Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
Vom Netzwerk:
stürzte.
    »Ich bin froh, daß Ihr mich versteht, mein Sohn«, sagte er, um ihm Mut zu machen, denn er kannte ja seine guten Eigenschaften und schätzte sie durchaus. »Ihr seid ein guter Sohn«, fügte er noch hinzu, und das war aufrichtig gemeint.
    »Vielen Dank, Vater«, sagte Naga, Stolz erfüllte ihn ob dieses seltenen Kompliments. »Ich hoffe nur, Ihr verzeiht mir meine Unzulänglichkeit und lehrt mich, wie ich Euch besser dienen kann.«
    Ihr seid nicht dumm – dumm ist Yabu, hätte Toranaga ums Haar noch hinzugefügt, dachte dann aber: Je weniger Bescheid wissen, desto besser. Es ist nicht nötig, daß du deinen Verstand besonders anstrengst, Naga. Du bist ja noch so jung, bist mein Jüngster, wenn ich deinen Halbbruder Tadateru nicht rechne. Wie alt ist der jetzt? Ah, sieben, ja er ist sieben.
    Eine Weile beobachtete er die näherkommenden Reiter. »Wie geht es Eurer Mutter, Naga-san?«
    »Wie immer, sie ist die glücklichste Dame der Welt. Aber immer noch gestattet sie mir nur ein einziges Mal im Jahr, sie zu besuchen. Könntet Ihr sie nicht dazu bewegen, es sich anders zu überlegen?«
    »Nein«, sagte Toranaga. »Sie wird sich nie ändern.«
    Es erfüllte Toranaga stets mit großer Wärme, wenn er an Chano-Tsuboné dachte, seine achte offizielle Gattin und die Mutter Nagas. Er mußte insgeheim lachen, wenn er sich an ihren deftigen Humor erinnerte, an die Grübchen in ihren Wangen und ihr saftiges Hinterteil, an die Art, wie sie sich unter ihm wand, und die Begeisterung, mit der sie dabei war, wenn es ums Kopfkissen-Teilen ging.
    Sie war die Witwe eines Bauern in der Nähe von Yedo, die vor nunmehr zwanzig Jahren sein Begehren geweckt hatte. Drei Jahre war sie bei ihm geblieben, dann hatte sie um die Erlaubnis gebeten, aufs Land zurückkehren zu können. Jetzt lebte sie auf einem Bauernhof in der Nähe ihres Geburtsortes – fett und zufrieden, eine würdige Matrone und buddhistische Nonne, von allen verehrt und niemandem verpflichtet.
    »Ah, sie ist eine gute Frau!« sagte Toranaga.
    Yabu und Omi ritten heran und saßen ab. Zehn Schritt von ihnen entfernt blieben sie stehen und verneigten sich.
    »Er hat mir eine Schriftrolle gegeben«, sagte Yabu außer sich und fuchtelte damit in der Luft herum. »›… Wir ersuchen Euch, heute noch Izu zu verlassen und Euch nach Osaka zu begeben und in der Burg zur Audienz einzufinden – sonst geht Ihr aller Eurer Lehen verlustig und werdet zum Geächteten erklärt.‹« Er knüllte das Dokument in der Faust zusammen und warf es auf den Boden. »Heute!«
    »Dann tut Ihr gut daran, sofort abzureiten«, sagte Toranaga, der Yabus ungezügeltes Wesen und Dummheit plötzlich unerträglich fand.
    »Euer Gnaden, ich bitte Euch.« Omis Worte überstürzten sich, und er warf sich zerknirscht auf die Knie. »Herr Yabu ist Euer ergebener Vasall, und ich bitte Euch demütig, ihn nicht zu verhöhnen. Verzeiht, daß ich so ungehobelt bin, aber Herr Zataki … Verzeiht mir meine Grobheit.«
    »Yabu-san, bitte, verzeiht die Bemerkung … sie war freundlich gemeint«, sagte Toranaga und verfluchte, daß er sich zu einem solchen Fehler hatte hinreißen lassen. »Wir alle sollten uns von derlei Botschaften nicht die Laune verderben lassen, neh ?« Er rief seinen Falkner herbei, übergab ihm den Vogel, der von seiner Hand auf dessen Faust hüpfte, und entließ seine Treiber. Dann schickte er alle Samurai mit Ausnahme von Naga außer Hörweite, ging in die Hocke und forderte sie auf, es ihm gleichzutun. »Vielleicht erzählt Ihr mir erst einmal, was geschehen ist.«
    Yabu sagte: »Da gibt es eigentlich gar nichts zu erzählen. Ich bin zu ihm gegangen, und er hat mich kaum mit dem Mindestmaß an Höflichkeit empfangen. Zunächst überbrachte er mir die ›Grüße‹ von Herrn Ishido, und dann kam von ihm unverblümt die Aufforderung, mich heimlich mit ihm zu verbünden, Eure Ermordung zu planen und jeden Toranaga-Samurai in Izu umzubringen. Selbstverständlich habe ich mich geweigert, ihn auch nur anzuhören. Dann überreichte er mir sofort – sofort! – und vollkommen formlos dies.« Sein Finger stieß auf die Schriftrolle hinab. »Hättet Ihr mir nicht ausdrücklich befohlen, ihn zu schonen, ich hätte ihn auf der Stelle in Stücke gehackt. Ich verlange, daß Ihr diesen Befehl zurücknehmt. Mit dieser Schande kann ich nicht weiterleben. Ich verlange Rache!«
    »Ist das alles, was geschehen ist?«
    »Ist das etwa nicht genug?«
    Toranaga ging über Yabus rüdes Benehmen hinweg

Weitere Kostenlose Bücher