Silberband 055 - Der Schwarm
stimmt auch nicht alles. Vor allen Dingen habe ich den Eindruck, daß er schwankt.«
»Wie meinst du das?«
»Um es vulgär auszudrücken – er ist besoffen.«
Rhodan fragte weiter: »Glaubst du, daß er intelligent genug gewesen ist, den Sender der Station in Betrieb zu nehmen, oder kann es sich dabei um eine andere Person gehandelt haben?«
»Schwer zu sagen. Jedenfalls werde ich noch einmal in der anderen Richtung suchen.«
»Ruh dich ein wenig aus, wir haben Zeit bis morgen früh.«
Draußen war es dunkel geworden. Mentro Kosum verzichtete darauf, die Bordscheinwerfer einzuschalten. Niemand sollte beunruhigt werden, der die Landung des Schiffes vielleicht beobachtet hatte.
Lediglich die nähere Umgebung wurde mit einem Infrarotsucher ständig kontrolliert. Niemand konnte sich unbemerkt dem Schiff nähern.
Die Nacht verging ohne Zwischenfall.
Als es zu dämmern begann, schaute der diensthabende Offizier in der Kommandozentrale verblüfft auf den Panoramaschirm. Was sich da seinem Blick bot, war unglaublich und so grotesk, daß er seinen Augen nicht zu trauen glaubte.
Vier bis fünf Meter hohe Gestalten, dünn wie Lianen und auch so ähnlich aussehend, näherten sich schwankend und unbeholfen dem Schiff. Sie sahen nicht gerade gefährlich aus, aber auch nicht vertrauenerweckend. Es schienen Pflanzen, keine Tiere zu sein – aber wer vermochte das schon zu entscheiden? Jedenfalls bewegten sie sich.
Vorsichtshalber unterrichtete der Offizier den Kommandanten.
Mentro Kosum war nicht gerade erfreut, als er so früh geweckt wurde, aber selbstverständlich tat der Offizier vom Dienst nur seine Pflicht. Aus dem Geheimbericht wußte er, daß es auf Hidden World recht seltsame Lebensformen gab, soweit es die Flora betraf. Er war daher nicht überrascht von der Alarmmeldung und versprach, so schnell wie möglich in der Kommandozentrale zu sein. Inzwischen sollte nichts ohne sein Wissen unternommen werden.
In aller Ruhe wusch er sich, zog sich an und nahm den Lift. Als er den großen Kontrollraum betrat, galt sein erster Blick dem Panoramaschirm.
»Es sind noch mehr hinzugekommen«, erklärte ihm der Offizier. »Es werden immer mehr. Ob sie einen Angriff auf uns planen?«
»Kaum, Leutnant. Es sind harmlose Pflanzen, und ich weiß auch nicht so recht, was sie von uns wollen. Neugier vielleicht.«
Rhodan und Atlan, die später ebenfalls in die Zentrale kamen, äußerten ähnliche Ansichten. Lediglich Joak Cascal meinte, man solle ihnen mit einem Thermostrahler einheizen.
Zwei Stunden später beschloß Rhodan, das Schiff zu verlassen, um die verwaiste USO-Station aufzusuchen und sich um die Kolonisten zu kümmern. Atlan, Ras Tschubai und Gucky begleiteten ihn.
Sie trugen leichte Kampfanzüge ohne Sauerstoffausrüstung, und als Bewaffnung nahmen sie Kombistrahler mit. Rhodan empfahl, sie auf Paralysieren einzustellen.
Die Klammerläufer hatten inzwischen das Schiff erreicht. In dichten Scharen hatten sie sich um die Teleskop-Landebeine des Schiffes versammelt und rankten sich regelrecht daran empor. Sie umklammerten die Metallstützen mit ihren Nebenästen und tasteten sie mit den Saugnäpfen ab.
»Die fressen uns noch das Schiff auf«, meinte Gucky besorgt. »Soll ich sie mal erschrecken?«
»Ja, zeig dich ihnen«, riet Atlan gutgelaunt.
Gucky wollte etwas Bissiges erwidern, aber dann schwieg er verdutzt. Eine der Pflanzen hatte die vier ausgestiegenen Personen bemerkt und kam langsam auf sie zu.
»Ruhig stehenbleiben«, sagte Rhodan leise. »Sie müssen erst feststellen, ob wir harmlos sind, dann werden wir Ruhe vor ihnen haben.«
»Und wie stellen wir fest, ob sie harmlos sind?« wollte Gucky wissen.
Der Klammerläufer zögerte eine Sekunde, als er nahe genug herangekommen war, dann entschied er sich für den Mausbiber.
»Ruhig bleiben!« warnte Rhodan gedämpft. »Laß dich untersuchen.«
Gucky blieb bewegungslos stehen und duldete es mit Heldenmut, daß sich die schlangenförmigen Äste um ihn wanden. Ganz wohl fühlte er sich bestimmt nicht in seiner Haut, aber er verließ sich auf die drei Männer, die den ganzen Vorgang interessiert beobachteten.
Die Saugnäpfe blieben an dem Stoff des Anzugs nicht haften, und zum Glück kam der Klammerläufer nicht auf die Idee, auch noch Guckys Gesicht abzutasten. Nach einer gründlichen Inspektion lösten sich die gummiweichen Äste, und der Klammerläufer wanderte wieder zu den anderen zurück.
»Puh!« machte Gucky erleichtert. »Das war vielleicht ein
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