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SdG 05 - Der Tag des Sehers

SdG 05 - Der Tag des Sehers

Titel: SdG 05 - Der Tag des Sehers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steve Erikson
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Priester unglücklich sind.«
    Zähne glänzten. Entweder grinste der Barghast, oder es bedeutete etwas Unangenehmeres.
    Oh, ich glaube, mir gefällt diese Vorstellung des Segnens nicht. Aber das Ganze ergibt einen Sinn. Wie sonst sollte ein Herr der Drachenkarten ein Schiedsverfahren abschließen? In der Tat, genau wie ein Richter in Unta, nur dass da etwas Religiöses mit drin ist – und das verschafft mir ein unbehagliches Gefühl. Denk später darüber nach, Ganoes …
    »Ich habe hier gesessen«, sagte Paran, »und mir ist immer mal wieder die Idee gekommen, dass in diesen vermoderten Kanus ein Geheimnis verborgen liegt.«
    Cafal grunzte.
    »Hätte ich Unrecht, wenn ich das als Zustimmung werte?«
    »Nein.«
    Paran lächelte. Er hatte gelernt, dass die Barghast nur sehr ungern zu irgendetwas ja sagten, doch man konnte ihnen dennoch eine Zustimmung entlocken, indem man sie dazu brachte, nein zum Gegenteil zu sagen. »Wäre es Euch lieber, wenn ich gehen würde?«
    »Nein. Nur Feiglinge horten Geheimnisse. Kommt näher, wenn Ihr wollt, und seht Euch zumindest eine der Wahrheiten in diesen uralten Booten an.«
    »Ich danke Euch«, erwiderte Paran und stemmte sich langsam hoch. Er holte sich eine Laterne, kletterte in die Grube hinunter und stand schließlich neben Cafal auf der schimmeligen Erde.
    Die rechte Hand des Barghast ruhte auf einem geschnitzten Bug.
    Paran betrachtete ihn genauer. »Das sind Kampfszenen. Auf See.«
    »Das ist nicht das Geheimnis, das ich Euch zeigen wollte«, sagte Cafan mit seiner tiefen, grollenden Stimme. »Die Holzschnitzer waren sehr geschickt. Sie haben die Nahtstellen gut verborgen, und noch nicht einmal die Jahrhunderte, die inzwischen vorbeigezogen sind, konnten ihnen etwas anhaben. Dieses Kanu sieht aus, als wäre es aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt, seht Ihr? Das wurde es auch, aber nichtsdestotrotz wurde dieses Boot in Stücken konstruiert – könnt Ihr es erkennen, Ganoes Paran?«
    Der Hauptmann kauerte sich hin und betrachtete das Kanu aus der Nähe. »Kaum«, sagte er nach einer Weile, »und wenn überhaupt, dann auch nur deshalb, weil ein paar, der Teile sich entlang der Nahtstellen ein wenig verzogen haben. Diese Felder mit den Kampfszenen zum Beispiel – «
    »Stimmt, die zum Beispiel. Und jetzt seht das Geheimnis.« Cafal zog ein Jagdmesser mit breiter Klinge aus seinem Gürtel. Er schob die Spitze und die Schneide unter das Feld mit der Schnitzerei. Drehte.
    Der Deckel mit der Kampfszene sprang am Bugende auf. Dahinter kam eine längliche Höhlung zum Vorschein. Darin schimmerte etwas stumpf. Nachdem Cafal das Messer wieder in den Gürtel gesteckt hatte, griff er in die Höhlung und zog das Objekt heraus.
    Ein Schwert; die wassergeätzte schmale Klinge war einschneidig und sah im Fackellicht aus, als wäre sie flüssig. Die Waffe war überlang, die letzte Handspanne bis zur Spitze leicht verbreitert. Eine kleine, rautenförmige Parierstange aus schwarzem Eisen schützte den mit Sehnen umwickelten Griff. Dieses Schwert hatte uneingeölt und ohne Scheide Jahrhunderte überdauert – doch es wies keinerlei Spuren einer solchen Zeitspanne auf.
    »Da ist Zauberei im Spiel.«
    »Nein.« Gafal hob die Waffe, schloss beide Hände auf merkwürdige Weise – mit verschränkten Fingern – um den Griff. »Als unser Volk noch jung war, gab es noch eine perfekte Einheit von Geduld und Geschick. Die Klingen, die wir seinerzeit hergestellt haben, waren damals unvergleichlich, und sie sind es bis heute geblieben.«
    »Verzeiht mir, Cafal, aber die Hakenschwerter und die Speere, die ich bei Euren Kriegern gesehen habe, lassen eigentlich nicht auf besondere Fähigkeiten schließen.«
    Cafal bleckte die Zähne. »Es gibt nichts zu verzeihen. Tatsächlich sind Eure Worte noch viel zu freundlich. Die Waffen, die unsere Schmiede heute herstellen, sind schlecht. Wir haben das alte Wissen verloren.«
    »Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein völlig normales Schwert ohne Scheide eine derart nachlässige Behandlung unbeschadet übersteht, Cafal. Seid Ihr sicher, dass es nicht mit – «
    »Das bin ich. Es ist eine Frage der Legierung, der Mischung verschiedener Metalle. Diese Mischung trotzt dem nagenden Zahn der Zeit. In ihr wurden Metalle verarbeitet, die erst wiederentdeckt werden müssen, was jetzt, wo die Magie so weit verbreitet ist, vielleicht nie geschehen wird.« Er hielt Paran das Schwert hin. »Es sieht schlecht ausbalanciert aus, nicht wahr? Zu kopflastig. Hier.«
    Paran

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