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Texas

Texas

Titel: Texas Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James A. Michener
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erreichte, hatten die anderen jungen Männer den ewigen Spaßverderber so gut wie abgeschrieben.
    Poteet tat das nicht. In seinen langen Jahren auf dem Weideland hatte er oft beobachtet, wie noch weit hoffnungslosere Burschen als Floyd Rusk ganz allmählich ihre eigene Persönlichkeit entdeckten - im Umgang mit halbwegs vernünftigen Männern. Poteet hoffte, daß das auch bei Floyd so funktionieren werde, und wies zwei seiner Leute an, sich um den Jungen zu kümmern. Als der junge Rusk jedoch alle ihre Bemühungen zurückwies, sagten sie zu Poteet: »Zum Teufel mit ihm! Bringen Sie ihn nach Dodge wie das übrige Vieh und schicken Sie ihn dann nach Hause!«
    Eines Tages nahm Poteet seinen Schützling zur Seite und sagte: »An deiner Stelle würde ich nicht so viel essen, mein Sohn.«
    »Ich will nicht so aussehen wie mein dummer Vater!«
    »Junge, wenn du in meiner Gegenwart noch einmal so von deinem Vater oder von deiner Mutter sprichst, dann, bei Gott, dann bekommst du von mir eine Tracht Prügel, die du nie vergessen wirst.«
    »Das würden Sie nicht wagen!«
    Poteet trat einen Schritt vor und sagte ganz ruhig: »Mein Sohn, du weißt es nicht, und vielleicht ist es unmöglich, es dir verständlich zu machen, aber du befindest dich inmitten eines großen Kampfes. Es geht um dich selber. Ich fürchte, du wirst diesen Kampf verlieren. Ich fürchte, du wirst für den Rest deines Lebens ein elender Mensch sein. Aber versuche wenigstens, dich auf diesem Viehzug wie ein Mann zu betragen.«
    So hatten sich nun alle von diesem jämmerlichen Jungen abgewandt; nicht einmal der mexikanische Koch konnte seine Verachtung verbergen, wenn er zusah, wie Floyd sich den Bauch vollschlug. Er ritt am Ende der Herde, bekam den Staub ins Gesicht und murrte ständig über das, was ihm da zugemutet wurde; viele Jungen hätten Jahre ihres Lebens dafür gegeben, die Eroberung der Prärie miterleben zu dürfen.
    Die Herde näherte sich dem Südufer des Arkansas River; man konnte schon die niedrigen Häuser von Dodge City auf dem anderen Ufer sehen. Am Abend versammelte Poteet alle um sich, die zum ersten Mal dabei waren, und sprach zu ihnen, als ob er ihr Vater wäre: »Jungs, wenn ihr morgen die Zollbrücke passiert, betretet ihr eine neue Welt. Nördlich der Eisenbahnlinie haben die Stadtväter für Ordnung gesorgt. Es gibt dort keine Schießereien mehr, und man kann nicht mehr zu Pferd in einen Saloon hinein. Jenseits der Schienen gibt es nur mehr Kirchen, Schulen und Zeitungen. Auf der Südseite der Strecke ist alles wie eh und je: Saloons, Tanzdielen, Spielhöllen. Wer im Norden bleibt, kann mit der Hilfe der besseren Leute rechnen. Wer nach Süden geht, ist auf sich selbst angewiesen.« Zu Floyd gewandt, sagte er: »Ich nehme an, du wirst dich im Süden umschauen wollen. Wenn du das tust, sieh zu, daß du lebend wieder herauskommst. Ich möchte euch Jungs wieder zu euren Müttern zurückbringen.«
    Nachdem Poteet sich zurückgezogen hatte, fragte Floyd einen der Viehtreiber: »Ist Luke Short in der Stadt? Er kommt aus Texas und hat viele Menschen getötet.«
    »Luke hat man schon vor Jahren aus der Stadt gejagt, und wenn du unangenehm auffällst, geht es dir genauso.«
    Auf dem Weg nach Dodge hatte Floyd ganze Tage damit verbracht, sich vorzustellen, was er alles unternehmen würde, wenn er in die Stadt kam. Mädchen spielten in seinen Plänen eine Rolle und das Abfeuern seiner Pistole und ein Galopp die Front Street hinunter, und ein heißes Bad und gutes Essen.

Sofort nachdem die Longhorns in die Corrals der Verladestation gebracht worden waren, kassierte Floyd einen Teil seines Lohns und begab sich eilends in das verrufene Viertel südlich der Bahn, wo er mit untrüglichem Instinkt das übelste von allen Lokalen aufspürte, »The Lady Gay«. Er staunte, als er zum ersten Mal Tanzmädchen sah; als er jedoch die anzüglichen Bemerkungen hörte, die die Cowboys über sie machten, mußte er an seine Mutter denken; er wurde wütend und schrie zwei Männer von einem anderen Viehzug, die an seinem Tisch saßen, an, sie sollten den Mund halten.
    Die Cowboys maßen den unförmigen Burschen mit ihren Blicken, und einer von ihnen machte eine Bewegung, als wollte er ihn zur Seite stoßen. Um dem zuvorzukommen, zog Floyd seine Pistole und erschoß die beiden.
    Noch bevor sich der Pulverdampf verzogen hatte, traten zwei von Poteets Männern, die sich ebenfalls in dem Lokal aufgehalten hatten, in Aktion, schleiften Floyd aus dem Tanzsaal und

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