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Texas

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Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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die hundertfünfunddreißig Dollar auf den Tisch. Als Bankier Weatherby seine Absicht, die Larkin-Ranch auf legale Weise an sich zu reißen, vereitelt sah, griff er zu einer anderen Methode. In Zukunft würde er viele Geschäfte mit den nun schuldenfreien und bald einflußreichen Rusks machen können, und deshalb zeigte er jetzt weder Enttäuschung noch Groll. »Ich bin ja so froh«, rief er mit scheinbar aufrichtigem Entzücken, »daß Sie Ihre letzte Zahlung leisten konnten. Es ist immer wieder eine Freude, einen Rancher zu sehen, der es versteht, aus seinem Besitz etwas zu machen!«
    Rusk und die meisten anderen Bürger Fort Garners waren wie elektrisiert, als sie zu Beginn des Jahres 1885 von der großen Neuigkeit erfuhren: »Die Fort Worth and Denver City Railroad nimmt die Bauarbeiten wieder auf!« Und die Menschen begannen zu träumen: »Vielleicht legen sie jetzt eine Stichbahn zu uns herunter!«
    Schon 1881 hatte man versucht, Fort Worth und Denver durch eine Eisenbahnlinie miteinander zu verbinden, und westlich von Fort Worth tapfer zu bauen begonnen; in der finanziell angespannten Lage war der Gesellschaft jedoch 1883 das Geld ausgegangen. Die Strecke war nur bis Wichita Falls nördlich von Fort Garner vorangekommen. Jetzt aber, da sich eine wirtschaftliche Wende anbahnte, wurden die Arbeiter wiedereingestellt und Eisenschienen geordert.
    Nachdem die gute Nachricht bestätigt war, entwickelte Rusk größte Aktivität. Ununterbrochen war er zwischen der Stadt und den Ranches unterwegs, um zu erfahren, ob die Leute geneigt wären, die Eisenbahngesellschaft mit einem finanziellen Angebot dazu zu bewegen, eine Nebenbahn nach Süden zu legen. Rusk begriff, daß die weitere Existenz der Stadt davon abhing, daß sie ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.
    Er beschwor die Bürger der Stadt, Geld beizusteuern, mit dem er an die Eisenbahnbarone in Fort Worth herantreten und sie überzeugen wollte, daß eine Stichbahn nach Süden in ihrem Interesse lag. Krämer Simpson stellte einen größeren Betrag zur Verfügung, und auch der Zeitungsherausgeber Fordson und der Eigentümer des Saloons beteiligten sich. Im Osten der Stadt ansässige Rancher wurden auf die Vorteile einer Eisenbahn für den Viehtransport hingewiesen, und man lud auch gewöhnliche Bürger, die eine Verbindung mit der großen Welt herbeisehnten, ein, sich Rusks Unternehmen anzuschließen.
    Die Kampagne lief schon ein paar Tage, als Bankier Weatherby zu Earnshaw ins Haus kam, tausend Dollar in die Sammelkasse legte und vorschlug, zusammen mit Rusk unverzüglich nach Fort Worth aufzubrechen, wo die Entscheidungen über die Schienenführung getroffen werden würden.
    Auf der Fahrt erklärte Weatherby, wie sie an die Herren von der Eisenbahn herantreten und ihnen eine Barvergütung für den Fall in Aussicht stellen sollten, daß sie einer Stichbahn nach Süden zustimmten. Als sie schließlich das Hotel erreichten, in dem die Direktoren der F. W. & D. C. tagten, waren die zwei Kleinstadtränkeschmiede bestens vorbereitet, mit den Großstadtbankiers und Ingenieuren weltmännisch zu verhandeln.
    Aber ach! Sie waren nur eine von neunzehn solcher Delegationen, und als sie endlich zu den maßgeblichen Herren vordrangen, hatten diese die Strecke bereits festgelegt. »Meine Herren«, entschuldigten sich die Direktoren, »wir danken Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, wir wissen Ihr Angebot zu schätzen, denn uns ist klar, daß es nicht leicht ist, solche Beträge einzusammeln, aber wir müssen uns auf die Hauptstrecke nach Denver konzentrieren. Nebenbahnen sind nicht vorgesehen.«
    Rusk war völlig niedergeschmettert und zeigte es auch wie ein Kind, aber Clyde Weatherby, der gewiegte Unterhändler, verbarg seine Enttäuschung, wünschte den Finanziers aus Colorado und Texas alles Gute und verabschiedete sich mit den Worten: »Wenn Sie einmal genügend Geld haben, um eine Nebenlinie nach Süden zu bauen - und früher oder später werden Sie das tun müssen -, dann denken Sie bitte an uns. Fort Garner, Gartenstadt des Neuen Westens.« Die Herren fanden offenbar Gefallen an dem jovialen Mann und versicherten ihm, daß sie an ihn denken würden.
    Auf der Rückfahrt wandte sich der Bankier in scharfem Ton an Rusk: »Earnshaw, ich mag Sie. Aber wir müssen das alles ganz anders aufziehen. Es geht um die Zukunft unserer Stadt; entweder bekommen wir eine Eisenbahn, oder wir können zusperren.«
    Noch bevor sie Fort Garner erreichten, hatte er einen Plan entwickelt.

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