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Shogun

Shogun

Titel: Shogun Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Clavell
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noch sonst an irgendeinem Gottesdienst teilnehmen …«
    Josephs Schultern schüttelten sich unter dem Schmerz der Reue, der ihn überkam.
    »Zunächst erlege ich Euch als Buße ein Redeverbot auf – werdet Ihr dreißig Tage lang bei Reis und Wasser fasten, werdet Ihr die nächsten dreißig Nächte auf den Knien liegend die hochheilige Madonna um Verzeihung bitten für Eure abscheulichen Sünden; des weiteren werdet Ihr gegeißelt. Dreißig Hiebe. Zieht Eure Kutte aus!«
    Josephs Schultern hörten auf zu zucken. Er hob den Blick. »Alles werde ich hinnehmen, wie Ihr es befehlt, Pater«, sagte er, »und ich bitte aus ganzem Herzen um Verzeihung. Ich bitte Euch um Verzeihung, wie ich Ihn ewig um Verzeihung bitten werde. Aber auspeitschen, wie einen gemeinen Verbrecher lasse ich mich nicht.«
    »Ihr werdet gegeißelt!«
    »Bitte, verzeiht, Pater«, sagte Joseph. »Im Namen der gebenedeiten Jungfrau, es ist nicht der Schmerz. Schmerz bedeutet mir nichts, Tod bedeutet mir nichts. Möglich, daß es mein Karma ist, verdammt zu werden und in aller Ewigkeit im Feuer der Hölle zu schmoren – ich werde es auf mich nehmen. Aber ich bin Samurai, ich entstamme dem Geschlecht der Harima!«
    »Euer Stolz bereitet mir Übelkeit. Nicht des Schmerzes wegen werdet Ihr gegeißelt, sondern damit Ihr lernt, Euren abscheulichen Stolz abzustreifen! Gemeiner Verbrecher! Wo bleibt Eure Demut? Unser Herr Jesus Christus hat jede Schmach auf sich genommen. Er ist zusammen mit gemeinen Verbrechern am Kreuz gestorben.«
    »Ja, das ist ja gerade unser Hauptproblem hier, Pater.«
    »Wie bitte?«
    »Bitte, verzeiht, daß ich es so rundheraus sage, Pater, aber wäre der König der Könige nicht wie ein gemeiner Verbrecher am Kreuz gestorben, könnten die Samurai den wahren Glauben leichter …«
    »Schweigt!«
    »… den wahren Glauben leichter annehmen. Die Gesellschaft Jesu ist gut beraten, in ihren Predigten nicht wie die anderen Orden darauf hinzuweisen, daß Christus gekreuzigt wurde …«
    Wie ein Racheengel hielt Pater Alvito sein Kreuz vor sich hin, ein Schild, das ihn beschützen sollte. »Im Namen Gottes, schweigt und gehorcht, oder Ihr werdet exkommuniziert! Packt ihn und zieht ihn aus!«
    Es kam Leben in die anderen. Sie traten vor, doch Joseph sprang auf. Ein unter der Kutte verborgener Dolch glitt in seine Hand. Mit dem Rücken zur Wand stand er da. Alle blieben stehen, wo sie waren, bis auf Bruder Michael. Bruder Michael trat langsam und ruhig vor und streckte die Hand aus. »Bitte, gebt mir das Messer, Bruder«, sagte er sanft.
    »Nein! Bitte, verzeiht mir!«
    »Dann betet für mich, wie ich Eurer im Gebet gedenke.« Mit unbeirrbarer Ruhe griff Michael nach der Waffe.
    Joseph trat ein paar Schritte zurück, dann holte er zum Todesstoß aus. »Verzeiht mir, Michael.«
    Michael kam immer näher.
    »Halt, Michael! Laßt ihn in Ruhe!« befahl Alvito.
    Michael gehorchte, nur noch eine Handbreit von dem drohend erhobenen Dolch entfernt.
    Dann sagte Alvito, aschgrau im Gesicht: »Gott sei Eurer Seele gnädig, Joseph. Ihr seid exkommuniziert. Satan hat sich Eurer Seele hinieden bemächtigt. Hebt Euch fort von hier!«
    »Ich entsage dem Christengott! Ich bin Japaner – hänge dem Shintoglauben an. Jetzt gehört meine Seele niemand anderem als mir selbst. Ich habe keine Angst!« schrie Joseph. »Jawohl, wir sind stolz – im Unterschied zu euch Barbaren.«
    Feierlich schlug Pater Alvito zum Schutz aller das Kreuzeszeichen und kehrte dem Dolch unerschrocken den Rücken zu. »Lasset uns beten, Brüder, denn Satan weilt unter uns!«
    Auch die anderen wandten sich ab. Manche trauervoll, andere noch ganz unter dem Eindruck des Schocks. Nur Michael blieb, wo er war, und sah Joseph an. Joseph riß sich Rosenkranz und Kruzifix herunter. Schon stand er im Begriff, beides fortzuschleudern, da streckte Michael abermals die Hand aus. »Bitte, Bruder, bitte, gebt es mir …«, sagte er.
    Lange blickte Joseph ihn an, dann gab er sie ihm. »Bitte, verzeiht mir!«
    »Ich werde für Euch beten«, sagte Michael.
    »Habt Ihr nicht gehört? Ich habe Gott entsagt!«
    »Ich werde darum beten, daß Gott Euch nicht entsagt, Uraga-noh-Tadamasasan.«
    »Verzeiht mir, Bruder«, sagte Joseph. Er steckte den Dolch in seine Schärpe, riß die Tür auf und stürmte blind den Korridor hinunter und hinaus auf die Veranda. Neugierig sahen die Leute ihn an, unter anderem Uo, der Fischer, der geduldig im Schatten wartete. Joseph überquerte den Hof und ging auf das Tor

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