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Siras Toten-Zauber

Siras Toten-Zauber

Titel: Siras Toten-Zauber Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jason Dark
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Frau?«
    »Ja.«
    »Spricht sie Englisch?«
    »Ein wenig schon, aber sie will nicht. Sie fürchtet sich vor dir. Du bist als Fremder so etwas wie ein Unheilbringer, denn sie hat auch Angst um ihren Mann, der eigentlich längst hätte zurücksein müssen. Es kann sein, daß ihm etwas passiert ist.«
    »O je, das ist weniger gut.«
    »Meine ich auch.«
    »Was willst du tun?«
    »Ich werde mit ihr reden und sie beruhigen. Vielleicht weiß sie auch etwas.«
    »Gut.«
    Tarita hatte sich nicht eingemischt und uns während der Unterhaltung nur angeschaut. Ob sie etwas verstanden hatte, wußte ich auch nicht. Jedenfalls hielt sie sich zurück.
    Wie viele Inderinnen besaß auch Tarita die wunderschönen, großen Augen, die so sanft blicken konnten. Ihre vollen Lippen zitterten. Am linken Ohrläppchen klemmte ein Ring, der bei jeder Bewegung anfing zu blinken.
    Mandra Korab redete mit leiser Stimme auf sie ein, und die Frau senkte den Kopf, als würde sie sich schämen, mit einem Fremden zu reden. Wenn sie sprach, dann flüsterte sie nur. Ich verstand einige Male den Namen ihres Mannes. Wenn sie von ihm redete, wurden ihre Augen feucht.
    Mandra Korab war ein Mensch, der auch zuhören konnte. Er tat es sehr intensiv; Antworten gab er kaum. Wenn, dann redete er nur leise auf Tarita ein.
    Er mußte gebückt stehen, um nicht an die schmutzige Decke zu stoßen. Als er lächelte, schüttelte Tarita den Kopf.
    »Was hat sie?« fragte ich. Mandra holte durch die Nase Luft und drehte sich zu mir um. »Sie glaubt nicht mehr daran, daß ihr Mann noch lebt.«
    »Was?«
    »Ja, man hat ihr gesagt, daß er getötet wird. Er hat sich in Dinge eingemischt, die ihn nichts angehen. Er hat versucht, mit Dämonen in Kontakt zu treten. Das heißt, sie sind in dieser Nacht unterwegs. Es ist die Nacht der Toten, der lebenden loten, wie man hier sagt. Deshalb auch die Feuer. Sie wollen die Toten vertreiben. Die Menschen wissen, daß es heute anders ist als sonst.«
    »Wer hat es ihr gesagt?«
    »Eine der Wahrsagerinnen. Sie hat angeblich gesehen, was mit ihrem Mann geschehen ist. Er geriet in die Gefangenschaft der lebenden Toten, um durch sie ebenfalls den Tod zu erleiden.«
    »Könnte sie nicht recht haben?«
    Mandra nickte heftig. »Das habe ich ihr nicht gesagt. Aber es ist möglich, denk an Suko.«
    »Wieviel weiß er denn über die Palmblattbibliothek? Hast du sie danach mal gefragt?«
    »Nein, sie würde zu sehr erschreckt werden. Der Wissende war eigentlich sein Vater. Er gab mir die nötigen Informationen. Natürlich wird die andere Seite davon ausgehen, daß der Vater seinem Sohn einiges mitgeteilt hat, aber…«
    »Dann wäre auch Tarita in Gefahr!«
    »Damit rechnet sie.«
    »Und wir sitzen in der Klemme. Wir müssen in die Bibliothek, Mandra, und Tarita sowie die anderen hier zwangsläufig allein lassen. Das gefällt mir nicht.«
    »Ich weiß, John, es ist schwer. Wie wir uns auch drehen und wenden, wir könnten immer das Falsche tun.«
    Mandra wechselte das Thema. »Wenn ich ehrlich sein soll, bereiten mir die Feuer Sorgen.«
    »Weshalb?«
    »Sie sind symbolisch. Einerseits sollen die finsteren Mächte abgeschreckt werden, zum anderen aber hat Tarita berichtet, daß der Scheiterhaufen in dieser Nacht lodern wird. Man spürt hier, daß sich bald etwas verändern wird.«
    »Dann wird jemand den Flammentod sterben.«
    »Davon gehen alle hier aus.«
    »Wer und durch wen?«
    »Sira«, sagte Mandra. »Siras Totenzauber.«
    Ich war überrascht. »Das kann nicht sein. Sie ist hier gewesen? Man hat sie hier gesehen?«
    »Zumindest ihren Geist. Er irrte durch die Slums, er wollte, daß bald das große Feuer lodert.«
    »War er denn allein?«
    Mandra Korab verzog die Lippen. »Ich weiß, daß du an die Yabusame-Krieger denkst.«
    »Natürlich.«
    »Sie sind hier noch nicht gesehen worden…« Mein Freund schwieg plötzlich, und zwar so abrupt, daß ich aufmerksam wurde und ihn fragte, was geschehen war.
    Er gab mir keine Antwort, schaute auf Tarita, die ihre Hände hart zusammengepreßt hatte und ebenfalls spüren mußte, daß sich etwas verändert hatte. War ich der einzige Esel, dem nichts aufgefallen war?
    Es dauerte nur Sekunden, bis auch ich Bescheid wußte und mir klargeworden war, daß sich in der Hütte nichts verändert hatte, wohl aber draußen, denn dort waren die zahlreichen Stimmen und Geräusche verstummt, so daß eine unerträgliche und ungewöhnliche Stille über dem Gebiet der Slums lag.
    Als ich zur Tür gehen wollte, ließ mich

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