Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)
mittendrin stoppte er mich und sagte: »Steve, Apple ist mir so was von egal.« Ich war wie vom Donner gerührt. Plötzlich erkannte ich, dass mir Apple absolut nicht egal war – ich hatte es gegründet und es hatte seinen berechtigten Platz in der Welt. Ich beschloss also, vorübergehend zurückzukehren und bei der Suche nach einem CEO zu helfen.
Eigentlich waren die Jungs von Pixar froh, dass er nicht so viel Zeit bei ihnen verbrachte. Sie waren insgeheim (und manchmal auch ganz offen) begeistert, dass er jetzt auch bei Apple einiges zu tun hatte. Ed Catmull war ein guter CEO gewesen und konnte diese Aufgaben problemlos wieder übernehmen, offiziell oder inoffiziell. Was die Zeit betraf, die Jobs mit der Familie verbrachte, so hätte er wohl niemals den Preis als Vater des Jahres gewonnen, auch wenn er über freie Zeit verfügte. Er wurde besser darin, seinen Kindern mehr Aufmerksamkeit zu schenken, vor allem Reed, aber in erster Linie galt seine Aufmerksamkeit der Arbeit. Seinen zwei jüngeren Töchtern gegenüber verhielt er sich oft distanziert und unnahbar, mit Lisa war er wieder einmal zerstritten, und als Ehemann war er oft leicht beleidigt.
Was also war der wirkliche Grund für sein Zögern, Apple wieder zu übernehmen? Trotz seiner Eigensinnigkeit und seines unersättlichen Verlangens, alles unter Kontrolle zu haben, verhielt sich Jobs unentschlossen und zurückhaltend, wenn er sich einer Sache nicht ganz sicher war. Er strebte nach Perfektion und war nicht immer gut darin, sich zu entscheiden, ob er mit etwas weniger zufrieden sein könne oder Anpassungen an das jeweils Machbare vornehmen müsse. Er hasste es, sich mit komplexen Dingen herumzuschlagen. Das galt für Produkte, Design und die Möblierung des Hauses. Aber es traf auch auf persönliche Verpflichtungen zu. Wenn seiner Ansicht nach eine Handlungsweise völlig richtig war, dann war er nicht mehr zu bremsen. Hatte er jedoch Zweifel, zog er sich manchmal zurück und dachte am liebsten nicht über die Dinge nach, die nicht perfekt in sein Konzept passten. So war es auch, als Amelio ihn fragte, welche Rolle er übernehmen wolle. Jobs hüllte sich in Schweigen und klammerte Situationen aus, in denen er sich unbehaglich fühlte.
Diese Verhaltensweise ließ sich teilweise aus seiner Tendenz zu einer binären Sichtweise der Dinge erklären. Eine Person war entweder ein Held oder ein Trottel, ein Produkt entweder erstaunlich oder Mist. Aber es gab Dinge, die komplexer waren, die in Abstufungen oder Nuancen verliefen, beispielsweise heiraten, das richtige Sofa kaufen, sich verpflichten, eine Firma zu leiten. Außerdem wollte er nicht, dass man ihm für einen Misserfolg die Schuld in die Schuhe schob. »Ich glaube, Steve wollte herausfinden, ob Apple gerettet werden konnte«, so Fred Anderson.
Woolard und die Führungsetage entschieden sich, die Sache in Angriff zu nehmen und Amelio zu feuern, obwohl Jobs sich noch nicht klar dazu geäußert hatte, wie aktiv seine Rolle als »Berater« überhaupt sein sollte. Amelio war mit Frau, Kindern und Enkelkindern gerade auf dem Weg zu einem Picknick, als der Anruf aus London kam. »Wir müssen dich bitten, zurückzutreten«, sagte Woolard nur. Amelio erwiderte, dass der Zeitpunkt für eine Diskussion schlecht gewählt sei, aber Woolard hatte das Gefühl, nicht locker lassen zu dürfen. »Wir werden bekannt geben, dass wir dich ablösen werden.«
Amelio wehrte sich. »Vergiss nicht, Ed, ich habe dem Board gesagt, dass es drei Jahre dauern würde, dieses Unternehmen wieder auf die Beine zu stellen«, sagte er. »Jetzt ist noch nicht mal die Hälfte davon vorbei.«
»Das Board ist an einem Punkt angelangt, an dem wir darüber nicht mehr diskutieren werden«, erwiderte Woolard. Amelio fragte, wer von dieser Entscheidung wüsste, und Woolard antwortete wahrheitsgemäß: das gesamte restliche Board und Jobs. »Steve war einer von den Leuten, mit denen wir darüber gesprochen haben«, sagte Woolard. »Seiner Ansicht nach bist du ein wirklich netter Typ, aber du hast nicht viel Ahnung von der Computerindustrie.«
»Warum in aller Welt hast du Steve in eine solche Entscheidung einbezogen?«, erwiderte Amelio, der wütend wurde. »Steve ist noch nicht einmal Board-Mitglied, also was zum Teufel hat er bei diesem Gespräch zu suchen?« Woolard gab jedoch nicht klein bei, und Amelio beendete das Gespräch, um mit seiner Familie zum Picknick zu fahren, ehe er seiner Frau davon erzählte.
Bisweilen stellte Jobs eine
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