Sternenfall: Roman (German Edition)
Importzölle, die das Parlament in der letzten Dekade verabschiedet hat, haben sich besser ausgewirkt als erwartet. Ich bin überzeugt davon, dass wir ohne die Erde überleben können, aber nur dann, wenn wir uns sofort darauf vorbereiten.«
»Was müsste getan werden?«
»Ja, womit fängt man an? Wir benötigen dringendst Vorräte von Halbfertigprodukten wie Germaniumchips, Impfkristalle, Supraleiter. Wir müssen auch unsere Vorräte an terrestrischen Genotypen aufstocken. Der Nachholbedarf unserer Genbanken beträgt fast dreißig Prozent! Wir haben einen Großteil unserer Steuersoftware niemals aktualisiert, und eine Menge unserer Finanzunterlagen sind in Datenbanken auf der Erde gespeichert.«
»Hast du John diese Dinge schon gesagt?«
»Noch keine Gelegenheit gehabt. Die Bank hat den Bericht heute Nachmittag fertiggestellt.«
»Hallo, Harold!«, dröhnte Hobart. »Was hast du mir noch nicht gesagt?«
»Die Ergebnisse unserer Überlebensstudie.«
»Dazu kommen wir noch. Du kennst meine Gäste, glaube ich.« Trotz seiner herzlichen Art konnte man deutlich sehen, dass Hobart ein erschöpfter Mann war. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen, und auf seinem Gesicht hatten sich während des vergangenen Monats ganze neue Nester von Sorgenfalten entwickelt.
»Professor Jinsai und ich sehen uns jeden Mittwoch beim Mittagessen in der Handelskammer, und Wissenschaftsrat Sturdevant und ich kennen uns natürlich schon seit Jahren. Aber diesen anderen Herrn kenne ich noch nicht.«
»Professor Albert Portero, Astrophysiker an der hiesigen Universität, ich möchte Ihnen Harold Barnes vorstellen, Vizepräsident der Bank von Luna.«
»Professor Portero.«
»Bürger Barnes.«
»Gieß dir einen Drink ein, Harold. Professor Portero war gerade dabei, uns über Tektite zu informieren.«
»Was, beim Frost von Tycho, ist ein Tektit?«
Professor Portero, ein schmalgesichtiger Mann mit einer nervösen Art, seine Hände zu bewegen, sagte: »Ein Tektit ist ein durch die Aufprallhitze beim Einschlag eines Meteors gebildetes Stück Glas, Bürger Barnes. Sie kommen in zahlreichen unterschiedlichen Formen und Größen vor. Die meisten sind mikroskopisch klein, obwohl man schon welche von der Größe eines Zehnselenstücks gefunden hat. Ihr Vorkommen an einer bestimmten Stelle markiert den Landeplatz des Auswurfs, der mit der Bildung eines Meteorkraters einhergeht. Auf der Erde findet man Tektite an bestimmten Orten, die man ›Streufelder‹ nennt. Auf Luna sind die Tektite wegen der niedrigeren Schwerkraft und des Fehlens einer Atmosphäre eher gleichmäßig über die Oberfläche verteilt. Obwohl Tektite im Allgemeinen am gleichen Ort gefunden werden, wo sie entstanden sind, wurden doch eine Reihe von auf der Erde entstandenen Tektiten auf dem Mond entdeckt und umgekehrt.«
»Das heißt«, warf Hobart ein, »dass der Auswurf gelegentlich die terrestrische Fluchtgeschwindigkeit erreicht hat und hier gelandet ist.«
»Richtig«, stimmte Portero ihm zu. »Die meisten erdentstandenen Tektite auf Luna gleichen in ihrer Zusammensetzung denen, die auf den Streufeldern Australasiens gefunden wurden. Dieses spezielle Feld geht auf einen Meteoreinschlag im Pazifischen Becken vor 750.000 Jahren zurück.«
»Inwieweit lässt sich dieser Einschlag mit dem Einschlag des Kometen Hastings vergleichen?«
Porteros Lachen war ein kurzes Bellen. »Das lässt sich nicht vergleichen, Sir. Der Aufschlag des Kometen Hastings wird um mehrere Größenordnungen heftiger sein!«
»Dann müssen wir darauf gefasst sein, dass eine ansehnliche Fontäne von Auswurf in den Raum hochgeschleudert wird?«
»Eine ansehnliche«, stimmte Portero zu. »Und da ein Großteil davon die Orbitalgeschwindigkeit der Erde erreichen wird, können wir damit rechnen, dass auf Luna noch Jahrzehnte nach dem Einschlag Trümmer niedergehen werden. Unsere Simulationen lassen darauf schließen, dass deren Masse möglicherweise mehr als eine Millionen Tonnen betragen wird.«
Von Barnes kam ein leiser Pfiff. »Eine Million Tonnen!«
»Das meiste davon wird mikrometeorischer Staub sein«, erklärte Professor Portero. »Dieser wird keine größere Gefahr für uns bedeuten. Wir müssen jedoch ebenfalls damit rechnen, dass größere Stücke vom Himmel fallen werden. Diese größeren esteinsbrocken werden ausgedehnte Gebiete auf dem Mond verwüsten.«
»Wie ausgedehnt?«
»Das ist ohne genauere Kenntnis der Aufschlagsdynamik schwer zu sagen. Ich würde jedoch die Vorhersage wagen,
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