Shannara VIII
lecken, daher ging es langsamer. Schließlich konnten wir nur mit halber Kraft fahren. Dein Rock ist sicherlich schneller als wir.«
»Und dann schauen wir uns ein wenig um, wer sich da so rumtreibt?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Als ich noch ein Mädchen war, haben wir oft Verstecken gespielt, und ich habe dabei gelernt, am besten findet man jemanden, wenn man nicht zu angestrengt nach ihm sucht. Instinkt braucht man, und man muss auf Instinkt vertrauen. Wir sehen uns zunächst die Bucht an, in der die Jerle Shannara Walker und die anderen abgesetzt hat. Von dort außen können wir landeinwärts fliegen, bis wir Castledown sichten. Aber ich glaube kaum, dass wir die Gesuchten an einem der beiden Orte finden.«
»Oder über der Erde?«
Sie warf ihm einen scharfen Blick zu.
»Ich meine, der Druide hat uns erzählt, diese Burg sei eine unterirdische Anlage. Mehr nicht.«
Sie nickte. »Deshalb müssen wir uns auf jeden Fall genau umschauen. Unsere Freunde werden nicht irgendwo herumstehen und auf uns warten.«
»Obsidian wird uns dabei helfen.« Der Flugreiter deutete zu dem Vogel, der im Dunkeln auf einem Felsvorsprung kauerte. »Dazu wurde er ausgebildet: Dinge zu suchen, die wir nicht sehen können, nach dem zu jagen, was verloren ging und gefunden werden soll. Das kann er hervorragend. Besser als du und ich.«
Sie brachte ihr verwundetes Bein in eine neue Position. Es schmerzte von der starren Haltung während des Fluges auf dem Rock, obwohl sie nur zwei Stunden unterwegs gewesen waren. Wie viel schlimmer würde es morgen sein? Sie seufzte müde, während sie das Bein rieb, damit das Blut wieder in Bewegung kam, und dabei sorgsam die Messerwunde vermied. Es war nicht so schlimm, dachte sie, wie sie erwartet hatte. Den Verband hatte sie bereits überprüft, da hatte sich kein Blut gezeigt. Die Naht hielt die Wunde zusammen.
»Morgen sollten wir lieber regelmäßig Rast einlegen«, meinte Hunter Predd, der sie beobachtet hatte. Tadelnd hob sie den Blick. »Nicht nur wegen dir«, fügte er hinzu. »Auch wegen des Vogels. Obsidian kommt besser voran, wenn er häufiger Pause macht.«
»Solange du mir damit nicht irgendeinen besonderen Gefallen erweisen willst.«
Er lachte trocken und humorlos. »Das würde doch niemand wollen, oder?«
Daraufhin reichte sie ihm das Bier, lehnte sich zurück und stützte sich auf die Ellbogen. »Lach nur, so viel du willst. Du bist nicht als Mädchen unter Männern aufgewachsen. Wenn ich meinen Bruder oder meine Vettern um einen besonderen Gefallen bat, haben die auch nur gelacht. Schlimmer noch, sie haben mir alles so erschwert, dass ich wünschte, ich hätte den Mund gehalten. Die Frauen der Fahrenden sind aus Tradition zäh und ausdauernd, weil sie auf den ständigen Reisen die Verantwortung für die Familie übernehmen müssen. Sie führen ein hartes Leben. In alten Zeiten hatten wir keine Städte, keinen Ort in der Welt, der uns gehörte, außerhalb unserer Wagen und Lager. Wir waren Nomaden, die meist umherzogen - zu Lande, zur See und in der Luft. Niemand hat uns geholfen. Stets waren wir ein unabhängiges Volk, und das sind wir heute noch, als Seeleute und Schiffsbauer und Söldner, und wir sind meistens besser als andere -«
»Genug«, protestierte er. »Ich habe gar nicht über dich gelacht. Glaubst du, ich wüsste nichts über eure Art des Lebens? So sehr unterscheiden wir uns gar nicht, du und ich. Flugreiter und Fahrende haben immer abseits gelebt, waren immer unabhängig. Seit Menschengedenken ist das so.«
Er beugte sich vor. »Gerade deshalb können wir einander die Hand zur Hilfe entgegenstrecken, wenn es notwendig ist. Freundschaft heißt nicht, Schwächen zu unterstützen. Sie hat mit Respekt und Aufmerksamkeit für denjenigen zu tun, der einem etwas bedeutet. Mit Hilfe für den, den man bewundert. Das solltest du dir hinter die Ohren schreiben.«
Sie lächelte unwillkürlich, entzückt über diese Offenheit. »Auf der prekkendorranischen Ebene habe ich zu lange mit Soldaten zusammengelebt«, entschuldigte sie sich. »Da habe ich vergessen, was Freundschaft bedeutet.«
Kopfschüttelnd antwortete er: »Du hast viel vergessen, nehme ich an. Nur manchmal kannst du deine Gefühle nicht im Zaum halten, Kleine Rote. Was jedoch besser ist, als sie zu stark zu unterdrücken.«
Sie schliefen ungestört, wechselten sich bei der Wache ab und erwachten morgens frisch und ausgeruht und bereit zum Aufbruch. Bei Sonnenaufgang hoben sie ab, während das helle
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