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Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)

Titel: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Walter Isaacson
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Ansprache, die über Satellit vom Microsoft-Firmensitz aus übertragen wurde. »Einige der spannendsten Aufgaben meiner Karriere waren die, bei denen ich zusammen mit Steve für den Macintosh gearbeitet habe«, hörte das Publikum seinen hohen Singsang. Als er überschwenglich die neue Version von Microsoft Office ankündigte, die für den Macintosh in Arbeit war, beruhigte sich das Publikum und schien die neue Weltordnung langsam zu akzeptieren. Gates konnte sogar noch einigen Applaus einheimsen, als er sagte, dass die neuen Mac-Versionen von Word und Excel »in vielerlei Hinsicht noch avancierter seien als die für die Windows-Plattform«.
    Jobs begriff, dass das übergroße Bild von Gates, das auf ihn und das Publikum herabsah, ein Fehler war. »Ich wollte, dass er nach Boston kommt«, erzählte Jobs später. »Das war der absolut schlimmste und dümmste Fehler, den ich je auf der Bühne gemacht habe. Er war schlimm, weil es mich und auch Apple klein aussehen ließ und den Anschein erweckte, als läge alles in Bills Hand.« Gates war ebenso betreten, als er die Videoaufzeichnung der Veranstaltung sah. »Ich hatte keine Ahnung, dass mein Gesicht auf lemmingähnliche Proportionen aufgeblasen würde«, sagte er.
    Jobs versuchte, das Publikum mit einer improvisierten Ansprache zu beschwichtigen: »Wenn wir Fortschritte machen und Apple wieder auf einer gesunden Basis sehen wollen, dann müssen wir jetzt ein paar Dinge über Bord werfen. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Microsoft nur gewinnen kann, wenn Apple verliert … Wenn wir also Microsoft Office auf dem Mac haben wollen, dann sollten wir dem Unternehmen, das uns dies ermöglicht, mit etwas Dankbarkeit begegnen.«
    Die Ankündigung von Microsoft und der leidenschaftliche Einsatz von Jobs für das Unternehmen sorgten für den dringend benötigten Schub für Apple. Am Ende des Tages war die Aktie um 6,56 Dollar beziehungsweise 33 Prozent auf 26,31 Dollar in die Höhe geschnellt. Damit war die Aktie doppelt so viel wert wie am Tag von Amelios Rücktritt. Dieser Sprung stockte Apples Aktienmarktkapitalisierung um 830 Millionen Dollar auf. Das Unternehmen hatte seinen Beinahe-Untergang abgewendet.

Kapitel 24 Think Different: Jobs als iCEO

    Pablo Picasso wirkt mit
    Ein Hoch auf die Verrückten
    Lee Clow, Creativ Direktor bei Chiat\Day, einst für die großartige Werbekampagne »1984« zur Markteinführung des Macintosh verantwortlich, war Anfang Juli 1997 in Los Angeles unterwegs, als sein Telefon klingelte. Jobs war am Apparat. »Hi Lee, hier ist Steve«, sagte er. »Du wirst es nicht glauben! Amelio ist gerade zurückgetreten. Kannst du kommen?«
    Apple war gerade dabei, sich eine neue Werbeagentur zu suchen, und Jobs war von dem, was er gesehen hatte, alles andere als begeistert. Er bat Clow und seine Firma, die inzwischen den Namen TBWA\Chiat\Day trug, an der Ausschreibung teilzunehmen. »Wir müssen beweisen, dass Apple noch am Leben ist«, sagte Jobs, »und dass Apple immer noch für etwas ganz Besonderes steht.«
    Clow antwortete, dass er nicht an derartigen Auswahlverfahren teilnehme. »Du kennst unsere Arbeit«, sagte er. Jobs bettelte. Es wäre schwierig, alle anderen, die sich daran beteiligt hätten, unter anderem BBDO und Arnold Worldwide, abzulehnen und dann einen »Busenfreund« ins Geschäft zu bringen, wie Jobs es ausdrückte. Clow sagte zu, mit etwas Vorzeigbarem nach Cupertino zu fliegen. Als Jobs die Geschichte Jahre später erzählte, hatte er Tränen in den Augen:
    Das raubt mir den Atem, da bleibt mir wirklich die Luft weg. Es war so offenkundig, wie sehr Lee Apple mochte. Was Werbung anging, war er einfach der Beste. Er hatte zehn Jahre lang an keiner Ausschreibung mehr teilgenommen. Und doch war er hier und warf sein Herz hinein, weil er Apple ebenso sehr liebte wie wir. Er und sein Team hatten sich den genialen Spruch »Think Different« (»Denke anders«) ausgedacht. Das war zehnmal besser als alles, was die anderen Agenturen gezeigt hatten. Ich könnte immer noch heulen, wenn ich nur daran denke: nicht nur, dass Lee sich so viel daraus machte, sondern auch, wie genial sein Slogan »Think Different« war. Gelegentlich finde ich mich in einem Umfeld von Reinheit wieder, der Reinheit von Geist und Liebe, und dann muss ich weinen. Es ergreift mich einfach tief in meinem Innersten. Und das war einer dieser Momente. Er war von einer Reinheit, die ich nie vergessen werde. Ich heulte in meinem Büro, als er mir seine Idee

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