Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
Vom Netzwerk:
da um diese Zeit nicht mehr viele Autos unterwegs sind und gerade kein Sport läuft... denke ich eben an Sex.«
    Ich sah ihn von der Seite an. »Bin ich in deiner Phantasie wenigstens vorgekommen?« Er grinste. »Du warst die Phantasie.«
    Ich knuffte ihn in die Schulter. »Lügner!«
    Er lachte. »Nein, wirklich, wenn wir zu Hause sind, beweise ich es dir. Dann werde ich dir demonstrieren, wovon ich phantasiert habe.«
    Wieder knuffte ich ihn in die Schulter. »Möchtest du, dass ich dich ent-rege?« »Eigentlich nicht.«
    Wir schwiegen eine Weile.
    »Was ist?«, fragte Koby schließlich.
    »Ich habe meiner Mutter von dir erzählt.«
    Koby wirkte mit einem Mal ein wenig angespannt, sagte aber nichts.
    »Na, hat es funktioniert?«, fragte ich.
    »Und wie. Meine ganze Erregung ist einen plötzlichen und ziemlich erbärmlichen Tod gestorben. Was hat sie gesagt?« »Sie hat gefragt, ob es etwas Ernstes sei.« »Was hast du geantwortet?«
    »Dass ich dich erst seit einem Monat kenne und man somit nur von >relativ ernst< sprechen könne. Ich habe ihr gesagt, dass ich dich sehr gern mag. Sie möchte dich kennen lernen.«
    Er lächelte. »Du magst mich also sehr gern?«
    »Nein, ich halte dich für einen totalen Taugenichts.«
    »Für einen Taugenichts arbeite ich zu viel.«
    »Das stimmt. Du musst wie ein Stier gearbeitet haben, um dir dein Haus leisten zu können.«
    »Nein, ein Stier hat ein schöneres Leben.« Er lachte über seinen Witz. »Zu dem Haus gibt es eine Geschichte. Ein Freund von mir hat in den späten Neunzigern recht erfolgreich an der Börse spekuliert. Ich bin normalerweise ein sehr vorsichtiger Mensch, aber aus irgendeinem Grund gab ich ihm ein paar tausend Dollar, die sich schnell in zwanzig verwandelten. Dann wurde mir das Haus angeboten, und ich ließ mir meinen Gewinn auszahlen. Ein Jahr später war die Firma pleite. Ich hatte Glück gehabt.«
    »Vielleicht lag es daran, dass du nicht gierig warst.«
    »Was auch immer der Grund war, ich stelle ihn nicht in Frage, ich sage einfach danke. Wenn du möchtest, kannst du mich deiner Mutter gerne vorstellen.«
    »Wie wär's denn dieses Wochenende?«
    » Einverstanden.«
    »Das ist lieb von dir, Koby.« Ich zog auf der Beifahrerseite den Spiegel herunter und begann mit meinem Haar herumzuspielen. »Wir treffen uns normalerweise am Samstag zum Mittagessen. Ich hab ihr gesagt, dass das für dich nicht so günstig sei wegen des Sabbat. Ich glaube, dass du auf einen traditionellen Sabbat Wert legst, macht ihr mehr Sorgen als deine Hautfarbe.«
    Er zog ein Gesicht. »Warum?«
    Ich strich ein paar widerspenstige Locken zurück. »Weil die jetzige Frau meines Vaters so religiös ist.«
    »Aha. Dadurch gehöre ich für sie also zum feindlichen Lager.«
    »Mehr oder weniger... obwohl meine Mutter vor meinem Vater wieder geheiratet hat.« »Kommst du mit deinem Stiefvater zurecht?«
    »Ja, Alan ist ganz in Ordnung. Ich sehe ihn nicht oft. Normalerweise treffe ich mich mit meiner Mutter allein, sodass ich ihn eigentlich nur zu Gesicht bekomme, wenn sie eine Party geben. Das kommt ziemlich häufig vor - ungefähr sechsmal im Jahr.«
    Ich kniff die Augen zusammen und beobachtete im Spiegel den Verkehr hinter uns.
    »An welchem Tag sollen wir uns dann mit deiner Mutter treffen?«, fragte Koby.
    Die Sekunden verstrichen, ohne dass ich ihm eine Antwort gab.
    »Cindy?«
    »Nächsten Sonntag... Augenblick mal.« »Was ist los?«
    »Fahr weiter!« Ich spähte in den Seitenspiegel. »Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, Koby. Schau nicht in den Spiegel und beschleunige nicht. Fahre einfach so weiter. Ich glaube, wir werden verfolgt.«
    Er sagte nichts, umklammerte nur das Lenkrad ein wenig fester. Ich sah ihm an, wie nervös er war. Er hatte auch allen Grund dazu.
    »Ein bronzefarbener Chevy Nova«, stellte ich fest. »So einen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Verdunkelte Scheiben. Das ist nicht zulässig, aber im Moment wohl das kleinere Problem. Ich kann das Gesicht des Fahrers nicht erkennen, er hält zu viel Abstand.«
    »Soll ich langsamer fahren?«
    »Nein, wie ich schon gesagt habe, fahr einfach weiter.« Er schluckte. »Ist es der Typ, den ich auf den Rücken geschlagen habe?«
    »Vielleicht. Obwohl ich glaube, dass er noch in Untersuchungshaft sitzt.«
    »Dann vielleicht der Typ, der die Fahrerflucht begangen hat?« »Möglich. Wir fahren denselben Wagen. Warum sollte uns sonst jemand folgen?«
    »Und du kannst ihn wirklich nicht erkennen?« »Nein.«
    Koby

Weitere Kostenlose Bücher