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Social Netlove

Social Netlove

Titel: Social Netlove Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J Strack
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fixierten das kleine Foto, das neben Jamies Antwort zu sehen war, und die achtundzwanzigjährige Frau von heute bemerkte: Es war ein anderes als vor eineinhalb Wochen. Jamie hatte also offenbar genug Zeit gehabt, sich ein anderes Bild auszusuchen und es hochzuladen. Zeit, die er sich bei seiner Allerweltsantwort gespart hatte.
    Und so flüsterte die erwachsene Dame in mir dem Teenie, der Besitz von meinem Körper ergriffen hatte, »
So ein Arschloch
« zu, während die Worte wie von selbst auf dem Computerbildschirm auftauchten.
    Betreff: …
26. März um 23:37
Dear J.,
nice picture. Great that you had time to change it, considering time is money. Irgendwo muss man die verlorene Lebenszeit dann wieder einsparen, was? Du solltest es wirklich nicht ausbaden müssen, dass jemand dir ein paar nette Worte zukommen lassen möchte.
    Viel Erfolg weiterhin – M.
    Es verschaffte mir ein albernes Gefühl der Genugtuung, dass ich meine Anklage auf Deutsch formulierte – vielleicht versteckte ich mich auch ein kleines bisschen hinter den Worten, die Jamie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verstehen würde.
    Diesmal las ich den Text nicht zwanzig Mal durch, sondern drückte innerhalb eines Wimpernschlags auf ‚abschicken‘.
    Doch einen weiteren Moment später bereute ich es schon. Solch ein Gezicke kannte ich von mir nicht, war ich doch sonst immer ausgeglichen und sagte lieber gar nichts, als anderen etwas vorzuwerfen.
Oh je
. Die Idee, meine erste große,
einseitige
Liebe nach all den Jahren besser kennenzulernen, hatte meine Hormone ganz schön durcheinander gebracht. Gut, dass das Thema bereits wieder beendet war, bevor es richtig angefangen hatte.
    ***
    Der Montagmorgen begrüßte mich wieder mit einer Frühschicht. Nachdem ich in der vorgestrigen Samstagnacht nach dem Genuss meiner unglaublich fettigen Lasagne noch auf ein paar Macadamia-Nut-Cookies zu Thomas hochgegangen war, hatten wir uns eine Flasche Rotwein gegönnt und ich hatte mit dem Fitness-Spiel seiner Wii herumgeblödelt, während Thomas sich irgendwann an seinen PC verabschiedet hatte, da er sich mal wieder mit der
Allianz
traf, um in einen virtuellen Krieg zu ziehen. Die Typen mussten allesamt wenig bis kein Privatleben haben, denn als ich mich um vier Uhr morgens von Thomas verabschiedet hatte, war die Schlacht noch in vollem Gange gewesen. Schlaf wurde in diesen Kreisen wohl überbewertet.
    In meinen war er jedoch ein kostbares Ritual, und leider vollzog ich es nur selten in ausreichendem Maße. Deshalb war ich mal wieder völlig übermüdet, als ich an diesem Morgen zu nahezu unmenschlich früher Zeit im Büro ankam. Eventuell hätte ich gestern nicht bis spät in die Nacht nähen sollen …! Ich hätte alles dafür gegeben, noch einmal unter meine warme Bettdecke zu kriechen und mich an Fox zu schmiegen, dessen beruhigendes Schnurren mich fortwährend zum Einschlafen brachte.
    Die Firma füllte sich an diesem Morgen nur kläglich – eine Kollegin lag mit Magen-Darm-Grippe im Bett, Doris musste sich um ihr krankes Kind kümmern und Eduard, ein weiterer Kollege, hatte sich beim gestrigen Leichtathletik-Training den Knöchel verstaucht und war vorerst krankgeschrieben.
    Obwohl unsere Büros nur spärlich besetzt waren, erklang aus allen Ecken beharrlich das gewohnte Zetern, das sich heute an die Daheimgebliebenen richtete. In drei Tagen war der Erste des neuen Monats, und so stand mal wieder eine Abgabe an die Zentrale in München an. Das war besonders ungünstig für Norbert, den ketzerisch veranlagten Dauergrummler mit dem Zwiebelatem, da er heute der einzige Anwesende seines Sachgebiets war. Wohl oder übel musste er deshalb zur Abwechslung ranklotzen, damit am Freitag keine Köpfe rollten.
    Doch natürlich wusste er sich zu helfen: Als unsere Auszubildendeum neun Uhr nichtsahnend zur Tür herein kam, stürzte Norbert sich wie eine ausgehungerte Hyäne auf sie.
    »Franzi!«, strahlte unser Kollege, als hätte er soeben eine verlorene Tochter wiedergefunden.
    »Ja?« Sie sah ihn unsicher an. Normalerweise hatte Norbert nichts als Groll für die unter meinem Schutz stehende Nicht-Auszunutzende übrig, die in seinen Augen viel zu wenig arbeitete und ihre Zeit mit so unnützen Dingen wie Berichtsheft schreiben oder für eine Klausur lernen vertrödelte. Das mit dem Lernen hatte ich ihr – in Absprache mit dem Chef – erlaubt. Immerhin wusste ich selbst, wie motiviert ich vor ein paar Jahren nach acht Stunden Arbeit am Tag gewesen war.
Nämlich gar

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