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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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Himmel.
    »Sie werden schon trocknen.«
    »Bis heute abend nicht mehr.«
    »M’mm. Immer sorgst du dich…«
    »Wenn du willst, breite ich sie auf dem Dach aus. Dort ist es noch sonnig.«
    »Es gibt keine Treppe nach oben.«
    »In Bekla hatte jedes Haus Stufen bis auf das Dach.«
    »In Bekla, der Stadt, fliegt doch jedes Schwein, und plätschernd im Strom fließt vorbei der Wein – «
    Er blickte die fünf oder sechs Meter hohe Mauer empor, suchte sich einen Weg, kletterte über das rauhe Mauerwerk nach oben, faßte mit beiden Händen die Brüstung und zog sich hinauf. Etwa einen halben Meter tiefer lag das flache Steindach. Er tastete vorsichtig, doch es war fest genug, und er stieg darauf. Die Steine waren von der Sonnenbestrahlung warm.
    »Wirf die Kleider herauf, ich werde sie ausbreiten.«
    »Das Dach muß schmutzig sein.«
    »Dann wirf mir einen Besen herauf. Kannst du – «
    Er brach ab, als er auf den Ruß sah.
    »Was ist los?« fragte Melathys ein wenig besorgt.
    Kelderek antwortete nicht, und sie fragte nochmals, dringender.
    »Männer auf dem anderen Flußufer.«
    » Was?« Sie starrte ihn ungläubig an. »Das Ufer ist unbewohnt, es gibt sechzig Kilometer weit kein Dorf, so wurde mir zumindest immer gesagt. Seit ich hier bin, habe ich dort noch keinen Menschen gesehen.«
    »Also, jetzt kannst du welche sehen.«
    »Was tun sie?«
    »Ich kann es nicht erkennen. Sie sehen wie Soldaten aus. Die Leute auf unserer Seite scheinen so überrascht wie du.«
    »Hilf mir nach oben, Kelderek!«
    Mit einiger Schwierigkeit kletterte sie so hoch hinauf, daß er ihre Handgelenke fassen und sie hochziehen konnte. Sie betrat das Dach, kniete sofort hinter der Brüstung nieder und winkte ihm, das gleiche zu tun.
    »Vor einem Monat hätten wir in Zeray offen auf einem Dach stehen können. Ich glaube, das würde ich jetzt nicht tun.«
    Sie blickten gemeinsam nach Osten. Am Ufer von Zeray hatten sich die Bummler zu Gruppen gesammelt, sie sprachen miteinander und wiesen über den Fluß. Auf dem anderen Ufer, kaum einen Kilometer weit von der Stelle, wo sie auf dem Dach knieten, war ein Trupp von etwa fünfzig Mann zu sehen, die sich eifrig zwischen den Felsen mit etwas zu schaffen machten.
    »Der Mann dort links – er erteilt Befehle, siehst du es?«
    »Aber was tragen sie denn?«
    »Pfosten. Siehst du den näheren dort – er ist wohl so lang wie der Mittelpfahl einer ortelganischen Hütte. Wahrscheinlich wollen sie eine Hütte bauen – aber wozu denn nur?«
    »Weiß der Himmel – eines aber ist sicher, mit Zeray kann es nichts zu tun haben. Dort hat noch nie jemand die Durchfahrt überquert; die Strömung ist viel zu stark.«
    »Es sind doch Soldaten, nicht wahr?«
    »Ich glaube, ja – oder ein Jagdausflug.«
    »Im Ödland? Sieh doch, sie fangen zu graben an. Und sie haben dort zwei große Zuschlaghämmer. Wenn sie also die Pfähle tief genug versenkt haben, um oben darauf zu schlagen, werden sie sie wohl tiefer in den Boden treiben.«
    »Für eine Hütte?«
    »Nun, warten wir es ab. Wahrscheinlich werden sie – «
    Er brach ab, als sie ihm die Hand auf den Arm legte und ihn von der Brüstung rückwärts zog.
    »Was ist los?«
    »Wahrscheinlich nichts«, sagte sie leise, »aber da war ein Mann, der uns von unten beobachtete – einer von deinen gestrigen Freunden, nehme ich an. Es wäre wohl besser, nach unten zu gehen, für den Fall, daß er einzubrechen beabsichtigt. Jedenfalls, je weniger wir auffallen, desto besser, und hier ist ein guter Wahlspruch: ›Aus den Augen, aus dem Sinn.‹«
    Nachdem er ihr hinuntergeholfen hatte, schloß er die Läden der wenigen Fenster in der Außenmauer und machte sie fest, trug Ankrays schweren Speer in den Hof und horchte eine Weile. Es war aber alles still, und nach einiger Zeit ging er wieder ins Haus. Die Tuginda war wach, er setzte sich an das Fußende ihres Bettes und hörte gern zu, wie sie mit Melathys von früheren Zeiten auf Quiso plauderte. Einmal sprach die Tuginda von Ged-la-Dan, und obwohl Melathys offenbar die Ausdrücke genau verstand, mit denen sie seine vergeblichen Versuche, auf die Insel zu gelangen, beschrieb, waren sie für Kelderek unbegreiflich.
    Es gab auch keinen Grund dafür, dachte er, daß er sie verstehen sollte. Melathys hatte gesagt, sie würde nie dorthin zurückkehren, und das würde auch er nicht. Magie, Mystizismus, Erfüllung von Voraussagungen und die Suche nach Bedeutungen jenseits von Heim und Herd – er hatte daraus wenig genug gewonnen, es

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