Texas
auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Er ging zu Jaxifer: »Wieviel wollen Sie für eine Pistole haben?«
Der Schwarze erklärte sich bereit, Floyd eine Pistole in halbwegs gutem Zustand und einige Patronen für sechs Dollar zu verkaufen. Jetzt stellte sich Floyd das Problem, wie er zu soviel Geld kommen sollte. Er wählte den einfachsten Weg: Er begann seine Eltern systematisch zu bestehlen. Nachdem er dem Kavalleristen schon mehr als zweieinhalb Dollar für den versprochenen Revolver bezahlt hatte, erwischte ihn sein Vater, als er gerade zwei mexikanische Münzen entwenden wollte.
»Was in aller Welt suchst du in diesem Krug, Floyd?«
»Ich habe mir nur die verschiedenen Münzen angesehen.«
»Du weißt doch, daß du diesen Krug nicht anfassen sollst. Niemand außer deiner Mutter darf das, nicht einmal ich.«
»Sie hat gesagt, ich darf.«
Earnshaw wußte, daß sein Sohn log, denn Emma hütete die wenigen Münzen, die sie zurücklegen konnte, wie einen Schatz und erlaubte niemandem, sie anzurühren. Es war ihm klar, daß er seinen Sohn sofort zur Rede stellen mußte, aber er tat es nicht. In eine Auseinandersetzung würde auch Emma hineingezogen werden, und sie hatte doch schon genug Kummer mit ihrem schwierigen Jungen; er wollte nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Er konnte nicht ahnen, daß sein Sohn auch von seinen Ersparnissen gestohlen hatte. Er wäre entsetzt gewesen, hätte er gewußt, daß die Diebstähle über längere Zeit hin geplant und ausgeführt worden waren. Sein Sohn entwickelte sich zu einem perfekten Dieb, und schon ein Jahr später war er ein Dieb mit einem sehr guten Armeerevolver, den er in einem Winkel des Ruskschen Hauses versteckt hielt.
In Fort Garner kursierten die wildesten Gerüchte, als Ranger Macnab in die Stadt zurückkehrte. Er klopfte bei der Witwe Holley an, um zu fragen, ob er einige Tage bleiben könne, und bald wußte die ganze Stadt, daß er gekommen war, um mit Klapperschlange Peavine abzurechnen. Nachdem er einige Informationen eingeholt hatte, ritt er los und schlug den Weg zum Palo Duro Canyon ein. Bevor er die tiefe Senke erreicht hatte, schwenkte er nach Westen ab, wo eine kleine Siedlung nahe der mexikanischen Grenze lag.
Er ritt in die Ortschaft, wie er schon in hundert andere Orte an der langen Grenze eingeritten war. Diesmal aber wurde seine Ankunft von einem kleinen, sehnigen Mann Ende sechzig beobachtet; der Mann wartete, bis Otto ein paar Meter weitergeritten war, verließ sein Versteck, benutzte seinen linken Arm als Stütze und jagte dem Ranger vier Kugeln in den Rücken.
Nur mühsam hielt Macnab sich aufrecht im Sattel. Er wußte, daß er schwer getroffen war. Mit aller ihm noch verbleibenden Kraft drehte er sich nach seinem Angreifer um, der Otto nun mitten ins Gesicht und in die Brust schoß. Ohne einen Laut von sich zu geben, glitt der kleine Ranger aus dem Sattel und fiel plump in den Staub New Mexicos.
Fünf Texas Rangers machten sich auf, um Arnos Peavine zu töten. Sie verfolgten ihn viele Wochen lang. Eines Morgens fanden sie ihn in einem heruntergekommenen Wirtshaus nahe Phoenix, Arizona Territory. In Anbetracht des Schreckens, den Klapperschlange verbreitet hatte, und weil die Erleichterung über seinen Tod so groß war, sah der Coroner, der die Leiche untersucht hatte, keinen Grund, bekanntzugeben, daß die Rangers Peavine mit elf Schüssen von hinten getötet hatten.
Obwohl Earnshaw Rusk bei den Ausgaben für seine Familie stets geknausert und all seine Ersparnisse auf die Bank getragen hatte, um das Darlehen abzuzahlen, betrugen seine Schulden 1885 einhundertfünfunddreißig Dollar, und er hatte keine Ahnung, wie er den Betrag aufbringen sollte.
Natürlich hatte er regelmäßig die Zinsen bezahlt, denn er wußte, daß Mr. Weatherby ihm die Ranch wegnehmen konnte, wenn er es nicht tat. Jetzt aber, da der Geldmarkt angespannter als sonst war, wurde ihm klar, daß der Bankier ein weiteres Druckmittel gegen ihn in der Hand hatte, denn erst vor kurzem hatte Mr. Weatherby in mindestens zwei Fällen ahnungslosen Ranchern die Hypothek plötzlich und völlig willkürlich aufgekündigt; das heißt, er hatte volle Rückzahlung zu einem Zeitpunkt verlangt, wo er wußte, daß der Kunde keine Möglichkeit hatte, der Forderung nachzukommen. In allen diesen Fällen - und das entsprach dem texanischen Gesetz -warf das Gericht dem Rancher vor, in Verzug geraten zu sein, und das bedeutete: Wenn die Bank den Mann das Haus und ein kleines Stück Land behalten
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