Sternenfall: Roman (German Edition)
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AUSZUG AUS Die Nachrichten der Woche mit Ric Thompson, TRANS-EARTH COMMUNICATIONS NETWORK, 12. FEBRUAR 2086
(Das Logo von Trans-Earth Network verblasst und geht in die Nahaufnahme von Ric Thompson, dem Nachrichtensprecher, über.)
THOMPSON: Guten Abend, meine Damen und Herren. Hier ist Ric Thompson mit den Nachrichten der Woche, ihrer Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse. Dies war die Woche, in der der Systemrat erklärt hat, dass die spektakuläre Erscheinung des für nächstes Jahr erwarteten Kometen Hastings noch viel spektakulärer ausfallen könnte als allgemein erwartet. Der Komet, so scheint es, wird die Erde auf seinem Weg zurück in die Tiefe des Weltalls sehr nah passieren. Obwohl erwartet wird, dass uns der Kopf des Kometen um mehrere Tausend Kilometer verfehlen wird, weisen die issenschaftler darauf hin, dass ihre Berechnungen mit einer gewissen Fehlerspanne behaftet sind.
Der Systemrat hat angekündigt, dass er als Vorsichtsmaßnahme ein Programm zur Vorbereitung einer Reihe von Nuklearladungen durchführen wird, um damit den Kometen zu zerstören, falls es sich als notwendig erweisen sollte. Um über diese Dinge zu diskutieren, bringen wir heute Abend ein Interview mit der Entdeckerin des Kometen, Miss Amber Hastings. Ehe wir damit beginnen, ist zu dem Interview eine Erklärung angebracht.
Miss Hastings befindet sich an Bord des Forschungsschiffes Admiral Farragut, das kürzlich auf dem Kometen gelandet ist. Da die Zeitverzögerung beim Funkverkehr mit dem Kometen immer noch gut vierzig Minuten beträgt, war es nicht möglich, das Interview in Realzeit durchzuführen. Deshalb übermittelten wir eine Reihe von Fragen, die Miss Hastings über Computersimulation gestellt wurden. Die Simulation passte sich im Folgenden an die Antworten an, genauso, wie es ein menschlicher Interviewer tun würde. Ich muss betonen, dass sie die Fragen nicht im Voraus kannte. Auf diese Weise haben wir die gleiche Reaktion erhalten, als wenn wir uns mit Miss Hastings im selben Raum befunden hätten. Miss Hastings Antworten wurden dann mit meinen Fragen zusammengeschnitten, woraus sich das folgende Interview ergeben hat.
(Das Bild wechselt; man sieht Ric Thompson nun halb von hinten. Er schaut auf einen Bildschirm, aus dem Amber Hastings herausblickt.)
THOMPSON: Guten Abend, Miss Hastings. Ich hoffe, wir haben Sie nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt.
HASTINGS: Ganz und gar nicht, Ric. Ich bin gerade dabei, meinen Raumanzug anzulegen und mit den für heute vorgesehenen Untersuchungen zu beginnen, aber für die Presse habe ich immer Zeit.
THOMPSON: Wie sieht es auf einem Kometen aus?
HASTINGS: Der Kern erinnert mich stark an meine Heimat Luna. Das Eis ist graubraun von dem kosmischen Staub, den es auf seiner Umlaufbahn um die Sonne im Laufe der Jahrmilliarden aufgesammelt hat. Wir befinden uns hier ziemlich nahe am Ringwall des größten Kraters, und man kann seine Kante im Norden über dem Horizont erkennen. Die Sonne ist ein heller Stern am Himmel. Ihr Anblick wird durch die Kometenkoma ein wenig getrübt.
THOMPSON: Koma?
HASTINGS: Die Hülle aus Gas und Staub, die den eigentlichen Kern umgibt. Die Koma ist die helle rundliche Wolke, die Sie auf Abbildungen von Kometen sehen.
THOMPSON: Wie man hört, handelt es sich bei dem Kern um eine Art von verirrtem Meteoriten, der die Erde Ende nächsten Jahres nahe passieren wird. Ist das richtig?
HASTINGS (nickt) : Unsere Berechnungen lassen es als wahrscheinlich erscheinen, dass es dazu kommen wird. THOMPSON: Wie nahe wird er uns kommen?
HASTINGS (zögert einen Moment) : Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es sind dabei eine ganze Reihe von Unwägbarkeiten im Spiel. Wir nehmen an, dass der Komet sich der Erde mindestens bis auf einen Planetendurchmesser nähern wird.
THOMPSON: Wie viel ist das in Kilometer ausgedrückt?
HASTINGS: Ein Planetendurchmesser, das sind rund 12.500 Kilometer.
THOMPSON (lacht) : Nun, das klingt gar nicht so schlecht. Ich wünschte, ich könnte meiner Schwiegermutter so weit aus dem Weg gehen!
HASTINGS: Im Maßstab des Sonnensystems ist das sehr nahe.
THOMPSON: Ja, das glaube ich Ihnen. Ihr Astronomen seid an den Umgang mit großen Zahlen gewöhnt, nicht wahr? Ich nehme an, der Systemrat arbeitet Pläne aus, um den Kometen zu sprengen, falls er zu nahe kommen sollte. Können Sie dazu einen Kommentar abgeben?
HASTINGS: Diese Frage müssen Sie schon dem Rat stellen. Es ist schon fast neun
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