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Segeln im Sonnenwind

Segeln im Sonnenwind

Titel: Segeln im Sonnenwind Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert A. Heinlein
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was Captain Long zu diesem Thema zu sagen hätte.
    Zuerst muß ich jedoch erwähnen, daß ich Vater am Abend zuvor in seinem Zimmer aufgesucht hatte, um ihm einen königlichen Kuß zu versprechen und ihm von einer seltsamen Geschichte zu berichten, die Sergeant Theodore mir zuvor nach dem albernen, ungeplanten Besuch im Electric Park erzählt hatte, verbunden mit der Behauptung, er wäre Captain Lazarus Long, ein Howard aus der Zukunft.
    Trotz meines Versprechens (der königliche Kuß) ließ er die Tür angelehnt. Nancy klopfte an, setzte sich mir gegenüber auf die andere Seite von Vaters Bett und hörte mit ernster Miene zu, als ich meine Geschichte wiederholte.
    »Maureen, wenn ich dich richtig verstehe, glaubst du ihm«, sagte Vater, »Zeitreise, Ätherschiff und all das.«
    »Vater, er kannte Woodrows Geburtsdatum! Hast du es ihm gesagt?«
    »Nein. Ich kenne schließlich deine Politik.«
    »Er wußte auch dein Geburtsdatum, nicht nur das Jahr, sondern sogar Monat und Tag. Weiß er es von dir?«
    »Nein, aber es handelt sich dabei nicht um ein Geheimnis. Es erscheint auf allerlei Dokumenten.«
    »Wie sollte er an eins davon kommen? Auch den exakten Tag von Mutters Geburt konnte er angeben!«
    »Das wiegt schon schwerer, ist aber ebenfalls nicht unmöglich herauszufinden. Jeder, der Zugriff auf die Akten der Stiftung in Toledo hat, könnte all das einfach nachschlagen.«
    »Wieso kennt er aber Woodrows Geburtstag, nicht jedoch den von Nancy? Vater, Theodores Wissen erstreckt sich auf alle seine angeblichen Vorfahren, also auch Woodrow, nicht jedoch auf Woodrows Brüder und Schwestern.«
    »Was soll ich sagen? Falls er Zugriff auf Judge Sperlings Akten hatte, konnte er sich eben alles merken, was er für die Begründung seiner Geschichte brauchte. Seine interessanteste Angabe ist jedoch die, daß der Krieg dieses Jahr am 11. November enden wird. Ich hätte auf irgendwann im Sommer getippt, mit schlechten Nachrichten für England und noch schlechteren für Frankreich sowie einer Demütigung für uns – oder auf frühestens den Sommer 1919 mit einem Sieg der Alliierten, wenn auch einem schrecklich verlustreichen. Falls Ted recht behalten sollte – 11. November 1918 –, dann werde ich ihm glauben. Und zwar alles.«
    »Ich glaube ihm«, warf Nancy unvermittelt ein.
    »Wieso?« wollte Vater wissen.
    »Opa, erinnerst du dich noch…? Nein, du warst ja nicht hier. Es war vor einem Jahr, als der Krieg erklärt wurde. Papa hatte jedem von uns einen Abschiedskuß gegeben. Du, Opa, bist gleich nach ihm gegangen, und du, Mama, bist nach oben gegangen, um dich hinzulegen. Bis Onkel Ted anrief. Du warst gemein zu ihm, Opa.«
    »Nancy, das tut mir heute noch leid.«
    »Oh, es war ja ein Mißverständnis – das wissen wir doch alle! Aber ich meine einen zweiten Anruf, vielleicht eine Stunde oder noch länger vor dem anderen. Ich war aufgeregt und habe, glaube ich, ein bißchen geheult, und Onkel Ted wußte es. Er sagte, ich bräuchte mir keine Sorgen um Papa zu machen, weil er, Ted, das zweite Gesicht hätte und in die Zukunft blicken könne. Er sagte, Papa würde wohlbehalten wieder zurückkommen, und auf einmal habe ich mir keine Sorgen mehr gemacht, jedenfalls nicht darum. Ich wußte einfach, daß Onkel Ted die Wahrheit gesagt hatte. Weil er aus der Zukunft stammt.«
    »Vater?«
    »Wie soll ich das entscheiden, Maureen?« Er wirkte ganz nachdenklich. »Ich glaube, wir müssen zumindest davon ausgehen, daß Ted selbst an die Geschichte glaubt. Was natürlich nicht die Hypothese ausschließt, daß er so verrückt ist wie ein Maikäfer.«
    »Opa! Du weißt, daß Onkel Ted nicht verrückt ist!«
    »Ich glaube, er ist es nicht, aber seine Geschichte klingt ganz danach. Nancy, ich versuche doch nur, vernünftig an die Sache heranzugehen. Schimpfe bitte nicht mit Opa; er gibt sich wirklich Mühe! Im ungünstigsten Fall wissen wir in etwa fünf Monaten Bescheid, am 11. November. Das tröstet dich vielleicht nicht sonderlich, Maureen, könnte aber doch teilweise den schmutzigen Streich wiedergutmachen, den dir Woodrow gespielt hat. Du hättest ihn dort gleich an Ort und Stelle verprügeln sollen!«
    »Aber doch nicht mitten in der Nacht im Wald, Papa!
    Nicht ein so kleines Kind! Und jetzt ist es zu spät dafür. Nancy, erinnerst du dich noch an die Stelle, wo Sergeant Theodore vor einem Jahr mit euch allen gepicknickt hat? Dort waren wir heute.«
    Nancy riß den Mund auf. »Woodie war bei euch? Dann habt ihr also gar nicht…« Sie

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