SdG 05 - Der Tag des Sehers
bitten wird. Im Namen seines Gottes.«
Paran rieb sich die Stirn; er war schlagartig unvorstellbar müde.
»Ich habe meine Meinung geändert«, murmelte er. »Ich mache mir eigentlich doch nichts aus einem Spaziergang.«
»Was werdet Ihr dann tun?«
»Mir ein Loch suchen und mich darin verkriechen, Cafal.«
Das Lachen des Barghast klang rau und nicht ganz so mitfühlend, wie Paran es sich eigentlich gewünscht hätte.
Emancipor Reese hatte im Keller tatsächlich eine geeignetere Flasche gefunden und die Kelche gefüllt, ehe er den Raum hastig verlassen hatte, wobei die krankhafte Blässe in seinem faltigen Gesicht eher noch zugenommen zu haben schien.
Der Schnelle Ben zögerte dennoch, als er das erste Mal an seinem Kelch nippte. Nach einem Augenblick schluckte er und seufzte dann.
Auf Bauchelains Zügen, der ihm gegenübersaß, erschien, ein leichtes Lächeln. »Hervorragend. Nun, Ihr habt einige, gewiss nicht unbeträchtliche Mühen auf Euch genommen, die Verteidigungsanlagen dieses Anwesens zu durchdringen. Es muss also einen Grund geben, warum Ihr hergekommen seid. Daher habt Ihr jetzt meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit.«
»Ihr praktiziert Dämonenbeschwörung. Das ist die seltenste und schwierigste Disziplin der nekromantischen Künste.«
Bauchelains Antwort bestand aus einem bescheidenen Schulterzucken.
»Und die Macht, auf die dabei zurückgegriffen wird«, fuhr der Schnelle Ben fort, »entstammt zwar dem Gewirr des Vermummten, doch sie ist auch stark mit Chaos behaftet. Sie streift an beiden Seiten der Grenze zwischen den genannten Gewirren entlang. Nur so nebenbei – wieso glaubt Ihr, dass der Beschwörung von Dämonen ein Todesaspekt innewohnt?«
»Es geht darum, absolute Kontrolle über eine Lebenskraft geltend zu machen, Schneller Ben. Die Drohung der Auslöschung ist von Natur aus todesbezüglich. Aber fahrt doch fort, was Eure Bemerkung hinsichtlich des Einflusses des Chaos-Gewirrs betrifft.«
»Die Gewirre sind vergiftet worden.«
»Oh. Es gibt viele Nuancen chaotischer Macht. Das, was die Gewirre beeinflusst, hat wenig mit den Elementen des Chaos-Gewirrs zu tun, mit denen ich mich befasse.«
»Dann ist also Euer Zugriff auf Eure Gewirre noch nicht beeinträchtigt worden.«
»Das habe ich nicht gesagt«, erwiderte Bauchelain und machte eine Pause, um einen Schluck Wein zu trinken. »Die … Infektion … ist ein Ärgernis, eine unglückliche Entwicklung, die noch schlimmer zu werden droht. Irgendwann werde ich es vielleicht als notwendig erachten, Vergeltung an dem mir bislang noch unbekannten Wesen zu üben, das dafür verantwortlich ist. Mein Gefährte, Korbal Broach, hat mir seine wachsende Besorgnis kundgetan – er arbeitet direkter mit dem Gewirr des Vermummten und hat daher auch stärker unter den Beeinträchtigungen zu leiden.«
Der Schnelle Ben warf der Krähe auf dem Kaminsims einen kurzen Seitenblick zu. »Ach, tatsächlich … Nun«, fügte er hinzu und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Bauchelain zu, »was das angeht, kann ich Euch ganz genau sagen, wer dafür verantwortlich ist.«
»Und warum solltet Ihr uns das mitteilen, Magier? Ach, vielleicht, weil Ihr auf unsere Hilfe spekuliert – ich gehe davon aus, dass Ihr Euch diesem … Vergifter entgegenstellen wollt. Und auf der Suche nach möglichen Verbündeten seid.«
»Verbündete? Euch um Hilfe ersuchen? Nein, mein Herr, Ihr missversteht mich. Ich gebe Euch diese Information einfach so. Ja, ich erwarte nicht nur keine Gegenleistung, ich würde sie sogar mit allem Respekt ablehnen, solltet Ihr mir eine anbieten.«
»Eigenartig. Kommt Eure Macht denn der der Götter gleich?«
»Ich kann mich nicht daran erinnern, in diesem Gespräch etwas von Göttern gesagt zu haben, Bauchelain.«
»Wie wahr; doch wie auch immer, das Wesen, das für die Vergiftung sämtlicher Gewirre verantwortlich ist, ist ohne Zweifel ein Furcht erregendes Individuum – wenn es kein Gott ist, dann ist es zumindest ein Anwärter auf eine solche Position.«
»Natürlich«, sagte der Schnelle Ben mit einem Lächeln, »bin ich nicht in der Lage, den Göttern ihren Rang streitig zu machen.«
»Eine weise Entscheidung.«
»Aber manchmal schlage ich sie in ihrem eigenen Spiel.«
Bauchelain musterte den Magier, lehnte sich dann langsam zurück. »Ich stelle fest, dass ich Eure Gesellschaft genieße, Schneller Ben. Ich bin nicht leicht zu unterhalten, aber Ihr habt Euch heute Nacht in der Tat als achtbare Zerstreuung erwiesen, und dafür
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