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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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und blickte Omi finster an. »Die Schuld daran tragt allein Ihr, neh? Ihr wollt sein Berater sein? Ihr hättet Herrn Zataki locken und herauszufinden versuchen müssen, was Ishido wirklich im Sinn hat, womit er Euch bestechen wollte, welche Pläne sie verfolgten. Ihr sollt doch so ein wertvoller Ratgeber sein! Hier hattet Ihr Gelegenheit, Euer Können zu beweisen, und die laßt Ihr verstreichen wie ein Strohkopf.«
    Omi senkte den Kopf. »Bitte, verzeiht, Herr!«
    »Ich könnte das vielleicht noch, aber ich sehe eigentlich keine Möglichkeit, wie Herr Yabu Euch verzeihen sollte. Jetzt hat Euer Gebieter das Schriftstück entgegengenommen. Jetzt bleibt ihm keine Wahl. Jetzt muß er sich entscheiden.«
    »Was?« sagte Yabu.
    »Warum sonst, meint Ihr, hätte ich versucht, meine Antwort hinauszuschieben? Um Zeit zu gewinnen, selbstverständlich – um Zeit zu gewinnen«, sagte Toranaga.
    »Aber einen Tag? Was soll mir ein Tag nützen?« fragte Yabu.
    »Wer weiß? Ein Tag für Euch bedeutet einen Tag weniger für den Feind.« Toranagas Augen wandten sich ruckartig wieder Omi zu. »Wurde die Botschaft von Ishido nur mündlich vorgetragen, oder habt Ihr sie schriftlich bekommen?«
    Yabu antwortete an seiner Stelle. »Nur mündlich, selbstverständlich.«
    Toranaga wandte seinen durchdringenden Blick nicht von Omi. »Ihr habt Eure Pflicht Eurem Gebieter und mir gegenüber vergessen.«
    »Bitte, verzeiht …«
    »Was genau habt Ihr gesagt?«
    »Nichts, Euer Gnaden. Ich habe nichts gesagt.«
    »Wie bitte?«
    Yabu tobte: »Er hat zu Zataki nichts gesagt, weil er gar nicht dabei war. Zataki wollte unbedingt allein mit mir reden.«
    »Oh?« Toranaga verbarg seine hämische Freude darüber, daß Yabu offen zugeben mußte, was er schon vermutet hatte, und daß die Wahrheit jetzt jedenfalls zum Teil herauskam. »Bitte, verzeiht mir, Omi-san, ich hatte selbstverständlich angenommen, daß Ihr zugegen gewesen wäret.«
    »Es war mein Fehler, Euer Gnaden. Ich hätte darauf bestehen sollen. Ich habe versagt, meinen Gebieter zu beschützen«, sagte Omi. »Ich hätte mich nicht so ohne weiteres damit abfinden sollen. Bitte, verzeiht mir, Yabu-sama, bitte verzeiht!«
    Noch ehe Yabu antworten konnte, sagte Toranaga: »Selbstverständlich trifft Euch keine Schuld, Omi-san. Wenn Euer Gebieter sich darüber hinweggesetzt hat, so ist das sein gutes Recht. Ihr habt Euch doch über seinen Rat hinweggesetzt, nicht wahr, Yabu-sama?«
    »Ja … ja, aber ich dachte, das spiele keine Rolle. Ihr glaubt, ich …«
    »Nun, der Schaden ist geschehen. Was gedenkt Ihr jetzt zu tun?«
    »Die Botschaft selbstverständlich als das behandeln, was sie ist, Euer Gnaden.« Yabu war zutiefst beunruhigt. »Ihr meint, ich hätte es umgehen können, sie anzunehmen?«
    »Aber selbstverständlich. Ihr hättet zumindest um einen Tag Aufschub feilschen sollen. Vielleicht sogar um noch mehr. Sogar um Wochen«, fügte Toranaga hinzu und drehte das Messer in der Wunde um. Er war diebisch entzückt, daß sich Yabu in seiner eigenen Dummheit ihm ans Messer geliefert hatte, und im Augenblick kümmerte ihn der Verrat, zu dem man Yabu ohne jeden Zweifel verlockt, zu dem man ihn durch Schmeicheleien oder die Androhung nackter Gewalt gebracht hatte, nicht im geringsten. »Tut mir leid, aber jetzt müßt Ihr Euch entscheiden. Aber keine Angst, denn es ist ja so, wie Ihr selbst gesagt habt: ›Je früher alle sich entscheiden, auf welche Seite sie gehören, desto besser.‹« Er richtete sich auf. »Ihr braucht nicht noch heute abend zum Regiment zurück. Ihr beide leistet mir beim Abendessen Gesellschaft. Ich habe für Unterhaltung gesorgt.« Für jeden, fügte er unhörbar noch hinzu, und das zu sagen, tat ihm unendlich wohl.
    Kiku ließ kunstfertig einen Akkord erklingen; sie hielt das Plektron fest zwischen den Fingern. Dann begann sie zu singen, und die Reinheit ihrer Stimme erfüllte die Stille der Nacht. Wie verzaubert saßen sie in dem großen Raum, der nach der Veranda und dem Garten hin offen war; völlig hingerissen von dem unvergleichlichen Bild, das sie im Schein der flackernden Fackeln bot. Die Goldfäden ihres Kimonos glänzten im Feuerschein, als sie sich über die Samisen beugte.
    Toranaga sah sich um. An seiner einen Seite saß zwischen Blackthorne und Buntaro Mariko, auf der anderen nebeneinander Omi und Yabu. Der Ehrenplatz war immer noch leer. Zataki war geladen worden, hatte aber selbstverständlich unter dem Vorwand der Unpäßlichkeit abgesagt, wiewohl man

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