Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
Vom Netzwerk:
zur Seite, und den beiden Männern Gelegenheit zu geben, sich zu besprechen. East eine halbe Stunde lang wartete er geduldig, stieg nicht ab und ließ die Hände stets in der Nähe seiner Pistolen.
    Endlich kam Peavine auf ihn zu: »Ich reite zurück.«
    Otto nickte zufrieden, als der berüchtigte Killer nach Westen aufbrach, aber schon nach wenigen Schritten rief er ihm nach: »Wenn Sie versuchen sollten, doch zurückzukommen, erschieße ich Sie.« Klapperschlange blieb stumm.
    Ende Dezember 1883 glaubte Ranger Otto Macnab Grund zu der Annahme zu haben, daß er der Fehde endgültig ein Ende gesetzt hatte, wie es ihm aufgetragen worden war; und doch war da immer noch eine leise Furcht, die Klapperschlange könnte sich nach Fort Garner zurückschleichen, um den Mord auszuführen, für den man ihn angeheuert hatte. Macnab hielt es daher für ratsam, den Gouverneur von den bisherigen Aktionen in Kenntnis zu setzen.
    Der Gouverneur hatte gehofft, keinen Fehler zu machen, wenn er den Ranger zurückbeorderte, aber zehn Tage nachdem Otto Fort Garner verlassen hatte, kam Peavine angeritten. Er steuerte geradewegs auf Parmenteers Kanzlei zu, trat die Für des Hinterzimmers ein und schoß den Rechtsanwalt in den Rücken, bevor dieser noch nach seiner Pistole greifen konnte.
    Auf dem Heimweg machte Macnab im Dorf Lampasas halt, um die Nacht bei einem Farmer zu verbringen, dem er vor Jahren einmal gegen Angriffe von Banditen beigestanden hatte. »Sie hätte man im Norden gut brauchen können«, begrüßte ihn der Farmer.
    »Was ist denn passiert?«
    »Diese Verrückten in Larkin County!«
    »Was haben sie denn wieder angestellt?«
    »Klapperschlange Peavine kam in die Stadt und schoß Rechtsanwalt Parmenteer in den Rücken. Ein Gemetzel brach los - es hat mindestens ein Dutzend Tote gegeben.«
    Macnab blieb stumm. Er verzehrte sein Abendessen und legte sich schlafen. Früh am Morgen stand er auf und begann nach Süden zu reiten - nicht heim, sondern nach Austin, wo er dem Gouverneur versicherte: »Den schnappe ich mir!«
    Dann ritt er nach Westen, um seine Frau zu informieren. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, daß er sich abermals auf ein Abenteuer einließ - und das in seinem Alter -, doch Otto zuckte nur mit den Schultern und sagte: »Die Welt ist ein schmutziger Ort, Franziska, und wenn nicht gute Leute sich bemühen, sie zu säubern, werden schlechte Menschen endgültig einen Sumpf daraus machen.«
    Manchmal glaubte Emma Rusk, daß ihr Sohn Floyd ihr nur deshalb so viele Sorgen bereitete, weil sie nicht bereit gewesen war, ihren indianischen Sohn Blaue Wolke anzuerkennen. Sie überhäufte Floyd mit Liebe, aber er erwiderte ihre Gefühle nicht. Anfangs war er ein normales Kind gewesen, robust und lebhaft, aber mit sechs Jahren, als ihm klar wurde, wer seine Eltern waren und wie sie sich von anderen Vätern und Müttern unterschieden, fing er an, sich von ihnen abzuwenden, und es tat ihr sehr weh zu sehen, mit welcher Bitterkeit er auf das Leben reagierte. Es war nicht schwierig, mit ihm auszukommen, es war geradezu unmöglich.
    Vor allem gegen seine Mutter hatte er eine starke Abneigung gefaßt. Bei den seltenen Gelegenheiten, da er sie ohne Nase sah, erblaßte er und drehte entsetzt den Kopf zur Seite. Als die ersten vagen Informationen darüber, wie Babys geboren werden, in sein Bewußtsein eindrangen, empfand er den größten Ekel. Andere Kinder hatten ihm von der langen Gefangenschaft seiner Mutter bei den Indianern erzählt, und auch, was sie dort mit ihr gemacht hatten.
    Es gab also zwei Gründe für seinen Widerwillen: die Verstümmelung seiner Mutter und die Tatsache, daß sie von Indianern mißbraucht worden war, und fortan war es ihm unmöglich, ihre Liebe zu akzeptieren. Was sie auch machte, er legte es als Buße für irgendeine entsetzliche Untat aus, die sie begangen haben mußte; er fing an, sie zu hassen.
    Auch Earnshaw gegenüber benahm er sich zunehmend ruppig, denn er hatte von den Kindern gehört, daß sein Vater Quäker war - anders als andere Leute. Er sei so feige, sagten sie, daß er sich sogar weigere zu kämpfen - und das in einem Land, in dem erst die Schußwaffe den Mann ausmachte.
    Floyd wuchs zu einem verwirrten, unglücklichen jungen Mann heran, der glaubte, etwas tun zu müssen, um die Nachteile seiner Herkunft auszugleichen. Vor allem hielt er es für nötig, sich auf eine Weise zu betragen, die dem pathetischen Verhalten seines Vaters genau entgegengesetzt war, und er machte sich daran,

Weitere Kostenlose Bücher