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Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
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vom Umtausch ausgeschlossen.«
    »Das kann ich, ahm... gut verstehen.«
    Ich grinste. »Koby mag leuchtende Farben.«
    »Dann wird ihm dieses Hemd ganz sicher gefallen.«
    »Er hat sich bei dem Unfall ein Hemd ruiniert, als er damit eine verletzte Arterie abband. Da hab ich mir gedacht, ich schenke ihm eines als Ersatz.«
    »Eine gute Idee. Er wird sich bestimmt freuen.«
    »Ja. Falls ich es ihm überhaupt gebe.«
    Rina wartete darauf, dass ich weitersprechen würde, was aber nicht geschah. Sie schenkte uns Kaffee ein. »Er ist ganz frisch. Du trinkst deinen mit Sahne, stimmt's?«
    »Mit Sahne und Zucker. Einen richtigen Mädchenkaffee.« »Ich auch.«
    Ich nahm einen Schluck. Er war sehr gut und schmeckte nach Zimt, was meine Laune nicht gerade besserte. »Das geht auch vorüber«, meinte sie.
    »Ich schätze, alles geht irgendwann vorüber. Spätestens dann, wenn man stirbt.«
    Rina lächelte. »Jetzt klingst du genau wie dein Vater.« »Gott bewahre!«
    »Nein, das ist doch gut. Ich liebe deinen Vater.«
    »Dann sind wir schon zu zweit.« Ich stellte meine Tasse ab. »Ich weiß nicht, Rina. Das Hemd sollte ein Friedensangebot sein. Jetzt frage ich mich plötzlich, ob es das Ganze überhaupt wert ist. Vielleicht sollte ich es lieber bleiben lassen.«
    »Das musst du entscheiden.«
    »Ich mag ihn. Aber Männer sind so verdammt schwierig.« »Normalerweise würde ich dir da sofort zustimmen, aber dieses Wochenende war dein Vater ein absoluter Schatz.« »Vielleicht liegt es ja an mir.«
    »Möchtest du meine Meinung zu der Sache hören?« »Klar.«
    »Das Hemd ist vom Umtausch ausgeschlossen. Du hast es für jemanden gekauft, der einen ganz besonderen Geschmack hat. Schenke es ihm, es wäre schade darum.«
    Der Tag war spektakulär, trotz meiner schlechten Laune. Kobys Wagen stand in der Auffahrt, und einen Moment lang wünschte ich, das alles würde sich einfach in Luft auflösen - all die unguten Gefühle, die einen daran hinderten, das Leben zu genießen -, und wir könnten zusammen in den Wagen hüpfen und einen endlosen Highway entlang brausen. Als Koby auf mein Läuten nicht reagierte, spähte ich wie bei meinem letzten Überraschungsbesuch über das Tor. Diesmal stand die Hintertür nicht offen, aber im Garten bewegte sich etwas. Ich versuchte das Tor zu öffnen. Es war abgeschlossen. Offenbar rechnete er nicht mit Besuch, aber das war mir egal. Ich schwang mich über das Tor.
    »Hallo?«, rief ich. »Hier hinten!«
    Die Orangenbäume waren noch immer mit duftenden Blüten übersät. Am Eingang zu seinem Garten blieb ich stehen. Er hatte Recht gehabt. Eine Woche später, und der Garten hatte sich ebenfalls in ein duftendes Blütenmeer verwandelt. Koby war damit beschäftigt, die Rosensträucher zurückzuschneiden. Er trug eine ausgewaschene Jeans, ein grünes, ärmelloses Oberteil und Turnschuhe. Er bedachte mich immerhin mit einem kurzen Blick, bevor er einen Zweig mit einer rubinroten Knospe abzwickte. »Wow! « Ich wischte über meine schwarze Hose, die von meiner Kletterpartie über das Tor ein wenig schmutzig war. »Hier hinten ist es aber schön!«
    »Danke.« Er sah mich an. »Trotzdem habe ich die schönere Aussicht.« Er begann den abgeschnittenen Zweig von seinen Dornen zu befreien.
    Ich dankte ihm für das Kompliment. »Wie kommst du mit dem Holzboden voran?« Den Blick auf die Rose gerichtet, antwortete er: »Gar nicht. Wenn ich genervt bin, arbeite ich nicht mit Elektrowerkzeug.«
    Er überreichte mir die Rose.
    Ich nahm sie dankend entgegen und roch daran. »Tres elegant! Und weil wir gerade dabei sind...« Ich hob meine Tüte hoch, »... ein bisschen prosaischer, aber, wie mal ein kluger Mann gesagt hat, der Gedanke zählt.«
    Er betrachtete mein Geschenk, das, in Seidenpapier eingewickelt, in einer schimmernden, mit zwei Kordelschlaufen versehenen Geschenktüte steckte. »Für mich?«
    »Ja, es sei denn, du entdeckst noch jemand anderen.«
    Seine Augen waren zwar nicht mehr blutunterlaufen, wirkten aber immer noch ein wenig stumpf. Er starrte die Tüte an, dann mich. »Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«
    »>Danke< ist nie verkehrt.«
    »Danke.«
    »Sieh es dir doch erst mal an.«
    Er zog das Hemd heraus und strahlte. »Es ist wunderschön!«»Wenn du es zu Halloween zu einer schwarzen Hose trägst, werden dich die Leute für einen Kürbis halten.«
    »Ja, vor allem wegen meiner großen Zähne.« Er warf einen Blick auf das Etikett. »Genau meine Größe.« Er hielt es sich an die Brust.

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