
    Der Sirinth wirbelte herum – und warf sich dann in Aral Game-Ion flach auf den Bauch.
    Der Schnelle Ben schob sich tiefer in das dämonische Gewirr hinein.
    Wimmernd versuchte der Sirinth ihm zu folgen, nur um von einem jetzt sichtbaren eisernen Halsband und der dazugehörigen Kette zurückgerissen zu werden, wobei die Kette aus dem Gewirr herausführte – den ganzen Weg zurück, wie der Schnelle Ben wusste, zu dem Bannkreis, den der Beschwörer geschaffen haben musste, als er diese Kreatur gefesselt hatte.
    »Das ist wirklich zu schlimm, mein Freund«, sagte der Magier, als der Dämon aufkreischte. »Dürfte ich dir ein Geschäft vorschlagen, Sirinth? Ich zerbreche die Kette, und du ziehst los und suchst deine Liebsten. Friede zwischen uns.«
    Die Kreatur erstarrte zu völliger Bewegungslosigkeit. Gefaltete Lider glitten zurück, um große, leuchtende Augen zu enthüllen. In der Sphäre der Sterblichen, die sie gerade verlassen hatten, brannten diese Augen wie Feuer. Hier, in Aral Gamelon, waren sie fast fügsam.
    Fast. Halt dich nicht selbst zum Narren, Ben. Dieses Wesen da könnte dich mit einem Biss verschlingen. »Nun?«
    Der Sirinth glitt zur

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