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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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der vorgehaltenen Hand –, »Ankray und der Baron waren nie geschickt genug, um Fische zu fangen!«
    Als sie gespeist hatten und Ankray mit dem herben Wein einen Trinkspruch auf den geschickten Fischer ausgebracht hatte, ging er zur Tuginda, um bei ihr zu wachen, dabei verfertigte er aus Fäden von einem alten Mantel und aus einer Haarsträhne von Melathys eine neue Angelleine; Kelderek saß dicht neben dem Mädchen, um leise sprechen zu können, und erzählte ihr alles, was seit dem Tag vorgefallen war, als Zelda ihm in Bekla zum erstenmal seine Ansicht bekanntgab, daß man Erketlis nicht besiegen könne. All das, was ihn beinahe vernichtet hätte, die Dinge, deren er sich zutiefst schämte – der Älteste, der ihn für einen Sklavenhändler gehalten hatte, die Streels von Urtah, seine Sinnesverwirrung auf dem Schlachtfeld, Elleroths Schonung, der Grund dafür und die Art, wie er Kabin verlassen hatte –, das erzählte er, ohne etwas zu verbergen, ins Feuer starrend, als wäre er allein, aber ohne einen Augenblick seinen Eindruck vom Mitgefühl der Zuhörerin zu verlieren, für die Beschmutzung, Reue und Scham längst so vertraut geworden waren wie für ihn. Als er von der Erklärung der Tuginda für die Vorgänge bei den Streels und von dem bestimmten und unvermeidlichen Tod Shardiks sprach, spürte er, wie Melathys sanft ihre Hand auf seinen Arm legte. Er bedeckte sie mit seiner Hand, und es war, als hemme seine Sehnsucht nach ihr den Fluß seiner Erzählung. Er verstummte, und nach einer Weile sagte sie: »Und unser Herr Shardik – wo ist er jetzt?«
    »Das weiß niemand. Er überquerte den Vrako, aber ich glaube fast, daß er schon tot ist. Auch ich wünschte mir oft den Tod, doch jetzt – «
    »Warum kamst du dann nach Zeray?«
    »Richtig, warum eigentlich? Wohl aus demselben Grund wie jeder andere Verbrecher. Für die Leute aus Yeldashay bin ich ein vogelfreier Sklavenhändler. Ich wurde über den Vrako getrieben, und ist man einmal auf dieser Seite, wohin kann man dann noch gehen, es sei denn nach Zeray? Außerdem stieß ich ja, wie du weißt, auf die Tuginda. Es gibt aber noch einen anderen Grund, das glaube ich wenigstens. Ich habe Shardiks göttliche Kraft entehrt und verdorben, so daß Gott nur sein Tod bleibt. Diese Schande und dieser Tod werden von mir gefordert werden, und wo sollte ich warten, wenn nicht in Zeray?«
    »Und doch sprachst du davon, wir sollten, um unser Leben zu retten, nach Lak gehen?«
    »Ja, und das werde ich auch tun, wenn ich kann. Ein Mensch auf Erden ist nur ein Tier, und welches Tier versucht nicht, sein Leben zu retten, solange noch eine Aussicht besteht?«
    Sie zog ihre Hand sanft fort. »Nun höre auf die Weisheit eines Feiglings, der Frau eines Mörders, einer erfahrenen Priesterin aus Quiso. Wenn du versuchst, dein Leben zu retten, wirst du es verlieren. Entweder du kannst die Wahrheit dessen hinnehmen, was du mir erzählt hast, und demütig und geduldig warten, wie es ausgeht – oder du wirst in diesem Land, in diesem Rattenkäfig hin und her rennen wie jeder andere Flüchtling, dich nie zur Vergangenheit bekennen und noch ein wenig mehr Betrug üben, um ein wenig mehr Zeit zu gewinnen, bis beides zu Ende ist.«
    »Und das Resultat?«
    »Sicher wird es ein Resultat geben. Seit ich mich umwandte und die Tuginda am Grab des Barons stehen sah, habe ich vieles verstanden – mehr als ich in Worte zu fassen vermag. Aber deshalb sitze ich eben hier mit dir und nicht mit Farrass und Thrild. Für Gottes Auge gibt es nur eine Zeit und nur eine Geschichte, zu der alle Tage auf Erden und alle menschlichen Ereignisse gehören. Das aber kann man nur selbst entdecken – es kann nicht gelehrt werden.«
    Verwundert und entmutigt durch ihre Worte, tröstete es ihn doch, daß sie ihn ihrer Besorgnis für würdig hielt, wenn er auch erfaßte – oder zu erfassen glaubte –, daß sie ihm riet, sich mit dem Tode abzufinden. Nun fragte er, um die Zeit zu verlängern, die er so nahe bei ihr sitzen durfte: »Wenn die Soldaten aus Yeldashay kommen, werden sie der Tuginda vielleicht zur Rückkehr nach Quiso verhelfen. Wirst du sie dorthin begleiten?«
    »Ich bin – was du weißt. Ich darf nie wieder den Fuß auf Quiso setzen. Das wäre ein Frevel.«
    »Was wirst du tun?«
    »Was ich dir sagte – auf das Resultat warten. Kelderek, du mußt Vertrauen zum Leben haben. Mir wurde das wiedergeschenkt. Wenn sie es nur verstünden, es ist nicht die Aufgabe der Entehrten und Schuldigen, sich

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