Sternenfall: Roman (German Edition)
fragte der nordamerikanische Vertreter. Er war ein hochgewachsener Mann mit einem permanent finsteren Blick.
»Erkundungen durchführen, natürlich. Es gibt eine Menge, das man nur durch Vor-Ort-Untersuchungen herausfinden kann.«
»Zu welchem Zweck?«
»Wenn wir den Kometen beschleunigen und dazu bringen sollen, dass er die Erde verfehlt, dann müssen wir wissen, an welcher Stelle wir zu schieben haben. Das erfordert eine genaue Kenntnis seiner inneren Struktur. Wir hätten nichts davon, wenn er beim ersten Schub auseinanderfallen würde.«
Die Vertreterin des Vereinten Europa war eine kleine Frau mit einer Zahnlücke, die sich beim Sprechen zeigte. »Ich hätte mir gedacht, dass wir genau das tun würden. Zerblasen wir ihn in Atome, sage ich!«
Franklin Hardesty schüttelte den Kopf. Er war neben Constance Forbin an der Mitte des Konferenztisches platziert. »Der Kern ist zu groß, um ihn mit Sprengladungen zu zerstören. Einmal gibt es dafür wahrscheinlich im ganzen Sonnensystem nicht genug Antimaterie. Zum zweiten, selbst wenn wir die Möglichkeit dazu hätten, würden wir ihn dennoch nicht zertrümmern wollen. Das würde ihn in eine Milliarde Brocken von der Größe kleiner Berge zerrei- ßen. Können Sie sich vorstellen, was mit der Erde geschehen würde, wenn uns einer dieser Brocken treffen sollte?«
»Und stattdessen warten wir darauf, dass er in einem Stück auf uns herunterfällt?«
»Die Arbeitsgruppe in New Mexico ist dabei, das Problem zu analysieren«, versicherte ihr Constance Forbin. »Dort hat man sämtliche Fernbeobachtungsdaten der Admiral Farragut . Sie werden eine Empfehlung vorlegen, wie man in ein paar Wochen am besten weiter vorgeht.«
»Und was passiert unterdessen mit all diesen Frachtschiffen, für die wir bezahlen sollen?«, fragte der indische stellvertretende Minister für Weltraumangelegenheiten, Mr. Jaharawal, ein kleiner, dunkler Mann.
»Was ist mit ihnen?«
Der erste Konferenztag war mit einer Übersicht über die Daten begonnen worden, aus denen hervorging, dass der Komet die Erde treffen würde. Am zweiten waren Pläne zum Umbau dreier großer Schüttgutträger in Schwerguttransporter entwickelt worden. Die Schiffe würden mit Hochleistungstriebwerken, voluminösen Tanks und genügend Reaktionsmasse ausgestattet werden, dass sie den Orbit des Kerns in nur drei Monaten erreichen konnten.
»Wir wissen nicht, wofür diese teuren Schiffsumbauten notwendig sind«, fuhr der stellvertretende Minister fort. »Ohne einen konkreten Plan weiterzumachen, ist Geldverschwendung.«
»Die Notwendigkeit zur Beförderung schwerer Lasten ist offensichtlich«, erwiderte Frank Hardesty. »Wollen Sie, dass wir so lange warten, bis jedes Detail ausgearbeitet ist?«
Der stellvertretende Minister ließ sich nicht einschüchtern. »Mein Land verfügt nicht über die Mittel, um den Systemrat beziehungsweise Sky Watch mit einem unbeschränkten Budget auszustatten. Wir können es uns nicht leisten, dass Sie mit Geld um sich werfen wie ein betrunkener Raumfahrer.«
»Darf ich meinen geschätzten Kollegen daran erinnern, dass der Komet voraussichtlich tausend Kilometer vor Ihrer Küste auftreffen wird?«, fragte der Vertreter des Vereinten Europa.
»Das dürfte für den Durchschnittsinder bei der nächsten Wahl keinen Unterschied machen. Man murrt jetzt schon über die Kosten dieses internationalen Debattierclubs, den Mrs. Forbin leitet. Wie viele Rupien wollen Sie für Ihre theoretischen Studien denn noch an sich rei ßen?«
»So viele, wie benötigt werden, um die Erde zu retten, Sir. Was die Transporter betrifft, wenn wir mit der Arbeit nicht augenblicklich beginnen, werden sie nicht rechtzeitig fertig werden, um uns überhaupt etwas zu nützen.«
»Ob wir Erfolg haben«, sagte der dunkelhaarige, aschblonde Vertreter von Australasien, »hängt davon ab, dass wir die öffentliche Meinung wirkungsvoll kontrollieren. Welche Fortschritte wurden bei der Vorbereitung der öffentlichen Bekanntgabe gemacht?«
»Beträchtliche«, antwortete Constance. »Wir haben eine weitere Arbeitsgruppe gebildet. Sie besteht aus Experten für Massenpsychologie. Das Hauptproblem, glauben sie, besteht darin, den Grad der öffentlichen Aufmerksamkeit zu steigern, ohne sie zu ängstigen. Es wurde vorgeschlagen, dass wir nicht die ganze Wahrheit auf einmal sagen.«
»Und haben sie einen Vorschlag, wie das zu bewerkstelligen ist?«
»Ja, das haben sie. Tatsächlich haben sie sich etwas ziemlich Geniales einfallen
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