Shogun
gewiß eine Botschaft?«
Zataki riß zwei kleine Pergamentrollen aus seinem Ärmel. Ums Haar wäre Buntaros Hand bei der unerwarteten Hektik der Bewegung nach seinem wartenden Schwert gefahren, denn das Ritual gebot, daß alle Bewegungen gemessen und höchst bewußt ausgeführt werden mußten. Toranaga hatte sich nicht gerührt. Zataki erbrach das Siegel der ersten Rolle und las mit lauter Stimme, vor, daß einem das Blut in den Adern gefror: »Im Namen des Rats der Regenten sowie im Namen des Kaisers Go-niji, des Sohns des Himmels: Wir grüßen unseren erlauchten Vasallen Yoshi Toranaga-noh-Minowara und ersuchen ihn, uns unverzüglich in Osaka zu huldigen, ersuchen ihn weiterhin, daß er unserem erlauchten Gesandten, dem Regenten, Herrn Saigawa Zataki, kund und zu wissen tut, ob unsere Einladung angenommen oder abgelehnt wird – und zwar gleichfalls unverzüglich.«
Er sah auf und fuhr mit ebenso lauter Stimme fort. »Sie trägt die Unterschrift aller Regenten und das Großsiegel des Reiches.« Arrogant legte er die Rolle vor Toranaga nieder. Toranaga gab Buntaro einen Wink, der vortrat, sich tief vor Zataki verneigte, die Schriftrolle aufhob, sich Toranaga zuwandte und sich abermals verneigte. Toranaga nahm die Schriftrolle entgegen und gab Buntaro durch einen Wink zu verstehen, an seinen Platz zurückzukehren.
Toranaga studierte die Rolle eine halbe Ewigkeit lang.
»Sämtliche Unterschriften sind echt«, sagte Zataki. »Nehmt Ihr an, oder weist Ihr die Einladung zurück?«
Mit unterdrückter Stimme, so daß nur diejenigen auf dem Podest sowie Omi und Naga es verstehen konnten, sagte Toranaga: »Warum nehme ich Euch Eurer schlechten Manieren wegen nicht den Kopf?«
»Weil ich der Sohn Eurer Mutter bin«, erwiderte Zataki.
»Das wird Euch nicht schützen, wenn Ihr so weitermacht.«
»Dann wird sie vor ihrer Zeit sterben.«
»Wie bitte?«
»Die Dame, Eure Mutter, weilt in Takato.« Takato war die unzugängliche und uneinnehmbare Festung und Hauptstadt von Shinano. »Ich bedaure, daß ihr Körper dann für immer dort bleiben würde.«
»Ihr wollt mich ins Bockshorn jagen. Ihr verehrt sie genauso wie ich.«
»Bei ihrem unsterblichen Geist, Bruder – so sehr ich sie verehre, mein Abscheu vor dem, was Ihr im Reich tut, ist noch größer.«
»Ich trachte nicht nach irgendwelchen Gebietserweiterungen und nicht nach …«
»Ihr trachtet nach dem Sturz des Erben, das ist es, und deshalb, weil ich keine Lust habe zu sterben, habe ich beschlossen, Shinano und die Nordroute vor Euch zu schließen, koste es, was es wolle, und zwar so lange, bis der Kwanto in freundlichen Händen ist – koste es, was es wolle.«
»In Euren Händen, Bruder?«
»Egal, in welchen, nur freundliche müssen es sein – und das schließt Euch aus, Bruder.«
»Ihr traut Ishido?«
»Ich vertraue niemandem, das habt Ihr mich gelehrt. Ishido ist Ishido, aber an seiner Treue dem Erben gegenüber besteht kein Zweifel. Das müßt selbst Ihr zugeben.«
»Ich will gern zugeben, daß Ishido versucht, mich zu vernichten und das Reich zu spalten, daß er die Macht an sich reißen will und dabei ist, dem Letzten Willen des Taikō Gewalt anzutun.«
»Ihr jedoch habt mit Herrn Sugiyama unter einer Decke gesteckt, um den Regentschaftsrat zu sprengen, neh?« Eine Ader auf Zatakis Stirn pulsierte wie ein dunkler Wurm. »Einer von seinen Ratgebern hat den Verrat zugegeben. Ich habe das Geständnis selbst gehört – Bruder.«
»Wart Ihr einer von Sugiyamas Mördern?«
Zataki lief puterrot an. »Übereifrige Ronin waren es, die ihn ermordet haben, nicht ich, noch irgendeiner von Ishidos Männern.«
»Merkwürdig, daß Ihr seinen Platz als Regent so schnell eingenommen habt, neh?«
»Nein. Mein Stammbaum ist ebenso alt wie der Eure. Aber ich habe diesen Tod nicht befohlen, noch hat dies Ishido getan – er hat es bei seiner Ehre als Samurai geschworen. Und das tue auch ich! Ronin waren es, die Sugiyama umgebracht haben – allerdings hatte er den Tod verdient.«
»Den Foltertod, entehrt in einem dreckigen Keller, während man seine Kinder und seine Gattinnen vor seinen Augen in Stücke hackte?«
»Das ist ein Gerücht, von Unzufriedenen in die Welt gesetzt – wer weiß, vielleicht sogar von Euren Spionen – um Herrn Ishido und damit die Dame Ochiba und den Erben in Mißkredit zu bringen. Dafür liegen keinerlei Beweise vor.«
»Seht Euch ihre Leichen an!«
»Die Ronin haben das Haus angezündet. Es gibt keine Leichen.«
»Das
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