Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
Vom Netzwerk:
kommt Euch gelegen, neh? Wie könnt Ihr nur so leichtgläubig sein! Schließlich seid Ihr kein dummer Bauer!«
    »Ich weigere mich, mir Eure schmutzigen Unterstellungen anzuhören. Gebt mir jetzt Eure Antwort. Und dann nehmt entweder meinen Kopf, oder laßt mich ziehen.« Zataki neigte sich vor. »Im Augenblick, da mein Kopf meine Schultern verläßt, werden zehn Brieftauben nach Takato unterwegs sein. Ich habe im Norden, Osten und Westen, einen Tagesmarsch von hier entfernt, vertrauenswürdige Männer stehen, die Eurem Zugriff entzogen sind, und wenn sie ausfallen, dann gibt es andere, jenseits Eurer Grenzen, denen nichts passieren kann. Wenn Ihr meinen Kopf nehmt oder mich meuchlings ermorden laßt, oder ich in Izu sterbe – aus welchem Grund auch immer –, stirbt auch sie. So, jetzt nehmt entweder meinen Kopf, oder laßt uns die Übergabe der Schriftrollen zu Ende bringen. Dann verlasse ich Izu sofort. Wählt!«
    »Ishido hat Herrn Sugiyama ermorden lassen! Wenn Ihr mir Zeit laßt, werde ich Euch die Beweise dafür bringen. Das ist wichtig, neh? Ich brauche nur ein bißchen …«
    »Ihr habt keine Zeit mehr! ›Unverzüglich‹, heißt es in der Rolle. Selbstverständlich weigert Ihr Euch zu gehorchen, damit wäre das erledigt. Hier!« Zataki legte die zweite Pergamentrolle auf die Tatamis . »Sie enthält Eure formale Amtsenthebung und den Befehl, Seppuku zu begehen, doch werdet Ihr wohl beidem mit gleicher Verachtung begegnen – möge Buddha Euch verzeihen! Jetzt ist alles erledigt. Ich reise sofort ab, und wenn wir uns das nächste Mal treffen, dann wird das auf dem Schlachtfeld sein, und – bei Buddha – ich habe mir geschworen, daß ich Euren Kopf noch vor Sonnenuntergang dieses Tages auf einem Speer stecken sehen werde!«
    Toranaga ließ seine Augen nicht von seinem Widersacher. »Herr Sugiyama war Euer Freund, wie er mein Freund war. Unser Waffengefährte, ein ehrenhafter Samurai, wenn es je einen gab. Die Wahrheit über seinen Tod sollte Euch nicht gleichgültig sein!«
    »Die über Euren ist mir wichtiger, Bruder.«
    »Ishido hat Euch eingesaugt wie ein halbverhungerter Säugling die Brust seiner Mutter!«
    Zataki wandte sich an seinen Ratgeber. »Bei Eurer Ehre als Samurai: Habe ich Männer postiert? Und wie lautet die Botschaft?«
    Dem würdigen, grauhaarigen alten Samurai, dem Ersten von Zatakis Beratern und Vertrauten, auch Toranaga als ehrenhafter Mann bekannt, war übel, und er schämte sich ob dieses hemmungslosen Zurschaustellens von Haß. »Verzeiht, Herr«, sagte er mit nahezu erstickter Stimme und verneigte sich vor Toranaga, »aber mein Gebieter spricht selbstverständlich die Wahrheit. Wie könnten Zweifel daran bestehen? Und, bitte, verzeiht mir, aber es ist meine Pflicht, Euch beide in aller Ehrerbietung und Demut darauf hinzuweisen, daß ein solcher … ein solch erstaunlicher Mangel an Höflichkeit zwischen Euch weder Eurem Rang noch dem Ernst der Sache geziemt. Bitte, verzeiht mir«, er verneigte sich vor beiden, »aber es mußte gesagt werden.« Dann fügte er noch hinzu: »Sämtliche Botschaften lauten gleich, Herr Toranaga, und tragen das offizielle Siegel von Herrn Zataki: ›Befördert die Dame, meine Mutter, augenblicklich vom Leben zum Tode!‹«
    »Wie kann ich beweisen, daß ich nicht versuche, den Erben zu stürzen?« fragte Toranaga seinen Bruder.
    »Entsagt augenblicklich allen Euren Titeln und Eurer Macht zugunsten Eures Erben, Herrn Sudara, und begeht noch heute Seppuku. Dann werden ich und alle meine Leute Sudara als Herrn des Kwanto unterstützen.«
    »Ich werde überdenken, was Ihr gesagt habt.«
    »Eh?«
    »Ich werde überdenken, was Ihr gesagt habt«, erklärte Toranaga jetzt mit fester Stimme. »Wir treffen uns morgen um die gleiche Zeit, wenn Ihr einverstanden seid.«
    Zatakis Gesicht verzerrte sich. »Ist das wieder einer von Euren Winkelzügen? Was gibt es auf einem weiteren Treffen zu besprechen?«
    »Das, was Ihr gesagt habt, und dies hier.« Toranaga hielt die Schriftrolle in seiner Hand in die Höhe. »Ich werde Euch meine Antwort morgen wissen lassen.«
    Argwöhnisch starrte Zataki ihn an. »Was für eine mögliche Ant…«
    »Bitte, verzeiht, Herr«, fiel ihm der ehrwürdige alte Samurai mit größtem Ernst ins Wort und sprach wieder so leise, daß kaum einer etwas davon mitbekam, »es tut mir leid, aber Herr Toranaga hat alles Recht, diesen Vorschlag zu machen. Es ist eine sehr ernste Wahl, vor die Ihr ihn gestellt habt – eine Wahl, von der in

Weitere Kostenlose Bücher