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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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Tänzerinnen, Sängerinnen und Musikerinnen – als etwas ganz Besonderes also –, und man sollte ihnen das ausschließliche Recht auf diesen Beruf einräumen. Die Geishas sollten Geist und Gemüt der Männer mit ihrer Schönheit, ihrer Anmut und ihrer Kunstfertigkeit erfreuen. Die Kurtisanen hingegen sollten die Bedürfnisse des Körpers mit ihrer Schönheit, ihrer Anmut und gleichermaßen mit ihrer Kunstfertigkeit befriedigen.«
    Abermals war er überwältigt von der Einfachheit und den weitreichenden Möglichkeiten ihres Plans. »Und wie würdet Ihr eine Geisha aussuchen?«
    »Nach ihrer Veranlagung und ihrer Begabung. Während der Reifezeit sollte ihr Besitzer darüber entscheiden, welchen Weg sie in der Zukunft einschlagen sollte. Und die Zunft könnte zustimmen oder dem Lehrling ihre Zustimmung verweigern, neh?«
    »Das ist ein außerordentlicher, ein ungewöhnlicher Gedanke, Gyoko-san.«
    Gyoko verneigte sich, und ein Schauder überlief sie. »Bitte, verzeiht meine Weitschweifigkeit, Euer Gnaden, aber auf diese Weise steht einer Frau, wenn die Schönheit schwindet und der Körper unförmig wird, immer noch eine Zukunft offen. Mir geht es vor allem um die Künstlerinnen unter ihnen – meine Kiku-san zum Beispiel. Ich ersuche Euch, den wenigen Begnadeten jene Zukunft und jene Position zu gewähren, die sie verdienen. Singen und tanzen und Samisenspielen zu lernen, das erfordert Üben und nochmals Üben – jahrelang. Beim Kopfkissen-miteinander-Teilen bedarf es nur der Schönheit, neh?«
    Toranaga ließ sie nicht aus den Augen. »Und Geishas dürfen nicht das Kopfkissen teilen?«
    »Nein, jedenfalls gehörte das nicht zu den Pflichten einer Geisha, soviel Geld man ihr auch immer dafür bieten mag. Sollte eine Geisha den Wunsch haben, mit einem bestimmten Mann das Kopfkissen zu teilen, wäre das ihre eigene Angelegenheit – oder vielleicht sollte das mit dem Einverständnis ihrer Herrin geregelt werden. Pflicht einer Kurtisane wäre es, beim Kopfkissen-miteinander-Teilen ein Höchstmaß an Kunstfertigkeit zu entfalten – Geishas und Geisha-Lehrlinge wären unberührbar. Bitte verzeiht, daß ich so lange gesprochen habe.« Gyoko verneigte sich. Kiku desgleichen.
    Toranaga setzte ihnen noch weit über die vereinbarte Zeit hinaus mit Fragen zu. Es machte ihm Spaß, Gelegenheit zu haben, etwas von ihrer Welt zu erfahren und ihre Vorstellungen, Hoffnungen und Ängste auszuloten. Was er erfuhr, erregte ihn. Er verstaute dieses Wissen, um es später anzuwenden; dann schickte er Kiku in den Garten hinaus. »Gyoko-san, ich würde es begrüßen, wenn sie heute nacht bis zum Morgengrauen hierbliebe, wenn sie einverstanden ist – und falls sie frei ist. Schließlich hat sie so lange so hervorragend für uns gespielt, ich würde es durchaus verstehen. Aber vielleicht überlegt sie es sich doch. Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr sie fragtet.«
    »Selbstverständlich, Euer Gnaden, aber ich weiß schon jetzt, daß Eure Einladung eine Ehre für sie wäre. Es ist unsere Pflicht, in jeder erdenklichen Weise gefällig zu sein, neh?«
    »Jawohl. Trotzdem weist Ihr zu Recht darauf hin, daß sie etwas ganz Besonderes ist. Ich hätte durchaus Verständnis dafür, wenn sie zu müde ist. Bitte, fragt sie gleich.« Er überreichte Gyoko einen kleinen Lederbeutel mit zehn Koban darin, bedauerte die Protzerei, die darin lag, wußte jedoch, daß er das seiner Stellung schuldig war. »Vielleicht entschädigt Euch das ein wenig für einen so anstrengenden Abend, und es ist ein kleines Zeichen meines Danks für Eure Ideen.«
    »Es ist unsere Pflicht zu dienen, Euer Gnaden«, sagte Gyoko. »Ich danke Euch. Bitte entschuldigt mich – ich werde sie fragen.« Dann füllten sich ihre Augen sonderbarerweise und völlig überraschend mit Tränen. »Bitte, nehmt den Dank einer ganz gewöhnlichen alten Frau für Eure Zuvorkommenheit und Euer Zuhören entgegen. Es ist nur, daß bei allem Freudeschenken unser einziger Lohn in einem Strom der Tränen besteht. Ehrlich, Euer Gnaden, es ist nicht leicht zu erklären, wie eine Frau sich vorkommt … bitte, verzeiht mir!«
    »Hört, Gyoko-san, ich habe Verständnis dafür. Keine Sorge, ich werde alles überdenken, was Ihr gesagt habt. Übrigens, Ihr werdet beide kurz nach Sonnenaufgang zusammen mit mir fortreisen. Ein paar Tage in den Bergen werden eine angenehme Abwechslung für Euch sein. Ich nehme an, daß der Preis für den Kontrakt Billigung finden wird, neh?«
    Gyoko brachte ihren Dank durch

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