Texas
Rechtsvollzugs durch unsere Sheriffs, unsere Geschworenen und unsere Richter. Wir verlangen ein Ende der Gesetzlosigkeit in Larkin County und in ganz Texas.«
Diese Artikel riefen eine Reaktion hervor, mit der Fordson nicht gerechnet hatte. Zwar spendeten einige wenige Bürger wie etwa der baptistische Geistliche und drei Witwen, die ihre Männer bei Schießereien verloren hatten, dem gesunden Menschenverstand, der aus seinen Ausführungen sprach, Beifall, doch die Meinung der Mehrheit ließ sich folgendermaßen zusammenfassen: »Wenn so ein Schwätzer aus Massachusetts Angst vor ein bißchen Pistolenfeuer hat, sollte er schleunigst dorthin zurückgehen, wo er hergekommen ist.«
Eine schwerwiegendere Reaktion auf die Artikel stellten die wütenden Angriffe des Gouverneurs auf den MöchtegernReformer dar, die in allen texanischen Zeitungen veröffentlicht wurden:
»Willensschwache, kleinmütige Neuankömmlinge in unserem großen Staat haben in der Presse Meinungen zum Ausdruck gebracht, wonach Texas ein gesetzloser Staat sei. Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen. Unsere Gesetzeshüter genießen den besten Ruf, unsere Richter sind ein Muster an Anstand, und unsere Bürger sind bekannt für den unbedingten Gehorsam gegenüber jedem Gesetz, das unsere Legislative verabschiedet.«
Im Fall der Brüder Parmenteer - Söhne eines gesetzestreuen Farmers - wurden die Behauptungen des Gouverneurs auf eine harte Probe gestellt. Die beiden Jungen nahmen eine völlig unterschiedliche Entwicklung. Daniel, der ältere Sohn, kam in der Schule gut voran, studierte Jura in Austin, legte vor dem dortigen Richter seine Prüfungen ab und wurde zu einem einflußreichen Juristen in Larkin County. Er heiratete die Tochter eines Geistlichen und zog vier prächtige Kinder groß.
Sein jüngerer Bruder Cletus verabscheute die Schule, haßte die Lehrer und verachtete das Gesetz. Schon mit achtzehn Jahren galt er weithin als »übler Bursche«. Anfangs terrorisierte er nur Gleichaltrige, bis kein Junge und kein Mädchen mehr etwas mit ihm zu tun haben wollte. Dann begann er kleinere Dinge zu klauen, stieg aber bald in das gefährliche Geschäft des Pferde- und Viehdiebstahls ein, womit er endgültig die Grenze des Erlaubten überschritt. Er war an zwei Morden beteiligt, und nach einem Raubzug nach
New Mexico wurde dort ein Preis auf seinen Kopf gesetzt, was man aber in Texas wie üblich ignorierte. Er war zu einem durchtriebenen, schießwütigen Gewohnheitsverbrecher geworden, der seiner übrigen respektablen Familie große Schande machte. Man war sich im ganzen County darüber im klaren, daß der junge Cletus früher oder später gehängt werden würde.
So standen die Dinge an einem schönen Frühlingstag des Jahres 1882, als man in Fort Garner den vertrauten Knall von Schüssen vernahm und dann den Ruf: »Parmenteer hat Richter Bates getötet!«
Um die Mittagsstunde war auf der Hauptstraße ein ehrenwerter Richter - nun ja, nicht allzu ehrenwert - in Gegenwart von nicht weniger als zwanzig Zeugen kaltblütig erschossen worden. Aber es war nicht Cletus, der Gesetzlose, der getötet hatte, sondern sein Bruder Daniel, der gesetzestreue Jurist.
Blutüberströmt lag die Leiche des Richters auf der Straße. Rechtsanwalt Parmenteer begab sich gemessenen Schrittes ins Büro des Sheriffs, wo er seine Pistole mit der Bemerkung ablegte: »Eine gute Tat an einem guten Tag getan« - ein Kommentar, dem die ganze Stadt beipflichtete.
Zwischenfälle solcher Art waren nicht selten in Texas, aber dieses Verbrechen stellte den Herausgeber des Larkin County Defender vor Probleme.
»Jackson«, sagte der junge Mann zu seinem Mitarbeiter, als sie darüber berieten, wie sie den Fall behandeln sollten, »wir haben da ein Problem.«
»Wieso denn? Lassen Sie mich doch mit den zwei Dutzend Leuten reden, die bei der Schießerei dabei waren.«
»Die Tatsachen? Da gibt es keine Schwierigkeiten. Die Frage ist vielmehr: Was tun wir damit?« »Wir sagen einfach: >Rechtsanwalt Daniel Parmenteer erschießt Richter Bates.c«
»Das klingt zu unverblümt, zu anklagend.«
»»Rechtsanwalt Parmenteer, Bruder des bekannten Gesetzesbrechers.. .<«
»Halt. Um Gottes willen kein Wort über seinen Bruder!«
»Also dann: >Richter Bates ermordet!««
»Das kann man so nicht schreiben, Jackson. Mord impliziert Schuld.«
»Und wie wäre es mit: >Rechtsanwalt Parmenteer
erschießt...««
»>Erschießt< geht nicht. Das klingt so, als ob er von vornherein
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