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Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Titel: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Walter Isaacson
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eigenartige Mischung aus Beleidigtsein und Habenwollen zur Schau. Für gewöhnlich scherte er sich nicht einen Deut darum, was man von ihm dachte. Er konnte sich von Leuten trennen und nie wieder mit ihnen reden. Manchmal aber fühlte er sich genötigt, sich zu erklären. Und so erhielt Amelio zu seinem Erstaunen am Abend einen Anruf von Jobs. »Meine Güte, Gil, ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich heute mit Ed über die Sache gesprochen habe und mir das wirklich nicht gefällt«, sagte er. »Ich möchte, dass du weißt, dass ich mit diesem Verlauf der Dinge absolut nichts zu tun hatte, die Entscheidung hat das Board gefällt. Aber sie haben mich um Rat gebeten.« Er sagte Amelio, dass er ihn für die »absolut höchste Integrität respektiere, die er je erlebt habe«, und gab ihm unaufgefordert gleich noch einen Rat dazu. »Mach sechs Monate Urlaub«, sagte Jobs zu ihm. »Als man mich bei Apple rausgeworfen hat, bin ich sofort wieder an die Arbeit, und ich habe es bereut. Ich hätte mir die Zeit für mich selbst nehmen sollen.« Er bot ihm an, immer ein offenes Ohr für ihn zu haben, wenn er weiteren Rat bräuchte.
    Amelio war ziemlich perplex und brachte gerade noch ein paar Worte des Danks heraus. Er sah seine Frau an und erzählte ihr, was Jobs gerade gesagt hatte. »In gewisser Weise mag ich den Mann immer noch, aber ich glaube ihm nicht«, sagte er zu ihr.
    »Ich bin total auf Steve hereingefallen«, antwortete sie, »und ich fühle mich wie eine Idiotin.«
    »Willkommen im Club«, erwiderte ihr Ehemann.
    Steve Wozniak, zu diesem Zeitpunkt selbst als informeller Berater für das Unternehmen tätig, war von Jobs’ Rückkehr begeistert. »Genau das haben wir gebraucht«, sagte er, »denn ganz egal, was man von Steve hält, er weiß, wie man die Magie wieder aufleben lässt.« Auch Jobs’ Sieg über Amelio erstaunte ihn nicht sonderlich. Kurze Zeit später lautete sein Kommentar gegenüber Wired : »Gil Amelio trifft Steve Jobs – Game over.«
    An jenem Montag wurde die oberste Führungsebene in das Auditorium gebeten. Amelio kam herein, ruhig und sogar entspannt. »Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass es für mich an der Zeit ist, meine Zelte hier abzubrechen«, sagte er. Fred Anderson, der einverstanden war, vorübergehend den Posten des CEO anzunehmen, sprach im Anschluss daran und machte klar, dass er seine Arbeit auf Vorgaben von Jobs stützen würde. Danach, genau zwölf Jahre nach dem Wochenende des 4. Juli, an dem er in einem Machtgerangel seine Position verloren hatte, betrat Jobs wieder die Apple-Bühne.
    Es war von Anfang an klar, dass Jobs, ob er es nun öffentlich (oder sich selbst gegenüber) eingestehen wollte oder nicht, die Kontrolle übernehmen und nicht nur einfach ein »Berater« sein würde. Sobald er die Bühne betrat – in Shorts, Turnschuhen und einem schwarzen Rollkragenpullover, der zu seinem Markenzeichen werden sollte –, begann er damit, seine geliebte Institution neu zu beleben. »Okay, erzählen Sie mir, was in dieser Firma nicht stimmt«, sagte er. Im Saal war Gemurmel zu hören, das Jobs abrupt unterbrach. »Es sind die Produkte!«, beantwortete er seine Frage. »Und was stimmt mit den Produkten nicht?« Erneut gab es ein paar Versuche einer Antwort, die Jobs stoppte, um selbst die richtige Antwort zu liefern. »Die Produkte sind mies!«, rief er. »Sie sind einfach nicht mehr sexy genug!«
    Woolard gelang es mit einiger Überredungskunst, dass Jobs damit einverstanden war, seine Rolle als »Berater« aktiv auszufüllen. Jobs genehmigte eine Mitteilung, die besagte, er habe »einem verstärkten Engagement bei Apple für die Dauer von 90 Tagen zugestimmt, um bei der Suche nach einem neuen CEO zu helfen«. Woolard formulierte in der Mitteilung äußerst geschickt, dass Jobs zurückkäme als »Berater, der das Team leitet«.
    Jobs bezog ein kleines Büro neben dem Sitzungszimmer auf der Vorstandsetage. Amelios großes Eckbüro mied er auffallend. Er wurde in alle Aspekte des Tagesgeschäfts einbezogen: Produktdesign, Kürzungen, Verhandlungen mit Lieferanten und Prüfung der Werbeagenturen. Seiner Ansicht nach musste auch der Kündigungswelle der führenden Apple-Mitarbeiter ein Ende gesetzt werden und er beabsichtigte daher, deren Aktienoptionen neu zu bewerten. Die Apple-Aktien waren auf einen derartigen Tiefstand gefallen, dass die Optionen wertlos geworden waren. Jobs hatte vor, den Ausübungspreis zu senken, damit sie wieder Wert hätten. Damals war das

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