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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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Knien; sie hatten die Köpfe tief gesenkt und verneigten sich regungslos in ihre Richtung. »Das sind der Dorfschulze und die Dorfältesten. Ich wußte nicht, ob Ihr sie sofort sehen wolltet.«
    »Später.« Toranagas Pferd wieherte matt und reckte den Kopf, so daß die Zügel klirrten. Er beruhigte es, und da er jetzt vollkommen zufrieden war mit den Sicherheitsvorkehrungen, gab er seinen Leuten einen Wink abzusitzen. Einer von Buntaros Samurai packte die Zügel seines Pferdes.
    Dankbar streckte Toranaga sich und versuchte, die verkrampften Muskeln im Rücken und in den Beinen zu entspannen. Er hatte den ganzen Weg von Anjiro hierher in einem Gewaltritt zurückgelegt und nur angehalten, um die Pferde zu wechseln. Der Rest des Trosses mit dem Gepäck unter Omis Kommando war weit zurückgeblieben und dehnte sich auf der Straße, die den Hügel herunterkam. Der Berg Omura lag zu ihrer Rechten, und die Gipfel der vulkanischen Amagi-Kette zu ihrer Linken ragten fast fünfzehnhundert Meter in die Höhe. »Gut. Ja, sehr gut«, sagte er über das allgemeine Gerede seiner Männer hinweg, die absaßen und durcheinanderschnatterten.
    »Wenn Ihr mir eine Ehre erweisen wollt, so gestattet, daß ich Herrn Zataki und seine Männer sofort vom Leben zum Tode befördere.«
    »Hat er Euch beleidigt?«
    »Nein, im Gegenteil. Seine Manieren wären eines Höflings würdig gewesen, aber das Wappen, unter dem er reist, ist ein Zeichen des Verrats an Euch.«
    »Geduld! Wie oft muß ich Euch das noch sagen?« erklärte Toranaga, allerdings nicht unfreundlich.
    »Ich fürchte, immer wieder«, erwiderte Buntaro brummig. »Bitte, verzeiht mir!«
    »Ihr seid doch früher sein Freund gewesen. Bei Odawara hat er Euch das Leben gerettet.«
    »Bei Odawara haben wir alle auf derselben Seite gekämpft«, sagte Buntaro betrübt. Und dann brach es aus ihm heraus: »Wie kann er Euch das nur antun, Euer Gnaden? Euer leiblicher Bruder! Habt Ihr ihn nicht Euer Leben lang immer bevorzugt und begünstigt und immer an seiner Seite gekämpft?«
    »Die Menschen wandeln sich.« Toranaga richtete seine Aufmerksamkeit auf das Podest. »Beschafft vier Kissen, nicht nur zwei – aber einfache, die nur mit Häcksel gefüllt sind.«
    »Jawohl, Euer Gnaden.«
    Toranagas Blick fiel auf die heiße Quelle, und er ging dorthin. Das dampfende schweflige Wasser zischte, als es aus dem Spalt in den Felsen hervorsprudelte. Sein ganzer Körper verlangte nach einem Bad. »Und der Christ?« fragte er. »Tsukku-san, der christliche Priester?«
    »Er ist irgendwo im Dorf untergekommen, aber auf der anderen Seite der Brücke. Ohne Eure Erlaubnis ist es ihm untersagt, hier herüberzukommen. Warum? Ist das von Wichtigkeit? Er sagte, daß es ihm eine Ehre wäre, Euch sprechen zu dürfen, wenn es Euch angenehm ist. Wollt Ihr ihn gleich hier haben?«
    »Ist er allein gekommen?«
    Buntaro stülpte die Lippen auf. »Nein. Er hatte eine Eskorte von zwanzig Priesterschülern, alles Männer aus Kyushu, Euer Gnaden, und alle wohlgeborene Samurai. Alle waren beritten. Waffen tragen sie allerdings keine. Ich habe sie gründlich durchsuchen lassen.«
    »Und er?«
    »Ihn selbstverständlich auch – noch gründlicher als die anderen. Er hatte vier Brieftauben in seinem Gepäck. Ich habe sie konfisziert.«
    »Gut. Vernichtet sie … Irgendein Narr hat das dann irrtümlicherweise getan, tut uns so leid, neh?«
    »Ich verstehe. Möchtet Ihr, daß ich ihn gleich kommen lasse?«
    »Später. Ich werde ihn später empfangen.«
    Toranaga schüttelte den Kopf und blickte gedankenverloren zum Kamm des Hügels hinauf. Dann sagte er: »Schickt ein paar absolut verläßliche Leute hin, damit sie das Sturmregiment beobachten.«
    »Das ist bereits geschehen, Euer Gnaden.« Ein Leuchten ingrimmiger Genugtuung ging über Buntaros Gesicht. »Und in Herrn Yabus persönlicher Leibwache sind ein paar von unseren Augen und Ohren. Er wird nicht mal furzen können, ohne daß Ihr davon erfahrt, falls Ihr das wünscht.«
    »Gut.« Die Spitze des Trosses mit dem Gepäck kam um eine Wegbiegung des gewundenen Pfades. Toranaga konnte die drei Sänften sehen – und Omi, der, wie befohlen, als erster voranritt, neben ihm der offensichtlich noch nicht ermüdete Anjin-san.
    »Ich habe Eure Gattin mitgebracht.«
    »Jawohl, Euer Gnaden.«
    »Sie hat mich um Erlaubnis gebeten, nach Osaka gehen zu können.«
    Buntaro starrte ihn an, schwieg jedoch. Dann kniff er die Augen zusammen und blickte zu den noch kaum erkennbaren Gestalten

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