Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers (German Edition)
präsentierte, und das tue ich immer noch, wenn ich nur daran denke.
Jobs und Clow waren sich einig, dass Apple eine der tollsten Marken der Welt war – auf emotionaler Ebene gehörte sie vermutlich sogar zu den Top Five –, aber die Leute mussten wieder daran erinnert werden, was daran so besonders war. Das Ziel der Kampagne musste das Markenimage sein, nicht eine Werbeserie für Produkte. Sie sollte nicht herausstellen, was mit Computern alles möglich war, sondern was kreative Menschen mit Computern alles anfangen konnten. »Es ging nicht um Prozessorgeschwindigkeit oder Speicherkapazität«, erinnerte sich Jobs. »Es ging um Kreativität.« Die Kampagne sollte nicht nur potenzielle Kunden ansprechen, sondern auch die eigenen Apple-Mitarbeiter. »Bei Apple hatten wir vergessen, wer wir waren. Eine Möglichkeit, diesem Vergessen entgegenzuwirken, ist, sich wieder an seine Vorbilder zu erinnern. Und das war der Ursprung dieser Kampagne.«
Clow und sein Team probierten eine Reihe von Ansätzen aus, die ein Loblied auf »die Verrückten« sangen, die »anders denken«. Sie drehten ein Video mit dem Song »Crazy« von Seal (»We’re never gonna survive unless we get a little crazy …«), bekamen aber die Rechte daran nicht. Dann versuchten sie es mit Versionen einer Aufzeichnung von Robert Frosts Lesung von The Road Not Taken und von Robin Williams’ Ansprachen in Der Club der toten Dichter ( Dead Poet’s Society ). Irgendwann wurde ihnen klar, dass sie einen eigenen Text schreiben mussten, und sie arbeiteten an einem Entwurf, der mit den Worten begann: »Here’s to the crazy ones …« (»Ein Hoch auf die Verrückten …«).
Jobs war fordernd wie immer. Als Clows Team ihm eine Version des Textes zeigte, rastete Jobs dem jungen Werbetexter gegenüber aus. »Das ist Mist!«, brüllte er. »Das ist typischer Werbeagenturmist und ich hasse das.« Der junge Werbetexter begegnete Jobs zum ersten Mal und war sprachlos. Er kam nicht mehr wieder. Diejenigen aber, die Jobs die Stirn bieten konnten – dazu zählten auch Clow und seine Teamkollegen Ken Segall und Craig Tanimoto – entwarfen mit ihm zusammen eine Vertonung, die er mochte. Die 60 Sekunden dauernde Originalversion lautete so:
Here’s to the crazy ones. The misfits. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently. They’re not fond of rules. And they have no respect for the status quo. You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them. About the only thing you can’t do is ignore them. Because they change things. They push the human race forward. And while some of us may see them as the crazy ones, we see genius. Because the people who are crazy enough to think they can change the world … are the ones who do.
(Ein Hoch auf die Verrückten. Auf die Nonkonformisten. Die Rebellen. Die Unruhestifter. Die Unangepassten. Die Querdenker. Sie halten nichts von ehernen Gesetzen. Sie sind nicht gewillt, den Status quo zu respektieren. Man kann sie zitieren, ihnen widersprechen, sie verherrlichen oder verteufeln. Nur ignorieren kann man sie nicht. Weil sie die Welt verändern. Sie treiben die Menschheit an. Auch wenn manche sie für verrückt halten, sehen wir die Genialität. Denn die Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie würden die Welt verändern … sind diejenigen, die es tun werden.)
Einige Zeilen stammen von Jobs selbst, etwa die Zeile: »Sie treiben die Menschheit an.« Bis zur Macworld in Boston im August hatten sie eine Rohversion fertig, die er seinen Mitarbeitern zeigte. Man war sich einig, dass sie noch nicht ausgereift war, aber Jobs verwendete die Konzepte und die Formulierung »Think Different« in seiner Rede. »Hier keimt ein genialer Gedanke«, sagte er damals. »Bei Apple geht es um Leute, die unkonventionell denken, die mithilfe von Computern die Welt verändern möchten.«
Sie diskutierten das Problem, das sich aus der englischen Grammatik ergab: Wenn »different« das Verb »think« näher bestimme, dann sollte man vielleicht besser ein Adverb verwenden, wie in »think differently«. Jobs wollte »different« aber substantivisch verwendet haben, wie in »think victory« oder »think beauty«. Außerdem klang darin der umgangssprachliche Ausdruck »think big« an. Jobs erklärte später: »Wir haben diskutiert, ob es korrekt ist, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gingen. Es ist grammatikalisch richtig, wenn man sich überlegt, was wir zu sagen versuchen, also
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