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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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sehr tüchtig, und wir verstehen völlig, warum du nicht mit dem Oberhaupt sprechen konntest. Du hast es dir verdient, daß du dich nun gut ausschläfst. Arbeite heute nichts mehr.«
    »Sehr wohl, Saiyett. Gern geschehen, glaub mir! Gute Nacht, Saiyett. Gute Nacht, Herr.«
    Er ging hinaus und nahm die Lampe mit, die ihm Melathys wortlos reichte. Als seine Schritte verklangen, saß Kelderek regungslos und starrte zu Boden, wie ein Mann in einer Kneipe oder in einem Laden hofft, unerkannt zu bleiben, indem er den Blick zur Seite wendet, wenn unerwartet ein Gläubiger oder ein Feind eintritt. Drüben im Raum fiel ein Holzscheit ins Feuer, und durch die Fensterläden kam der ferne, lärmende Klang der in der Nacht quakenden Frösche. Er saß immer noch da, und noch immer sprach niemand. Als Melathys durch das Zimmer ging und sich neben dem Bett auf die Bank setzte, merkte Kelderek, daß seine Haltung unnatürlich und verkrampft geworden war, wie die eines Hundes, der sich aus Angst vor einem Nebenbuhler steif an die Wand drückt. Immer noch blickte er keine der Frauen unmittelbar an, erhob sich, nahm die zweite Lampe vom Bord neben sich und ging zur Tür.
    »Ich – komme wieder – etwas – nur kurze Zeit – «
    Seine Hand lag auf der Klinke, und mit einem ungewollten kurzen Blick streifte er das Gesicht der Tuginda, das sich gegen die dunkle Wand abhob. Sie begegnete seinem Blick, und er wandte sich ab. Er ging hinaus und blieb im nächsten Zimmer ein wenig vor der Feuersglut stehen. Er beobachtete, wie deren Höhlen, Klippen und Terrassen verbrannten, zerbröckelten und anderen Platz machten. Dann und wann drangen die Stimmen der Frauen, die nur wenig und leise sprachen, an seine Ohren, bis er schließlich, da er noch mehr allein sein wollte, in das Zimmer ging, wo er schlief; dort angelangt, stellte er die Lampe nieder und stand still wie ein Ochse auf einem Feld.
    Welchen Einfluß, welche Macht besaß Shardik immer noch über ihn? War er seinem eigenen Willen oder dem Shardiks gefolgt, als er im Wald neben ihm geschlafen hatte, kopfüber in den tiefen Telthearna gesprungen war und schließlich Bekla und sein Königreich verlassen hatte, um durch Todesangst und Demütigung, von der keiner je erfahren würde, nach Zeray zu kommen? Er hatte geglaubt, Shardik sei tot, oder wenn nicht tot, doch irgendwo weit fort und dem Tode nah. Aber er war nicht tot, nicht weit entfernt; und die Nachricht von ihm war nun – war es sein Wunsch, daß es geschah? – zu dem Mann gedrungen, den Gott von Anfang erwählt hatte, um ihn zu vernichten, genau wie die Tuginda vorausgesagt hatte. Er hatte von Priestern in anderen Ländern gehört, welche die Gefangenen ihrer Götter und ihres Volkes waren und in ihren Tempeln oder Palästen eingeschlossen blieben bis zum Tag ihres rituellen Opfertodes. Er hatte, obzwar er ein Priester war, keine solche Gefangenschaft durchgemacht. Doch hatte er sich getäuscht in seiner Annahme, es stünde ihm frei, Shardik aufzugeben, sein Leben durch die Flucht zu retten und um der Frau willen, die er liebte, am Leben zu bleiben? War er wirklich wie ein Fisch, gefangen in einem schwindenden, von Land umschlossenen Teich zur Zeit der Trockenheit, dem es freistand zu schwimmen, wohin er konnte, der aber trotz aller Bemühungen dazu bestimmt war, schließlich nach Luft schnappend im Schlamm zu liegen? Gleich Bel-ka-Trazet hatte er angenommen, er sei fertig mit Shardik, doch Shardik, das befürchtete er nun, war nicht fertig mit ihm.
    Er fuhr beim Klang von Schritten zusammen, und schon betrat Melathys das halbdunkle Zimmer. Wortlos nahm er sie in die Arme und küßte sie wieder und wieder – ihre Lippen, ihr Haar, ihre Augenlider –, als wollte er sich hinter Küssen verbergen. Sie schmiegte sich an ihn, ohne zu sprechen, mit ihrer Einwilligung als einziger Antwort, wie eine Frau, die in einem Weiher badet und entzückt, atemlos unter dem Wasserfall stehen bleibt, der ihn speist. Langsam wurde er ruhiger, liebkoste mit den Händen ihr Antlitz und fühlte an den Fingern ihre Tränen, die er im Lampenlicht nicht gesehen hatte.
    »Meine Liebste«, flüsterte er, »meine Prinzessin, mein strahlendes Kleinod, weine nicht! Ich bringe dich fort von Zeray. Was immer geschehen mag, nie, niemals werde ich dich verlassen. Wir gehen fort, zusammen, an einen sicheren Ort. Glaube mir nur!« Er blickte lächelnd auf sie nieder. »Ich habe nichts auf der Welt und werde alles um deinetwillen opfern.«
    »Kelderek.« Nun

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