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Tod Auf Dem Jakobsweg

Tod Auf Dem Jakobsweg

Titel: Tod Auf Dem Jakobsweg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Petra Oelker
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Joaquíns Bruder als Mitglied des Stadtrats falsche Töne spuckte. Joaquín Obanos liebte seine Frau Pilar, seine beiden Kinder, seine Mutter und auch seine Schwester. Sogar einige der entfernteren Familienmitglieder, was nicht immer einfach war. Mit seinem Bruder, den er für einen Opportunisten und frömmelnden Schleimer hielt, sprach er jedoch nur, wenn es sich bei Familientreffen nicht umgehen ließ. Eine Tatsache, die beide wenig beeinträchtigte.
    «Ich habe mich gerade gefragt, ob du mit mir essen gehst», fuhr Obanos fort. «Unter einer Platane auf dem Paseo del Espolón. Nun frage ich dich. Falls du es noch nicht gemerkt hast: Seilt einer Stunde haben wir Sommer.»
    «Auf keinen Fall. Die Platanen auf dem Paseo sind mal wieder übel amputiert, der Anblick erinnert mich an die Beinstümpfe und quietschenden Prothesen von Onkel Fernando. Da vergeht mir der Appetit. Außerdem kannst du noch nicht gehen. Was glaubst du, warum ich mir die Mühe mache, dein nichtsnutziges Telefon aus der Lade zu zerren? Ich habe einen Anruf in der Leitung, der Kerl will unbedingt dich sprechen, mit mir mag er sich nicht begnügen. Dr. Helada oder so ähnlich, er ruft aus irgendeiner Klinik an und behauptet, du kennst ihn. Werd nicht blass, es ist nichts mit deiner Familie, danach habe ich natürlich gleich gefragt. Dienstlich, sagt er. Sprich mit ihm, und vielleicht geh ich dann doch mit dir zu den Amputierten. Der Mensch muss essen, auch wenn er nur Polizist ist.»
    Damit rannte er davon, die Tür rumste, und Obanos schloss, plötzlich missmutig, das Fenster und damit den Straßenlärm aus. Was wollte dieser Doktor von ihm? Helada. Der Name gefiel ihm überhaupt nicht. Wenn Pilar von dem Arzt auf der Intensiv-Station und seinen erzählte, was seiner Meinung nach eindeutig zu oft geschah, glänzten ihre Augen. Sie behauptete zwar, das sei blanker Unsinn, auch wenn es ihr schmeichele, dass ihr Ehemann nach fünfzehn gemeinsamen Jahren etwas so Törichtes wie Eifersucht produziere. Aber fünfzehn Jahre waren eben fünfzehn Jahre, eine so lange Zeit machte womöglich Hunger auf ein bisschen Abwechslung. Und Pilar war immer noch eine bildschöne Frau, nicht nur in den Augen eines liebenden Ehemannes. Als das Telefon klingelte, zog er den Bauch ein, strich seinen Schnurrbart glatt und beschloss, fünf Kilo abzunehmen und endlich wieder Sport zu treiben.
    Leider fand Obanos Dr. Helada ziemlich sympathisch. Seine Stimme war angenehm kühl, er sprach ohne falsche Vertraulichkeit und kam schnell zur Sache.
    «Entschuldigen Sie, wenn ich darauf bestanden habe, mit Ihnen zu sprechen, Inspektor Obanos, und auch noch behauptet habe, Sie zu kennen. Aber ich kenne Ihre Frau aus unserem Labor, sie erzählt gerne von Ihnen, und ich dachte, so ist es nur halboffiziell. Tatsächlich weiß ich gar nicht, ob Sie für solche Dinge zuständig sind.»
    «Wir werden sehen», sagte Obanos und erlöste seine untrainierten Bauchmuskeln. «Ich höre zu.»
    «Danke. Wir haben hier einen Patienten, der bei einer Wanderung verunglückt ist. Ich hatte ein paar freie Tage und habe ihn erst heute gesehen. Er ist einen Abhang hinuntergestürzt, ziemlich übel, aber, nun ja, er hat auch einige Hämatome, eins am Hals und eins am linken Unterarm, von denen ich nicht glaube, dass sie bei einem solchen Sturz entstehen.»
    Obanos kreuzte seine Füße auf dem Papierkorb und heftete den Blick wieder auf das Castillo von Poza de la Sal und die Berge. «Und was glauben Sie?»
    «Ich möchte nicht leichtfertig Verdächtigungen in die Welt setzen», Dr. Helada holte tief Luft, «aber ich glaube, dass sie durch Schläge entstanden sein können. Ich betone . Karateschläge zum Beispiel. Ich habe während des Studiums selbst einige Zeit Karate gemacht, deshalb kann ich mir vorstellen, wie so was aussieht. Bei normalem Training sollte man Blessuren dieser Art natürlich nicht bekommen.»
    Obanos schob die Vorstellung von Pilar beim Anblick des durchtrainierten Körpers eines Karatekämpfers mit Doktortitel weg und pfiff leise durch die Zähne.
    «Das heißt, Sie glauben deshalb auch, dass er nicht einfach so gestürzt ist, sondern dass jemand nachgeholfen hat.»
    Für einen Moment blieb die Leitung stumm.
    «Möglicherweise, ja», bestätigte Dr. Helada endlich. «Doch, das nehme ich an. So in etwa. Dass er die Hämatome schon aus Deutschland mitgebracht hat, ist wenig wahrscheinlich. Er liegt seit Montag auf meiner Station, wären die Blutergüsse

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