Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)
und sagte ihm, ich würde die Sache schon schaukeln. Bill hatte immer ein Faible für Apple. Wir haben ihn ins Geschäft mit der Anwendungssoftware gebracht. Die ersten Microsoft-Anwendungen waren Excel und Word für den Mac. Ich habe ihn also angerufen und ihm gesagt, dass ich Hilfe bräuchte. Microsoft bedient sich weiter an Apples Patenten, sagte ich, und wenn wir unsere Prozesse weiter durchziehen, könnten wir in ein paar Jahren eine milliardenschwere Patentklage gewinnen. Du weißt das, und ich weiß es auch. Allerdings hält Apple nicht so lange durch, wenn wir auf dem Kriegspfad sind. Das weiß ich auch. Lass uns also überlegen, wie wir uns sofort einigen können. Alles, was ich brauche, ist die Zusage von Microsoft, weiterhin für den Mac zu entwickeln, und eine Investition von Microsoft in Apple, damit auch ein wirtschaftliches Interesse an unserem Erfolg gegeben ist.
Als ich Gates erzählte, was ich von Jobs gehört hatte, bestätigte er dessen Richtigkeit. »Wir hatten eine Gruppe von Leuten, die gern an dem Mac-Zeug arbeiteten, und wir mochten den Mac«, erinnerte sich Gates. Er hatte sechs Monate lang mit Amelio verhandelt, und die Pläne wurden immer umfangreicher und komplizierter. »Und da kommt Steve daher und sagt, hey, der Deal ist zu kompliziert. Was ich will, ist ganz einfach. Ich will eine Zusage und ich will eine Investition. Und diesen Deal haben wird dann in nicht einmal vier Wochen ausgehandelt.«
Gates und sein CFO Greg Maffei fuhren nach Palo Alto, um die Rahmenbedingungen festzulegen. Am darauffolgenden Sonntag kam Maffei allein wieder, um die Details auszuarbeiten. Als er bei Jobs’ Wohnung ankam, griff sich Jobs zwei Flaschen Wasser aus dem Kühlschrank und nahm Maffei auf einen Rundgang durch die Nachbarschaft mit. Beide Männer trugen Shorts, Jobs ging barfuß. Sie saßen auf den Stufen vor einer Baptistenkirche, als Jobs direkt auf die Kernpunkte zu sprechen kam. »Uns geht es um zwei Dinge«, sagte er, »eine Zusage, die Software für den Mac zu entwickeln, und eine Investition.«
Obwohl die Verhandlungen zügig vonstatten gingen, wurden die letzten Details erst wenige Stunden vor Jobs’ Macworld-Rede in Boston geklärt. Er probte gerade im Castle-Versammlungssaal, als sein Handy klingelte. »Hi, Bill«, hallten seine Worte durch den Saal. Er suchte sich eine ruhige Ecke und redete so leise, dass andere ihn nicht verstehen konnten. Das Gespräch dauerte eine Stunde. Schließlich waren auch die letzten Punkte unter Dach und Fach. »Danke, Bill, für deine Unterstützung der Firma«, sagte Jobs, der in Shorts in der Hocke kauerte. »Ich glaube, das macht die Welt um einiges besser.«
In seiner Macworld-Präsentation erläuterte Jobs die Details des Deals mit Microsoft. Zunächst war ein Geraune und Gezische seitens der Apple-Anhänger zu vernehmen. Einen besonders bitteren Beigeschmack hatte Jobs’ Ankündigung, dass Apple als Teil des Friedensabkommens den Internet Explorer als Standard-Browser auf dem Macintosh verwenden wolle. Das Publikum brach in Buhrufe aus, und Jobs fügte schnell hinzu: »Da wir viel von freier Auswahl halten, bieten wir natürlich auch andere Internet-Browser an, und der Nutzer kann selbstverständlich vom standardmäßigen zum gewünschten Browser wechseln, wenn er das möchte.« Vereinzelt wurde gelacht und applaudiert. Das Publikum fing an, sich für die Sache zu erwärmen, vor allem als Jobs bekannt gab, dass Microsoft 150 Millionen Dollar in Apple investieren würde und dafür Aktien ohne Stimmrecht bekäme.
Die heitere Stimmung bekam für einen Augenblick lang jedoch einen Knacks, als Jobs einer der wenigen sichtbaren und öffentlichen Patzer seiner Bühnenkarriere unterlief. »Zufällig habe ich heute einen besonderen Gast, der uns über Satellit zugeschaltet ist«, sagte er, und plötzlich erschien Bill Gates’ Gesicht auf dem riesigen Bildschirm, der sich hinter Jobs über die Saalwand erstreckte. Auf Gates’ Gesicht lag ein dünnes Lächeln, das schon beinahe ein süffisantes Grinsen war. Das Publikum holte erschrocken Luft, dann waren ein paar Buhrufe und Pfiffe zu hören. Die Szene war ein dermaßen brutales Echo des Big Brother aus dem »1984«-Spot, dass man erwartete (und hoffte?), eine athletische Frau käme plötzlich durch den Mittelgang gerannt und würde das Bild auf der Leinwand mit einem gezielten Hammerwurf in tausend Teile zerspringen lassen.
Aber es war echt, und Gates, der das Gejohle nicht mitbekam, begann seine
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