SdG 05 - Der Tag des Sehers
Verlängerungsspruch in das Halsband einzuschließen, einen letzten Befehl, denjenigen zu töten, der ihn befreit. Ich gehe davon aus, dass das Euch, seinen Beschwörer, nicht mit einschließt.«
»Ich lasse meine Dämonen niemals frei«, sagte Bauchelain.
»Niemals?«
»Jede Ausnahme in einem magischen Bann schwächt ihn. Daher lasse ich keine Ausnahmen zu.«
»Die armen Dämonen!«
Bauchelain zuckte die Schultern. »Ich bringe einfachen Werkzeugen keine besonderen Sympathien entgegen. Weint Ihr etwa um Euren Dolch, wenn er im Rücken des Opfers abbricht?«
»Das hängt davon ab, ob er den Bastard getötet oder ihn nur wütend gemacht hat.«
»Ah, aber dann weint Ihr um Euch selbst.«
»Ich habe einen Witz gemacht.«
Bauchelain zog eine schmale Augenbraue hoch.
Die folgende Stille wurde von Emancipors Rückkehr unterbrochen; der Diener trug ein Tablett, auf dem eine staubige Flasche und zwei Kristallkelche standen.
»Hast du dir kein Glas mitgebracht?«, fragte der Nekromant. »Bin ich denn so wenig egalitär, Emancipor?«
»Oh, äh, ich habe unten einen Schluck genommen, Herr.«
»So, hast du?«
»Um zu sehen, ob er blumig ist.«
»Und – ist er es?«
»Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht. Was ist blumig?«
»Hm, ich glaube, wir sollten uns wieder mehr um deine Ausbildung kümmern, vor allem, was diese feineren Dinge betrifft. Blumig ist das Gegenteil von … hölzern. Das heißt in anderen Worten keine bitteren Erinnerungen an Harz, sondern an etwas Süßes, wie Narzissen oder Schädelkronen – «
»Diese Blumen sind giftig«, bemerkte der Schnelle Ben leicht beunruhigt.
»Aber ihr Äußeres ist hübsch und süß, ja? Ich bezweifle, dass einer von uns die Angewohnheit hat, Blumen zu essen, daher habe ich in der Analogie nach optischen Fingerzeigen für den lieben Emancipor gesucht.«
»Oh, ich verstehe.«
»Dann also noch mal, Emancipor, bevor du uns etwas aus der Flasche einschenkst. War der Nachgeschmack bitter oder süß?«
»Oh, äh, er war irgendwie … dumpf, Herr. Wie Eisen.«
Bauchelain stand auf und griff nach der Flasche. Hielt sie sich vor die Augen und schnüffelte an der Öffnung. »Du Idiot, das ist Blut aus Korbal Broachs Sammlung. Nicht aus dieser Reihe, aus der gegenüber. Bring die hier zurück in den Keller.«
Emancipors runzliges Gesicht war pergamentweiß geworden. »Blut? Wessen Blut?«
»Spielt das eine Rolle?«
Während Emancipor noch mit offenem Mund dastand, räusperte sich der Schnelle Ben und meinte: »Was Euren Diener angeht, scheint die Antwort – wie ich glaube – ›ja, das tut es‹ zu lauten.«
Die Krähe auf dem Kaminsims bewegte den Kopf ruckartig auf und ab und gab ein schnatterndes Geräusch von sich.
Der Diener sackte auf weichen Knien ein Stück in sich zusammen; die beiden Kelche auf dem Tablett stießen leise gegeneinander.
Stirnrunzelnd griff Bauchelain erneut nach der Flasche und schnüffelte ein zweites Mal. »Nun«, sagte er, als er sie zurück auf das Tablett stellte, »ich bin natürlich nicht derjenige, den man fragen sollte, aber ich glaube, es ist Jungfrauenblut.«
Dem Schnellen Ben blieb gar nichts anderes übrig, als nachzufragen. »Woran erkennt Ihr das?«
Bauchelain sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. »Nun – es schmeckt hölzern.«
Zum Vermummten mit all diesen Plänen. Paran hockte krumm auf einer der niedrigeren Bänke im Großen Ratssaal des Knechts. Die Nacht schien von draußen in diesen riesigen staubigen Raum geströmt zu sein und die Fackeln an den Wänden zu dämpfen. Vor ihm war der Fußboden aufgerissen worden, hatte eine Anzahl staubüberkrusteter Ausleger-Kanus enthüllt. Die eingewickelten Leichname, die sich darin befunden hatten, waren von den Barghast in einer feierlichen Zeremonie weggeschafft worden, doch die in den Augen des Hauptmanns bedeutendsten Artefakte hatten sie zurückgelassen. Er wandte den Blick nicht von den Kanus ab, als läge in ihnen eine Wahrheit verborgen, die sich als überwältigend erweisen würde, wenn er sie nur herauslesen könnte.
Die Schmerzen in seinem Bauch waren im Augenblick nicht mehr als verblassende Echos. Er glaubte, dass er inzwischen die Quelle seiner Krankheit verstanden hatte. Er war kein Mann, der Macht gerne annahm, aber sie war ihm dennoch in den Schoß geworfen worden. Diese Macht war nicht so klar und offensichtlich wie ein Schwert, eins wie Dragnipur; sie war nichts, das er schwingen und mit dem er seine Feinde scharenweise niedermähen konnte wie ein
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